Leberblümchen (Gattung)

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Leberblümchen
Echtes Leberblümchen (Hepatica nobilis)

Echtes Leberblümchen (Hepatica nobilis)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Anemoneae
Gattung: Leberblümchen
Wissenschaftlicher Name
Hepatica
Mill.

Die Gattung der Leberblümchen (Hepatica) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Einige Botaniker inkludieren die Gattung Hepatica in die Gattung Anemone (Näheres dazu im Abschnitt zur Systematik). Der Name Hepatica wie auch der deutsche Name Leberblümchen bezieht sich auf die Gestalt der Blätter, die im Umriss an die Form der menschlichen Leber erinnern. Nach der Signaturenlehre glaubte man an die Heilkraft der Leberblümchen bei Leberleiden.[1] Die Leberblümchen sind auf der Nordhalbkugel verbreitet. Großblütige Arten und Hybriden sind beliebte Gartenpflanzen, vor allem in Japan, wo sie seit dem 18. Jahrhundert in zahlreichen Farbvarianten und Blütenformen kultiviert werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leberblümchen sind ausdauernde, krautige Pflanzen. Dem dichten Rhizom entspringen grundständige Laubblätter. Die Blattspreite ist in drei bis fünf Lappen geteilt und bis zur Hälfte der Spreite eingeschnitten. Die Blätter sind ganzrandig oder gezähnt. Die zwittrigen Einzelblüten sind endständig direkt über den drei kelchartigen, grünen Hochblättern (Involucrum), die die Blütenknospen schützend umhüllen und damit die Schutzfunktion des fehlenden Kelchs übernehmen. Die Blüten sind radiärsymmetrisch mit zahlreichen Staubblättern und zahlreichen freien Fruchtblättern.

Der Samen von Leberblümchen wird überwiegend von Ameisen verbreitet (sogenannte Myrmekochorie). Wie für myrmekochore Pflanzen typisch haben die Diasporen ein nährstoffreiches Anhängsel, ein Elaiosom, das als Lock- und Nährkörper dient. Das Elaiosom ist allein für den Verzehr bestimmt. Ameisen verschleppen die Diasporen aufgrund ihrer Elaiosom-Anhängsel in ihren Bau und trennen dort das Elaiosom von der Diaspore.[2] Der Samen wird dann aus dem Bau entfernt und auf den Abfallhaufen der jeweiligen Kolonie gebracht. Der Samen findet dort in der Regel ideale Keimbedingungen und steht gleichzeitig mehrere Meter von der Mutterpflanze entfernt.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur systematischen Stellung der Leberblümchen gibt es zwei Auffassungen. Einerseits sprechen phylogenetische Untersuchungen für eine Eingliederung in eine weit gefasste Gattung der Anemone s.l..[4] Dies hätte aber zur Folge, dass alle Anemoninae zu einer Gattung zusammengefügt werden.[5] Andererseits gibt es durchaus Gründe für eine Aufspaltung der Gattung Anemone s.l. in mehrere Gattungen. So haben etwa die Arten in der Gattung Hepatica eine reduzierte Chromosomengrundzahl x=7 (gegenüber x=8 für die Windröschen im engeren Sinne).[6] Aufgrund fehlender ausreichender genetischer Untersuchungen ist auch die Gliederung innerhalb der Gattung Hepatica verworren und unklar. Je nach Autor enthält die Gattung zwischen vier und zwölf Arten, von denen zwei in Europa vorkommen.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekannten Hepatica-Arten lassen sich hinsichtlich der Blattform in zwei Serien unterteilen. Die Laubblätter der Serie Triloba (Ulbr.)[7] Tamura[8]: sind dreilappig und stets ganzrandig hingegen die der Serie Angulosa (Ulbr.)[7] Tamura[8] sind drei- bis fünflappig und der Blattrand ist meist gezähnt

Hepatica nobilis

Blätter dreilappig und ganzrandig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hepatica nobilis (Schreber), Echtes Leberblümchen,[9] ist diploid mit der Chromosomenzahl 2n=14.
    • Hepatica nobilis var. nobilis — Vorkommen in Europa zwischen Skandinavien und Mittelitalien, vom Baltikum bis zum Balkan und ein Vorkommen in den Pyrenäen und im nördlichen Spanien. Als Standorte werden lichte Buchen- und Eichenwälder mit kalkhaltigen, basenreichen Lehmböden bevorzugt. In den Alpen steigt es bis auf Höhenlagen von 2200 Metern.
    • Hepatica nobilis var. asiatica Schreb. (Syn. Hepatica asiatica): China: mittlere und östliche Gebiete, Korea, Küstenregion des Fernen Osten Russlands; Wälder und grasige Abhänge von 700 bis 1100 m.[10]
    • Hepatica nobilis var. insularis (Syn. Hepatica insularis)Korea - Cheju Island / Cheju-do *) und an der südliche Spitze der koreanischen Halbinsel; in Laubwäldern.
    • Hepatica nobilis var. japonica (Syn. Hepatica japonica) Japanische Inseln Hauptinsel Honshu, Insel Shikoku, im Norden der Insel Kyushu.
    • Hepatica nobilis var. pubescens (Syn. Hepatica pubescens). In Japan Zentral-Honshu, auf Höhen bis 1050 m. Dies ist die einzige tetraploide Rasse (Chromosomenzahl 2n=28).[11]
    • Hepatica nobilis var. acuta (Syn. Hepatica acutiloba, Anemone acutiloba)[12] östliches Nordamerika, gekennzeichnet durch zugespitzte Blätter und Vorkommen auf Kalk.
    • Hepatica nobilis var. obtusa (Syn. Hepatica americana, Anemone americana)[13] östliches Nordamerika, gekennzeichnet durch abgerundete Blätter und Vorkommen auf saurem Boden.
  • Hepatica maxima (Nakai) [14] ist endemisch auf der südkoreanischen Insel Ulleungdo. Im frostfreien Klima bildeten sich Pflanzen mit den größten Blättern und Blüten in dieser Gattung. Hepatica maxima ist diploid mit der Chromosomenzahl 2n=14.[15]
Hepatica transsilvanica

Blätter drei- bis fünflappig, Blattrand gezähnt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anemone falconeri ((T. Thomson) Yuz.) (Syn. Hepatica falconeri)[16][17] steht zwischen den Gattungen Anemone und Hepatica. Bergwälder Zentralasiens; Indien: Nordwest-Himalaja (Himachal-Pradesh, Jammu und Kaschmir); nordwestl. China (Tienschan); Kirgistan und Tadschikistan (Pamir-Alai); Nord Pakistan, Kasachstan (Nord-Tienshan) auf Höhen bis 3100 m. Morphologisch steht sie Anemone näher, hat aber die Chromosomenzahl 2n=14 und gilt als ein Elternteil von drei Hepatica-Arten.[18] Es wird vermutet,[11] dass diese Art ein Ur-Leberblümchen Relikt ist. Von Zentralasien aus haben sich dann die Leberblümchen sowohl nach Europa als auch nach Ostasien und über eine im Miozän bestehende Landbrücke auch ins östliche Nordamerika ausgebreitet.
  • Hepatica transsilvanica (Fuss) (Siebenbürger Leberblümchen) [19] ist tetraploid mit der Chromosomenzahl 2n=28 und ist endemisch in den Bergwäldern der rumänischen Karpaten. Diese Art hat gekerbte Blätter mit 3 bis 5 Lappen, große Blüten mit bis zu 4 cm Durchmesser und acht Blütenblätter, sowie Hüllblätter mit 2 oder 3 kleinen Zähnchen.[20]
  • Hepatica henryi ((Oliv.) Steward)[21] wächst im mittlern bis westlichen China in den Provinzen Hubei, Hunan, Szechuan, Shaanxi in 1300-2000 m, tetraploid, Chromosomenzahl 2n=28. Dezhi und Robinson[10] schließen dabei Hepatica yamatutae ein, die nach Zonneveld[11] aufgrund genetischer Untersuchungen eine wesentlich später entstandene, eigenständige Art ist, die endemisch am Emei Shan in Sichuan vorkommt, aber die gleichen Elternarten wie Hepatica henryi hat.
  • Hepatica yamatutai (Nakai) [22], westliches China: Provinz Sichuan, 800-2000 m in einem kleinen Gebiet an den Hängen des Berges Emei Shan; immergrüne Wälder mit hohen Niederschlägen, auf durchlässigem Kalkstein mit Humusschicht aus verrottendem Laub; tetraploid, Chromosomenzahl 2n=28. eng verwandt mit H. henryi

Von Zonneveld[11] werden die vier ostasiatischen Rassen von Hepatica nobilis zu Hepatica asiatica und die zwei nordamerikanischen Rassen zu Hepatica americana zusammengefasst.

Hepatica distribution EurAsia.png
Hepatica distribution America.png


Verbreitungskarte der Leberblümchen in Europa und Asien (links) sowie Nordamerika (rechts). (Versuch einer Darstellung gemäß der in den jeweiligen Wikipedia Seiten angegebenen natürlichen Verbreitung.)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. David George Haskell: The Forst Unseen – A Year’s Watch in Nature. Viking, New York 2012, ISBN 978-1-101-56106-5, S. 47.
  2. David George Haskell: The Forst Unseen – A Year’s Watch in Nature. Viking, New York 2012, ISBN 978-1-101-56106-5, S. 88.
  3. David George Haskell: The Forst Unseen – A Year’s Watch in Nature. Viking, New York 2012, ISBN 978-1-101-56106-5, S. 89.
  4. Sara B. Hoot, Anton A. Reznicek, Jeffrey D. Palmer: Phylogenetic Relationships in Anemone (Ranunculaceae) Based on Morphology and Chloroplast DNA. In: Systematic Botany. 19 (1) 1994, S. 169–200.
  5. M. A. Fischer, K. Oswald, W. Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 301.
  6. F. Ehrendorfer, R. Samuel: Contributions to a molecular phylogeny and systematics of Anemone and related genera (Ranunculaceae-Anemoninae). In: Acta Phytotaxonomica Sinica. Band 39, 2001, S. 293–307 (PDF)
  7. a b Ulbrich, O.E.: Über die systematische Gliederung und geographische Verbreitung der Gattung Anemone L. Bot. Jahrb. Syst. (1905) 37: 172 - 257, 38: 257 - 334.
  8. a b Tamura, M.: Morphology, ecology and phylogeny of the Ranunculaceae” VII. Science reports of South College, North College of Oska University, Japan 16:21-43, 1968.
  9. Hepatica nobilis SCHREBER in: „Spicilegium florae Lipsicae“: 39. 1771. Leipzig (9. Jul.-25. Okt. 1771)
  10. a b Dezhi und Robinson In: Flora of China. Band 6, 2001, S. 328 [1].
  11. a b c d B. J. M. Zonneveld: Genome Sizes in Hepatica Mill: (Ranunculaceae) Show a Loss of DNA, Not a Gain, in Polyploids. In: Journal of Botany. Band 2010, Hindawi Publ. Co. doi:10.1155/2010/758260 [2].
  12. Flora of North America [3]
  13. Flora of North America [4]
  14. Ahlburg, Marlene: „Hepatica maxima“ in Zeitschrift ‚Gartenpraxis’ Jahrg. 20, Nr. 7, Juli 1994, S. 13-15 Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
  15. H. Weiss, B. Y. Sun, T. F. Stuessy, C. H. Kim, H. Kato, M. Wakabayashi: Karyology of plant species endemic to Ullung Island (Korea) and selected relatives in peninsular Korea and Japan. In: Bot. J. Linn. Soc. 138(1), 2002, S. 93–105.
  16. YUZEPCZUK, Sergej Wassilievic: Hepatica falconeri (T. THOMSON); ’Флора СССР’ (Flora Unionis Rerumpublicarum Sovieticarum Socialisticarum) 7:284.1937
  17. Y. J. Nasir: Anemone falconeri. In: Flora of Pakistan. [5].
  18. H. Weiss-Schneeweiss u. a.: Chromosomal stasis in diploids contrasts with genome restructuring in auto- and allopolyploid taxa of Hepatica (Ranunculaceae). In: New Phytologist. Band 174, 2007, S. 669–682.
  19. Fuss, M.: Hepatica transsilvanica FUSS, Verhandlungen und Mitteilungen des siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften, I. Jahrgang, 1850,S. 83-84
  20. T. G. Tutin: "Hepatica" Mill. In: Flora Europaea. Band 1, 2. Auflage. Cambridge University Press, 1993, ISBN 0-521-15366-2, S. 264.
  21. STEWARD, A.N.: in Rhodora 29: 53. 1927
  22. Peters, Jürgen: Das etwas andere Leberblümchen: Hepatica yamatutai Nakai in ‚Gartenbotanische Blätter‘ 5/2000 der Gartenbotanischen Vereinigung in Deutschland

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anemone – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien