Leonhard von Bonhorst

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Leonhard von Bonhorst, Auszug aus dem Kettenbild (1870)

Leonhard von Bonhorst (* 20. Juni 1840 in Kaub; † 30. April 1915 in Ravensburg) war Mitglied der frühen sozialdemokratischen Bewegung und erster Parteisekretär der SDAP. Als Parteivorstand arbeitete er neben Samuel Spier und Wilhelm Bracke für die Partei, bis er sich nach den ersten Sozialistenprozessen im neugegründeten Reich Anfang 1871 aus der Politik zurückzog.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das "Kettenbild" zeigt Bonhorst mit anderen Akteuren der frühen sozialdemokratischen Partei. Das Bild gelangte nach deren Verhaftung 1870 in Umlauf.

Bonhorst war der Sohn von Franz von Bonhorst, eines im Dienste Nassaus stehenden Offiziers. Er selbst war von Beruf Maschinenbautechniker und Konstrukteur. Seit Mitte der 1860er Jahre gab er in Kaub polytechnische Kurse für Maschinenbauer. Er betrieb auch eine Maschinenagentur und handelte mit Schmelztiegeln aber auch mit Federbetten und anderen Gütern für den Bedarf von Handwerkern. Des Weiteren fertigte er technische Zeichnungen an und baute Maschinen- und Architekturmodelle.

Seit den 1860er Jahren war er im Arbeiterbildungsverein von Wiesbaden aktiv und versuchte diesen in eine sozialdemokratische Richtung zu lenken. Im Frühjahr 1867 trat er in Verbindung mit dem Zentralkomitee der IAA in Genf.

Er hatte sich an der Gründung von Produktivgenossenschaften beteiligt und sein eigenes Geschäft mit in die Finanzierung einbezogen. Schon 1868/69 war die Genossenschaft insolvent und Bonhorst hat sein gesamtes Vermögen verloren. Im Anschluss hat er seine gesamte Existenz der Politik und der Arbeiterbewegung gewidmet.

Er war maßgeblich für den Zusammenschluss der Arbeitervereine von Frankfurt am Main, Wiesbaden, Offenbach am Main und Biebrich zum Mittelrheinischen Arbeiterbund verantwortlich. Er kam in Kontakt mit einer schon existierenden ADAV Gruppe und wurde kurze Zeit später Bevollmächtigter des ADAV in Wiesbaden. Er unternahm 1869 ausgedehnte Agitationsreisen im mittel- und süddeutschen Raum. Im selben Jahr war er am erfolgreichen Streik der Schneidergesellen in Wiesbaden beteiligt. Um die von ihm, der ja mittlerweile ohne Berufseinkommen war, gemachten Ausgaben gab es immer wieder Streit mit der Parteiführung. Hinzu kamen unterschiedliche Vorstellungen über die Parteiorganisation.

Auch aus diesen Gründen schloss er sich den "ADAV-Rebellen" um Spier und Bracke an, die am 22. Juni 1869 bei einem Treffen in Magdeburg zusammen mit Julius Bremer und Theodor Yorck, sowie den Führern der Sächsischen Volkspartei, Wilhelm Liebknecht und August Bebel, die wenige Wochen später in Eisenach erfolgte Gründung der Social-demokratischen Arbeiter Partei vorbereitet hatten. Bonhorst war damit einer der Mitinitiatoren der neuen Parteigründung und nahm am Eisenacher Kongreß teil.

Im selben Jahr (1869) wurde in Wiesbaden ein Ortsverein der Partei gegründet. Bonhorsts SDAP-Gesinnungsgenossen blieben im Rhein-Main-Gebiet aber in der Minderheit, da bis zur Vereinigung 1875 dort der ADAV weiter dominierte.

Im Herbst 1869 zog er nach Braunschweig und wurde dort der erste und einzige hauptamtliche Sekretär der neuen Partei. Die Entlohnung war allerdings gering und unregelmäßig. Zeitweise arbeitete er aus diesem Grund als Buchhalter in der Firma von Wilhelm Bracke, dem gewählten Kassier des Parteivorstandes und neben Samuel Spier der führende Kopf.

Auf der anderen Seite unternahm Bonhorst als Parteisekretär weite Agitationsreisen bis nach Magdeburg und veranlasste auch August Bebel und Theodor Yorck zu ähnlich großen Agitationsreisen, obwohl beide diese beiden einen bürgerlichen Beruf nachgingen. Dagegen ging Bonhorst völlig im Parteileben auf und erwartete dies auch von anderen.

Als Agitator kannte er keine Kompromisse und war ein Scharfmacher. Dadurch geriet er schnell ins Visier der Obrigkeit, was ihn vor allem auf Distanz zu Spier brachte. Seit dem Frühjahr 1870 wurde er mehrfach während laufender Versammlungen verhaftet. Während des Deutsch-Französischen Krieges erließ der Braunschweiger Ausschuss nach der Schlacht von Sedan ein Manifest gegen die Fortsetzung des Krieges, gegen die Annexion von Elsaß-Lothringen und für einen ehrenvollen Frieden mit Frankreich. Das Manifest wurde von Bonhorst im Wesentlichen im Sinne von Karl Marx entworfen, der seine ursprüngliche Meinung ("Die Franzosen brauchen Prügel") nach der Gefangennahme von Napoléon III. geändert hatte und von Bracke und Spier mitgetragen.

Fünf Tage später wurden Bonhorst und die anderen Ausschussmitglieder verhaftet, in Ketten gelegt und auf die Festung Boyen in Ostpreußen gebracht. Über Monate wurden sie dort ohne Prozess festgehalten. Anfang 1871 war Bonhorst dann einer der Angeklagten im Braunschweiger Hochverratsprozess, dem ersten Sozialistenprozeß im neugegründeten Deutschen Reich. Bonhorst, Bracke und Spier wurden zunächst zu mehr als einem Jahr Gefängnis verurteilt. Diese Strafen wurden jedoch nach einem Revisionsverfahren erheblich reduziert und alle Angeklagten kamen zur Bewährung frei.

Bonhorst zog sich nach seiner Freilassung aus der Politik zurück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leonhard von Bonhorst: Erklärung. In: Demokratisches Wochenblatt. Nr. 27 vom 3. Juli 1869.
  • [Nachruf]: In: Vossische Zeitung vom 18. November 1915.
  • [Nachruf]:In: Schleswig-Holsteinische Volkszeitung, Kiel vom 4. November 1915.
  • Georg Eckert: Der Briefwechsel zwischen Leonhard von Bonhorst und Johann Philipp Becker. In: Braunschweigisches Jahrbuch. Band 43, 1962, S. 131–172.
  • Jutta Seidel: Bonhorst, Leonhard von. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 54.
  • Thomas Welskopp: Existenzkampf um Abkömmlichkeit. Berufspolitiker in der deutschen Sozialdemokratie bis zum Sozialistengesetz. In: Lothar Gall (Hrsg.): Regierung, Parlament und Öffentlichkeit im Zeitalter Bismarcks. Paderborn u. a., 2003 S. 207–212 Digitalisat
  • C.[arl] Koch [Staatsanwalt]): Der Proceß gegen den Ausschuß der social-demokratischen Arbeiterpartei. 1.) den Kaufmann W. Bracke jun. zu Braunschweig, 2.) den Techniker Leonhard von Bonhorst aus Caub, 3.) den frühereren Lehrer zu Wolfenbüttel, Samuel Spier, jetzt zu Frankfurt a. M., 4.) den Schneidergesellen Joh. Aug. Carl Kühn aus Leipzig […] am 23., 24. u. 25. Nov. 1871. Actenmäßig dargestellt. Braunschweig 1871. MDZ Reader

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]