Lettische Sozialistische Sowjetrepublik

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Latvijas Padomju Sociālistiskā Republika
Латвийская Советская Социалистическая Республика
Flag of Latvian SSR.svg COA Latvian SSR.png
(Details) (Details)
Soviet Union - Latvia.svg
Amtssprache offiziell keine; de facto Lettisch und Russisch
Hauptstadt Riga
Fläche 64.589 km²
Bevölkerung (1989) 2.666.567
Bevölkerungsdichte 56,6/km²
Zeitzone UTC + 3

Eine Lettische Sozialistische Sowjetrepublik (Abkürzung LSSR oder LatSSR) gab es in der Geschichte des unabhängigen Lettland zweimal – die erste 1918 bis 1920, die zweite 1940 bis 1990 als Unionsrepublik der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Erste Lettische Sowjetrepublik[Bearbeiten]

Nachdem die Lettischen Schützen bei der Errichtung und Verteidigung der Sowjetherrschaft in Russland eine fast ebenso bedeutende Rolle wie die Kronstädter Matrosen gespielt hatten, unterstützten sie ab Dezember 1918 den sich von Valka her ausbreitenden Aufstand der Bolschewiki und lettischer Sozialdemokraten gegen die deutsche Besatzungsmacht, in deren Verlauf am 4. Dezember 1918 Pēteris Stučka die erste Sowjetregierung Lettlands bildete und die Lettische SSR ausgerufen wurde, die am 22. Dezember 1918 ein Bündnis mit der RSFSR schloss. Am 2. Januar 1919 wurde die bürgerliche Gegenregierung unter Kārlis Ulmanis von den lettischen Schützen auch aus Riga verdrängt, doch schon am 22. Mai 1919 eroberten die Baltische Landeswehr und Freikorps die Hauptstadt für die Regierung Niedra zurück, ehe zwischen Juni und Oktober 1919 auch die Deutschen von lettischen und estnischen Regierungstruppen geschlagen wurden. Am 13. Januar 1920 trat die aus Lettland vertriebene Sowjetregierung zurück, und am 30. Januar 1920 unterzeichneten Lettland und Sowjetrussland einen Waffenstillstand, dem im August 1920 ein Friedensvertrag und die Anerkennung der Unabhängigkeit Lettlands von Russland folgte.

Zweite Lettische Sowjetrepublik[Bearbeiten]

Angesichts des Hitler-Stalin-Pakts und der deutsch-sowjetischen Aufteilung Polens und dessen folgender Besetzung durch die beiden Länder, sah sich Lettland unter sowjetischen Druck gezwungen, im Oktober 1939 einen Beistandspakt mit der Sowjetunion abzuschließen und die Stationierung sowjetischer Truppen im Land zuzulassen. Nach der französischen Niederlage 1940 marschierten am 17. Juni 1940 zusätzliche sowjetische Truppen ein, während im ganzen Land kommunistische Streiks und Unruhen ausbrachen. Die Regierung hatte dem Einmarsch zwar am 16. Juni zugestimmt, war danach jedoch zurückgetreten, Präsident Kārlis Ulmanis verhängte daraufhin am 18. Juni den Ausnahmezustand. Am 20. Juni 1940 ernannte Ulmanis den sozialdemokratischen Professor Augusts Kirhenšteins zum Ministerpräsidenten und Außenminister, der am 23. Juni eine Koalition mit den Kommunisten bildete und für 14./15. Juli 1940 Wahlen für das 1934 aufgelöste Parlament (Saeima) ansetzte. Als Ergebnis der von den Westmächten nicht als frei eingestuften Wahlen trat Präsident Ulmanis am 20. Juli 1940 zurück und übergab alle Amtsvollmachten an Kirhenšteins. Die neue (von angeblich 97,8 % der Teilnehmer bei 94,8 % Wahlbeteiligung gewählte) Sowjetregierung proklamierte (gegen den Protest der Botschafter der Westmächte) am 21. Juli die Errichtung der Sowjetrepublik und bat um Beitritt zur UdSSR, der am 5. August 1940 erfolgte. Am 22. Juli 1940 wurde Ulmanis verhaftet und in die UdSSR deportiert, wo er 1942 in einem Gefängnis starb. Nach heutigem lettischem Standpunkt war dieser Anschluss als Annexion völkerrechtlich illegal. Den gleichen Standpunkt vertraten auch die meisten westlichen Staaten, zum Beispiel alle späteren NATO Mitgliedstaaten (außer den Niederlanden), die die Annexion der drei baltischen Staaten de jure nicht anerkannten.[1]

Landkarte der Lettischen SSR, 1940

Während des Zweiten Weltkriegs war Lettland von 1941 bis 1944/45 bis zur schrittweisen Wiedereroberung durch die Rote Armee von deutschen Truppen besetzt und verwaltungstechnisch dem Reichskommissariat Ostland zugeordnet. Der ehemalige General Oskars Dankers bildete 1942 eine kollaborierende Marionettenverwaltung, während der Kommunist Arturs Sprogis lettische Partisaneneinheiten gegen Lettische SS-Verbände führte. Noch im Februar 1945 bildete die eingeschlossene deutsche Heeresgruppe Nord eine Marionettenrepublik Kurland, die am 9. Mai 1945 kapitulierte. Kirchensteins kehrte aus dem Moskauer Exil zurück und stand der LSSR noch bis 1952/59 vor, die letzten antikommunistischen Waldbrüder wurden 1953/57 amnestiert bzw. vernichtet. Auf der Konferenz von Teheran regte Roosevelt ein Plebiszit in den baltischen Staaten an, ein Beschluss dazu wurde aber nicht gefasst. Die Zugehörigkeit Lettlands zur Sowjetunion wurde von den Alliierten bei den Vereinbarungen zur Nachkriegsordnung (Konferenzen von Teheran und Jalta 1943 und 1945) und bei der Gründung der UNO nicht mehr in Frage gestellt.[2]

Am 4. Mai 1990 erklärte Lettland seine Unabhängigkeit für wiederhergestellt, was seitens der Sowjetunion am 21. August 1991 und nach dem Ende der UdSSR auch von Russland anerkannt wurde. Erst danach erkannte auch die Bundesrepublik Deutschland im August 1991 die Unabhängigkeit Lettlands an und nahm diplomatische Beziehungen auf.

Erste Sekretäre des ZK der Lettischen KP[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • V. Karaluns, N. Neilands, I. Ronis, A. Spreslis, E. Zagars: Lettland 1917-1940 - Die Wahl, die zweimal getroffen wurde. Riga 1986

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Vgl. Stenographische Berichte, 8 Deutscher Bundestag, Anlage 48 zur 184. Sitzung; S.14541, PDF Seite 45
  2. Boris Meissner (Hrsg.): Die baltischen Nationen - Estland, Lettland, Litauen. Markus, Köln 1991. ISBN 3-87511-041-2. S. 278.