Leila Chaled

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leila Chaled (2009)

Leila Chaled (arabisch ليلى خالد Lailā Chālid, DMG Laylā Ḫālid; * 9. April 1944 in Haifa im damaligen Palästina) ist ein führendes Mitglied der Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) und war eine der ersten weiblichen Flugzeugentführer der Geschichte.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chaled war eines von 13 Kindern einer Kaufmannsfamilie in Haifa. Ihr Vater hatte in der Stadt ein kleines Geschäft, die große Familie besaß ein Haus. Während des Palästinakriegs 1948 floh die Familie in den Libanon, wo sie in einem Flüchtlingslager bei Tyros unterkam.[2]

Chaled hat einen christlichen Familienhintergrund und ist als Anhängerin des dialektischen Materialismus nach Karl Marx und Friedrich Engels selbst Atheistin, kritisiert jedoch nach eigener Aussage Religion nicht öffentlich.[3]

Im Alter von 15 Jahren war sie bereits politisch aktiv und trat einer libanesischen Zelle des Arab Nationalist Movement (ANM) bei. 1962/63 studierte sie an der American University of Beirut. Sie arbeitete als Lehrerin in Kuwait und organisierte sich dort bei al-Fatah. Ihr wurde nicht erlaubt, deren militärischem Flügel beizutreten. In der Folge des Sechstagekrieges ging sie 1967 zur frisch gegründeten Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) von George Habash, die später zur zweitstärksten Fraktion in der PLO wurde. In militärischen Ausbildungslagern in Jordanien übte sie den bewaffneten Kampf.

Erste Beteiligung an einer Flugzeugentführung 1969[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. August 1969 wurde sie in der Weltöffentlichkeit bekannt, weil sie an der Entführung des Fluges TWA 840 beteiligt war. Die Boeing 707, die auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv war, wurde nach Damaskus umgeleitet. Chaled zwang nach eigener Aussage den Piloten, über Haifa zu fliegen, um ihre Heimatstadt wiedersehen zu können. Die Boeing wurde in Damaskus gesprengt, nachdem alle an Bord befindlichen Personen sie verlassen hatten. Die nicht-israelischen Passagiere kamen sofort frei. Die syrischen Behörden hielten die vier Frauen unter den sechs israelischen Passagieren für einen Tag fest, die zwei Männer bis Dezember, als die israelische Regierung sie gegen syrische und ägyptische Kriegsgefangene austauschte.[4]

Seitdem galt Chaled in der westlichen Welt als Top-Terroristin und in der arabischen Welt als Heldin. Eine von Eddie Adams erstellte Fotografie stellte Chaled als Identifikationsfigur der Palästinenser dar. Auf dem Bild ist sie mit einer AK-47, der traditionellen Kufiya und einem mit einer Patrone geschmückten Ring zu sehen. Chaled unterzog sich nach 1969 mehreren kosmetischen Operationen an Nase und Kinn, um trotz ihrer Bekanntheit weitere Entführungsaktionen unternehmen zu können.[5]

Zweite Beteiligung an Flugzeugentführungen im Schwarzen September 1970[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Am 6. September 1970, in der Zeit des Schwarzen-September-Aufstandes der Palästinenser in Jordanien, unternahm die PFLP den Versuch, gleichzeitig fünf Flugzeuge zu entführen. Leila Chaleds Aufgabe war, zusammen mit dem Nicaraguaner Patrick Argüello den Flug El Al 219 von Amsterdam nach New York City unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Versuch schlug fehl, nachdem aufgebrachte Passagiere Argüello unter anderem mit einer Whiskyflasche traktiert und ein an Bord befindlicher israelischer Sicherheitsmann sich einen Schusswechsel mit Argüello geliefert hatten. Argüello verletzte einen Steward mit seiner Schusswaffe, geworfene Handgranaten, von denen Chaled auch zwei bei sich hatte, zündeten nicht. Zudem holte der Pilot die Entführer durch ein gewagtes Flugmanöver „von den Beinen“ und machte es so möglich, dass Passagiere und Besatzung diese dingfest machten.

Leila Chaleds Empfang in Damaskus nach ihrer Freilassung 1970

Argüello und Chaled wurden überwältigt, Argüello starb mit schweren Schussverletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Chaled behauptete zum Tod Argüellos, dieser sei – bereits überwältigt – kaltblütig erschossen worden, was Zeugen der Tat bestreiten. Chaled behauptete zudem, die geworfenen Handgranaten seien „nur Attrappen“ gewesen, und beschwerte sich über Misshandlungen durch die Passagiere, die sie zuvor in Todesangst versetzt hatte. Die Maschine landete in London und Chaled wurde zur Polizeistation Ealing gebracht. Sie wurde, wie einige andere PFLP-Gefangene in Deutschland und der Schweiz (siehe Attentat in Kloten), am 28. September im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen und in Syrien als Heldin und Freiheitskämpferin in Empfang genommen.

Weitere Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sie aufgrund ihrer großen Bekanntheit für weitere Entführungen nicht mehr in Frage kam, verlegte sie bereits in den 1970er Jahren ihre Betätigung vom bewaffneten Kampf zur politischen Auseinandersetzung. Sie wurde zu einer häufigen Teilnehmerin an internationalen Konferenzen zu Themen des Feminismus und der Dritten Welt.[6] Als Mitglied des Palästinensischen Nationalrats nahm sie 1996 in Gaza an dessen erster Sitzung auf palästinensischem Boden seit 1966 teil.[7] Dies war gleichzeitig Chaleds erste Rückkehr nach Palästina seit ihrer Flucht 1948. Israels Regierung hatte keine Einwände gegen ihr Passieren der vom israelischen Militär kontrollierten Grenzen nach Gaza erhoben.[6] Später war Chaled unter anderem Mitglied des Palästinensischen Legislativrats. Sie ist häufig in arabischen und palästinensischen Medien präsent. Als sie 2005 bei einer Konferenz in Belfast sprechen wollte, wurde ihr das bei zwei vorangegangenen Gelegenheiten gewährte Einreisevisum nach Großbritannien verweigert, woraufhin sie die Teilnehmer per Videoübertragung vom benachbarten Irland aus ansprach.[8][9] Sie ist mit einem Physiotherapeuten verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Amman in Jordanien.[8]

Autobiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leila Chaled: Mein Volk soll leben. Autobiographie einer Revolutionärin. (herausgegeben von George Hajjar) Trikont-Verlag, München 1974, ISBN 3-920385-63-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sarah Irving: Leila Khaled: Icon of Palestinian Revolution. Pluto Press, London 2012, ISBN 978-0-7453-2952-9.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dokumentarfilm: Leila Khaled, Hijacker, Schweden 2005, Regie: Lina Makboul (offizielle Webseite, englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leila Khaled – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Cristina Verriers Flugzeugentführung auf die Falklandinseln fand 1966 und damit deutlich früher statt, vergleiche Argentina: The Falkland Caper, Time, 7. Oktober 1966.
  2. Harvey W. Kushner: Encyclopedia of Terrorism. SAGE Publications, 2002, S. 201 (englisch)
  3. Paula Schmitt: Interview with Leila Khaled: 'BDS is effective, but it doesn't liberate land'. In: +972 Magazine vom 17. Mai 2014, abgerufen am 26. November 2015 (englisch)
  4. Amir Oren: Anatomy of a Prisoner Exchange. In: Haaretz vom 20. Oktober 2008, abgerufen am 6. Juni 2016 (englisch)
  5. I made the ring from a bullet and the pin of a hand grenade, Katharine Viner, The Guardian, 26. Januar 2001.
  6. a b Hijack queen comes home to Palestine. In: The Independent vom 21. Februar 1996, abgerufen am 6. Juni 2016 (englisch)
  7. Gaza – Palestinian National Council. In: AP Archive vom 23. April 1996, abgerufen am 6. Juni 2016 (englisch)
  8. a b John O'Farrell: Guerrilla in our midst. In: Financial Times vom 17. September 2005 (englisch)
  9. Plane hijacker turned politician disapproves of today's 'terrorism'. In: The Irish Times vom 4. August 2005, abgerufen am 6. Juni 2016 (englisch)