Lenglern

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Lenglern
Gemeinde Bovenden
Wappen von Lenglern
Koordinaten: 51° 35′ 0″ N, 9° 52′ 25″ O
Höhe: 156 m
Einwohner: 2424 (30. Nov. 2008)
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37120
Vorwahl: 05593

Lenglern ist ein zum Flecken Bovenden in Niedersachsen gehörendes Dorf mit etwa 2200 Einwohnern. Es ist damit nach Bovenden der einwohnerstärkste Teilort des Fleckens, liegt im westlichen Teil des Leinegrabens und wird vom Leinetal durch den Höhenrücken der Lieth getrennt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die niedrigste Höhe der Ortslage liegt auf 145 m ü.NHN, diese findet sich in den Wiesen des südöstlichen Ortsteiles, am Bahnhof liegt die Höhe bei 157 m ü.NHN, während sich östlich Lenglerns der langgestreckte Keuperrücken der Lieth, mit einer Erhebung von 200 m ü.NHN anschließt. Nordwestlich befindet sich der Kramberg, aus Muschelkalk und Lettenkohlenkeuper gebildet und ca. 207 m ü.NHN hoch. Die höchste Erhebung findet sich, mit 269 m ü.NHN, südwestlich des Ortes mit dem Muschelkalkrücken Oberes Holz. Schotter und Lössverwehungen des Pleistozäns nehmen den größten Teil der Gemarkungsfläche ein. Zudem zieht sich eine Zunge aus Auelehm und Kalksinter durch das Tal.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes ist in einer Urkunde Ottos I. aus dem Jahr 966 überliefert. Darin bestätigt der Kaiser die von seiner Mutter Mathilde getätigte Schenkung von Ländereien in Drodminne (Dortmund), Uuinide (Weende) und Lenglere an das Marienkloster in Enger.[2] Archäologische Funde weisen jedoch auf eine ältere Siedlung hin. Daneben ist unklar, ob es sich bei der Erwähnung von Lenglere tatsächlich um das heutige Dorf Lenglern handelte. So könnte es sich bei Lenglere auch um den Ort Lenklar bei Werne, im Kreis Unna, handeln, welcher im Mittelalter als Lanclar, Lenclere und Lenclar erwähnt wird[3]. Gestützt würde diese These durch die Nennung der unmittelbar benachbarten Stadt Dortmund. Daneben würde noch Kirchlengern in Frage kommen, der in Quellen die Namen Lengere, Langlere und Lanclerion besitzt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte Lenglern 255 Einwohner, bis 1780 hatte sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt. Die Bebauung verdichtete sich entlang und zwischen den beiden in Ost-West-Richtung bzw. Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptstraßen (Lange Straße/Bovender Straße und Mittelstraße/Holtenser Straße).[4] Seit spätestens 1418 zählte Lenglern zum Amt Harste, welches zum 1. Juli 1823 aufgelöst wurde. Ab diesem Zeitpunkt wechselte der Ort zum 1815 entstandenen Amt Bovenden über und zählte knapp 25 Jahre später etwa 670 Einwohner, die sich auf 109 Wohnhäuser verteilten.[5] Die Einwohnerzahlen blieben in den folgenden Jahren relativ konstant, so zeugen Verzeichnisse für das Jahr 1858 von 688 Einwohnern[6], während man im Jahre 1866 660 Personen im Ort zählte [7].

Die Landwirtschaft hat Lenglern über seine gesamte Geschichte hinweg sehr stark geprägt. 1910 wurde die Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde über Lenglern eröffnet. 1934 wurde im Nordosten des Dorfes eine Munitionsanstalt gebaut, und 1939 begann die Ausbeutung der Eisenerzgrube Marie-Caroline. Dieser Betrieb wurde 1961 geschlossen und das Gelände kurze Zeit später rekultiviert.

Am 1. Januar 1973 wurde Lenglern in den Flecken Bovenden eingegliedert.[8]

Im 20. Jahrhundert wurden ausgedehnte Neubaugebiete nördlich und östlich des Siedlungskerns erschlossen.

Blick von Süden auf Lenglern

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin von Lenglern ist zurzeit Marianne Stietenroth (SPD).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ev.-luth. Kirche St. Martin

Martinskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil die aus dem Mittelalter stammenden Kirchen St. Laurentius und St. Martin im 18. Jahrhundert zunehmend in ihrer Bausubstanz verfielen, entschied sich das Amt Harste für einen Neubau der Martinskirche. Der Gottesdienst fand zwischenzeitlich in einer Scheune statt, während die Glocken ihren Platz temporär auf dem Tie fanden. 1780, 26 Jahre nachdem die alte Martinskirche abgebrochen worden war, begannen die Arbeiten an einer neuen Kirche unter der Leitung von Pastor Stollberg aus Obernjesa. Da die Kirche nach den Plänen schwerpunktmäßig Predigtraum sein sollte, nimmt die Kanzel über dem Altar einen zentralen Platz ein. Die Altarwand entwarf Pastor Stollberg selbst, während Heinrich Christian Schrader aus Göttingen die Bildhauerarbeiten übernahm. Die Einweihung des Neubaus fand am 4. Juli 1784 statt. Die von Stephan Heeren aus Gottsbüren erbaute Orgel stammt aus dem Jahr 1795 und steht heute unter Denkmalschutz.[9] Eine Inschrift über dem Hauptportal an der Ostseite der Martinskirche nennt die am Neubau beteiligten Kirchenkommissare und Pastor Baring.

Besonderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude D des Krankenhauses

Lenglern besitzt ein Spezialkrankenhaus für Lungen- und Bronchialheilkunde, das dem Evangelischen Krankenhaus Weende angeschlossen ist. Ein Bahnhaltepunkt befindet sich an der Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Heinz Bielefeld: 1000 Jahre Lenglern. Festschrift zur Tausendjahrfeier vom 2. - 4. Juli 1966. Gemeinde Lenglern, Lenglern 1966.
  • Anna-Katharina Szagun: Wandel der Wirtschafts-, Sozial- und Siedlungsstruktur einer ländlichen Gemeinde im Einzugsgebiet einer Großstadt; dargestellt am Beispiel Lenglern. In: Plesse-Archiv. Band 19, 1983, S. 199–262.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lenglern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna-Katharina Szagun: Wandel der Wirtschafts-, Sozial- und Siedlungsstruktur einer ländlichen Gemeinde im Einzugsgebiet einer Großstadt; dargestellt am Beispiel Lenglern. In: Plesse-Archiv. Band 19, 1983, S. 201.
  2. Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I. Bearbeitet von Theodor Sickel. Monumenta Germaniae Historica. Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser 1. Hahn, Hannover 1879–1884, unveränderter Nachdruck, München 1997, ISBN 3-921575-60-5, S. 442 f. Nr. 328.
  3. Ernst Böhme, Michael Scholz, Jens Wehner, Dorf und Kloster Weende: von Anfängen bis ins 19. Jahrhundert, Stadt Göttingen, Göttingen, 1992. ISBN 3-9803062-0-8 S. 21.
  4. Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.2. CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 60, 102 f.
  5. Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter: Statistisches Handbuch für das Königreich Hannover. Hrsg.: Friedrich Wilhelm Harseim, C. Schlüter. Schlütersche Hofbuchdruckerei, Hannover 1848, S. 75.
  6. Otto von Heinemann: Das Königreich Hannover und das Herzogthum Braunschweig. Lange, Darmstadt 1858, S. 420.
  7. Wilhelm Hoffmann: Encyklopädie der Erd-, Völker- und Staatenkunde. 2 K - Radruz. Arnold, Leipzig 1866, S. 1364.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 207.
  9. Karl Heinz Bielefeld: 1000 Jahre Lenglern. Festschrift zur Tausendjahrfeier vom 2. - 4. Juli 1966. Gemeinde Lenglern, Lenglern 1966, S. 29.