Levensauer Hochbrücken

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Koordinaten: 54° 22′ 4″ N, 10° 4′ 33″ O

Levensauer Hochbrücke
Levensauer Hochbrücke
Erste Hochbrücke vor der Verbreiterung des Kanals (2005)
Nutzung Eisenbahn- und Straßenverkehr
Unterführt Nord-Ostsee-Kanal
Ort KielNeuwittenbek
Konstruktion schmiedeeiserne Bogenbrücke
Längste Stützweite 163 m
Lichte Höhe 42 m
Baubeginn 1893
Fertigstellung 1894
Zustand 1954 modernisiert
Planer Wilhelm H. Lauter, Hermann Muthesius
Lage
Levensauer Hochbrücken (Schleswig-Holstein)
Levensauer Hochbrücken

Im Zuge der Bundesstraße 76 überspannen die Levensauer Hochbrücken den Nord-Ostsee-Kanal bei Kiel. Die Hochbrücken liegen zwischen Suchsdorf und Neuwittenbek, OT Levensau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brücken haben ihren Namen von einer kleinen Ansammlung von etwa zehn Häusern, die nordwestlich der Brücke liegt. Diese wiederum hat ihren Namen von dem Fluss Levensau, der bis 1784 hier entlang floss und dann zum Eider-Kanal ausgebaut wurde. Bis zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals überquerte hier die Straßenverbindung Kiel – Eckernförde den Eider-Kanal auf einer Holländerklappbrücke[1], der Levensauer. Die ca. 650 Meter weiter nordöstlich errichtete neue Levensauer Hochbrücke wurde nach dem alten Brückenstandort benannt.[2]

Die Eisenbahn-Strecke Kiel–Flensburg überquerte den Kanal von 1881 bis 1894 auf einer Drehbrücke, die 2 Kilometer weiter westlich (ungefähre Koordinaten: 54° 21′ 35,3″ N, 10° 2′ 51″ O)[3] lag.[4] Der Eider-Kanal wiederum wurde 1893 zum Kaiser-Wilhelm-Kanal ausgebaut. In der ursprünglichen Planung des Kanals sollte für den Bahnverkehr eine neue Drehbrücke westlich der alten Drehbrücke gebaut werden. Kaiser Wilhelm I. bestimmte 1891 bei einem Besuch der Kanalbaustelle, dass statt der geplanten Drehbrücke und einer Fähre für den Straßenverkehr auch in Levensau eine Hochbrücke, wie in Grünenthal, zu errichten sei.[5]

Erste Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke um 1900

Die Straßen- und Eisenbahnbrücke wurde von 1893 bis 1894 errichtet, um die Bahnstrecke Kiel–Flensburg und die Chaussee Kiel–Eckernförde über den Nord-Ostsee-Kanal zu führen.[6] Der Kanal war damals zwar noch nicht vollendet, aber an dieser Stelle als Ersatz für den Eider-Kanal schon mit Süßwasser gefüllt. Der Aushub aus dem Kanal war deshalb bereits anderweitig verwendet worden und konnte nicht mehr für die Zufahrtsdämme zu den Brücken verwendet werden. Das Lehrgerüst stand auf in den Kanal gerammten Pfählen, zwischen denen zwei je 11 m breite Durchfahrten für die Schifffahrt freigehalten werden mussten.

Der schmiedeeiserne Überbau der Bogenbrücke wurde von Lauter aus Frankfurt am Main entworfen, allerdings nur insoweit, dass den Bietern in der Ausschreibung eine ausreichende Kalkulationsgrundlage gegeben werden konnte. Ausgeführt wurde der Überbau durch die Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Die Levensauer Hochbrücke hat mit ca. 163 Metern die größte Spannweite der ursprünglichen Kanalbrücken, die lichte Höhe über dem Kanal beträgt in der Mitte der Brücke ungefähr 42 Meter.[6]

Kaiser Wilhelm II. lobte das Bauwerk als die schönste Brücke über den nach seinem Großvater benannten Kaiser-Wilhelm-Kanal. Ursprünglich bildeten vier Türme über den Widerlagern zwei Tore, die architektonische Gestaltung dieser Massivbauten entwarf der Architekt und preußische Baubeamte Hermann Muthesius.[7] Auf der Brücke selbst gab es dadurch Raum für eine Schänke und sogar für einen kleinen Bahnhof, an dem bis in die 1960er Jahre hinein Züge hielten.

Panorama Levensauer Hochbrücke

Die beiden die Hauptträger des Brückenüberbaus bildenden Bogen sind genietete, zweigelenkige Fachwerkbögen aus Schweißeisen mit senkrechten Pfosten und sich kreuzenden Diagonalen zwischen den Gurten. Anders als bei den Sichelbogen der Grünentaler Hochbrücke hat der Bogen die kleinste Konstruktionshöhe von 3,20 m am Scheitel und die größte von 5,60 m nahe den Kämpfergelenken. Der Obergurt beschreibt einen Kreisbogen mit einem Radius von 176,84 m und der Untergurt einen Kreisbogen mit einem Radius von 160,17 m. Die Bogenenden sind halbrund ausgeformt und stoßen stumpf gegen Gelenkplatten aus Gussstahl.[6][8]

Die Fahrbahn verlief in einem horizontalen Fachwerk, dessen untere Gurte knapp unterhalb der Bogenscheitel, die oberen Gurte jedoch deutlich oberhalb des Lichtraumprofils der Eisenbahn verlief. Dabei waren nicht die unteren, sondern die oberen Gurte so auf den Fachwerkbögen aufgeständert, dass Formveränderungen der Bögen und der Fahrbahn durch Temperaturschwankungen und Lastveränderungen weitgehend voneinander unabhängig geschehen konnten.[6][8]

Die Fahrbahn hatte ein an ihrem östlichen Rand angeordnetes Eisenbahngleis, so dass auch ein zweites Gleis hätte verlegt werden können. Am westlichen Rand verlief ein durch ein Geländer abgetrennter Fußweg. Der anfänglich aus Kutschen und Fuhrwerken bestehende Wagenverkehr teilte sich die Fahrbahn mit der Eisenbahn. Bei Zugverkehr musste der Wagenverkehr auf der Straße vor der Brücke gesperrt werden.

Die feierliche Eröffnung der Levensauer Hochbrücke fand am 3. Dezember 1894 in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. statt.

Modernisierung 1954[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Levensauer Hochbrücke

1954 wurde die Brücke modernisiert. Dabei wurde der Geh- und Radweg seitlich vor den westlichen Bogen verlagert, so dass zwischen den Bögen ausreichender Platz für ein Eisenbahngleis und davon getrennt zwei Fahrspuren für den Straßenverkehr entstand. Dabei wurden die Türme mit ihren Torbögen und das horizontal über dem Gleis und der Fahrbahn angeordnete Fachwerk entfernt. Von der ursprünglichen Brücke blieben die Brückenköpfe mit den Widerlagern und die eisernen Bögen erhalten. Mehrere Granitquader wurden für ein Kreuz auf dem neuen Eckernförder Friedhof im Bereich der Anlage des Ehrenbereiches für die Gefallenen des 2. Weltkrieges verwendet.

Die Überbaukonstruktion für die Fahrbahn der Kreisstraße und das eine Bahngleis sowie für den einseitigen Geh- und Radweg ist nun unmittelbar auf den Fachwerkbögen aufgeständert bzw. angehängt. Die Fahrbahnebene liegt auf 42 m Länge unterhalb des Scheitels der Bögen.[9]

In den beiden Widerlagern der alten Brücke überwintern jedes Jahr mehrere tausend Fledermäuse. Die größte Gruppe stellen dabei die Großen Abendsegler. Für diese Art ist die Levensauer Hochbrücke das größte derzeit bekannte Winterquartier in Mitteleuropa.[10]

Straßenhochbrücke von 1984[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Brücken
Brücke von 1984 im Bau

Für den Kraftfahrzeugverkehr wurde 1984 zusätzlich eine neue vierspurige Brücke eröffnet. Sie befindet sich östlich der alten Brücke und löste diese als Teil der B 76 ab.[11] Sie verfügt je Fahrtrichtung über zwei Fahrstreifen und einen Standstreifen. Die Geschwindigkeit darauf ist auf 100 km/h begrenzt. Im Jahr 2010 wurde in einer mehrmonatigen Bauphase der gesamte Fahrbahnbelag sowie die Geländer und Leitplanken erneuert.

Kollision der Wilma mit der Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Dezember 2006 kollidierte ein Kranausleger des Schwergutfrachters Wilma von Holtenau kommend mit der Brücke.[12] Die Brücke wurde anschließend repariert und war bis Ende Februar 2007 gesperrt.[13]

Neue Brücke, Bauvorbereitungen seit 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen des fortgeschrittenen Alters der zu ersetzenden alten Levensauer Hochbrücke wird schon länger ein Neubau erwogen. Eine neue Brücke ist wirtschaftlicher als die Ertüchtigung der alten Brücke für weitere zwanzig Jahre. Die erforderliche Durchfahrtshöhe von 42 Metern über dem Wasserspiegel wird nur in der Mitte der alten Brücke erreicht, weshalb sie zurzeit die engste Stelle im Nord-Ostsee-Kanal definiert.[11] Im Rahmen des Brückenneubaus soll das Habitat der oben genannten Fledermaus-Population erhalten bleiben.[11] Da die Gründungsarbeiten und Dammschüttungen für einen Neubau zwischen den bestehenden Brücken Setzungsprobleme ergeben, wird der Neubau auf der bisherigen Brückentrasse entstehen.[14][15] Die alte Brücke soll während des Baus der neuen Brücke rückgebaut werden.[16][11] Dabei werden die neuen Bögen als Gerüst dienen und eine neue Brücke unter Nutzung des Südpfeilers der alten Brücke auf der vorhandenen Trasse errichtet werden.[17][15]

Während des Baus soll die bestehende Brücke als Gerüst für die Errichtung der beiden neuen Bögen dienen. Nach Abriss der alten Brücke soll die neue Fahrbahn in die 210 Meter lange Brücke eingehängt werden.

Die Einrichtung der Baustelle auf der Südseite des Kanals begann im Frühjahr 2018, von beiden Seiten der B76 gibt es eine Zu- bzw. Abfahrt zum Baustellenfeld.[18][19]

Vom 1. April 2019 bis 30. April bzw. 10. Mai 2019 wird ein Busshuttle für Fußgänger und Radfahrer eingerichtet, der von 6 Uhr bis 18 Uhr im Halbstundentakt, bis 24 Uhr im Stundentakt Suchsdorf auf dem Südufer mit Neuwittenbek auf dem Nordufer verbindet.

Ab 15. April 2019 bis 1. September 2019 ist die alte Brücke für Kraftfahrzeuge gesperrt. Vom 22. April bis 5. Mai 2019 dürfen auch Radfahrer und Fußgänger die Brücke nicht nutzen. Vom 1. Juli bis 10. August ist die Brücke für den Bahnverkehr gesperrt.[20][21][22][23]

Die neue Brücke soll 2024Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren fertiggestellt werden.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Levensauer Hochbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit der alten Eisenbahnlinie und der Straße nach Eckernförde.
  2. Hannelore Pieper-Wöhlk: Eisenbahndrehbrücke Levensau. Der Nord-Ostsee-Kanal: Geschichte eines Jahrhundertbauwerks. S. 14, abgerufen am 12. Februar 2015.
  3. Karte mit der alten Eisenbahnlinie und der Straße nach Eckernförde.
  4. Hannelore Pieper-Wöhlk: Eisenbahndrehbrücke Levensau. Der Nord-Ostsee-Kanal: Geschichte eines Jahrhundertbauwerks. S. 14, abgerufen am 12. Februar 2015.
  5. Brücke Levensau beim WSV
  6. a b c d Fülscher: Bau des Kaiser Wilhelm-Canals. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang XLIX, 1899, Heft I bis III, S. 103 (Digitalisat PDF 680 KB, auf kobv.de)
  7. Kieler Kanalbrücken: Verlorene Wahrzeichen einer Ostseestadt 1800/2000. (MS Word; 29 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 20. April 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/buchverlag.boyens-medien.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. a b Koch: Die Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Canal bei Levensau. In: Centralblatt der Bauverwaltung, XIV. Jahrgang, Nr. 49 (vom 8. Dezember 1894), S. 508 (Digitalisat der Zentral- und Landesbibliothek Berlin) auf kobv.de
  9. Friedrich Standfuß, Joachim Naumann: Brücken in Deutschland II. Deutscher Bundes-Verlag, Köln 2007, ISBN 3-935064-46-2, S. 56
  10. Die Levensauer Hochbrücke in Kiel-Suchsdorf – Winterquartier am Nord-Ostseekanal für 6.000 Fledermäuse. NABU, 27. Februar 2015, abgerufen am 4. August 2017.
  11. a b c d Alte Levensauer Hochbrücke wird neu gebaut. (PDF, 61 KB) Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau, 14. Juli 2009, abgerufen am 15. August 2009.
  12. Untersuchungsbericht des schweren Seeunfalls – Kontakt eines Bordkrans – auf dem MS WILMA. Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, abgerufen am 10. April 2017.
  13. NOK-Brücke Ende Februar wieder frei, THB – Täglicher Hafenbericht, 16. Januar 2007.
  14. Kieler Nachrichten: Brücke über der Brücke als neues Wahrzeichen (Memento vom 15. Juli 2010 im Internet Archive)
  15. a b Planungsstart für neue Brücke. In: Täglicher Hafenbericht vom 25. Juli 2012, S. 3
  16. Levensauer Hochbrücke: Gebaut wird frühestens ab 2018 25. September 2014 Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag Abgerufen am 28. März 2015
  17. Die Tage der Levensauer Hochbrücke sind bereits gezählt. Kieler Nachrichten, 14. Juli 2009, archiviert vom Original am 18. Juli 2012; abgerufen am 4. August 2017.
  18. Levensauer Hochbrücke: Alte Dame wird 120 (Memento vom 6. April 2015 im Internet Archive) NDR
  19. Im Frühjahr wird's ernst. 5. Oktober 2018, abgerufen am 15. Dezember 2018.
  20. WSA Kiel Zeitplan
  21. KN
  22. Pressemitteilung WSV
  23. WSA Kiel Vorbereitende Maßnahmen
  24. Im Frühjahr wird's ernst. Abgerufen am 27. März 2019.