Lichnowy

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Dieser Artikel beschreibt das Dorf Lichnowy im Powiat Malborski. Zum gleichnamigen Dorf im Powiat Chojnicki, siehe Lichnowy (Chojnice).
Lichnowy
Wappen von Lichnowy
Lichnowy (Polen)
Lichnowy
Lichnowy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Malbork
Geographische Lage: 54° 7′ N, 18° 55′ OKoordinaten: 54° 6′ 53″ N, 18° 54′ 47″ O
Einwohner: -
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 82-224
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GMB
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Malbork–Tczew
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 14 Ortschaften
10 Schulzenämter
Fläche: 88,70 km²
Einwohner: 4734
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 53 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2209032
Verwaltung (Stand: 2010)
Gemeindevorsteher: Waldemar Lamkowski
Adresse: ul. Tczewska 6
82-224 Lichnowy
Webpräsenz: www.lichnowy.pl



Lichnowy (deutsch Groß Lichtenau) ist ein Dorf und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Malborski (Marienburger Distrikt) der polnischen Wojewodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, im Großen Marienburger Werder, etwa zwölf Kilometer nordwestlich von Marienburg und dreißig Kilometer südsüdöstlich von Danzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Karte der Lage der benachbarten Dörfer Groß und Klein Lichtenau (ca. 1909).
Groß Lichtenau (Gr. Lichtenau) in Westpreußen, südlich der Danziger Bucht und nordwestlich von Marienburg auf einer Landkarte von 1906.
Groß Lichtenau (Gr. Lichtenau) südsüdöstlich von Danzig, nordwestlich von Marienburg und nordöstlich von Dirschau auf einer Landkarte von 1910.
Kirche in Lichnowy

Der Ort Groß Lichtenau, der im Herrschaftsgebiet des Deutschordensritter lag, war wahrscheinlich bereits im Jahr 1254 vorhanden.[2] 1321 wurden die Dörfer Groß Lichtenau und Klein Lichtenau vom Deutschen Orden mit Kulmer Recht ausgestattet. Während der Zeit der Zugehörigkeit zum Deutschordensstaat wurde der Ort bekannt durch den Übermut der Bauern.[3]

Die Ortschaft gehörte später zum autonomen Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig unter die Schirmherrschaft der polnischen Krone, das heißt des polnischen Königs persönlich, begeben hatte. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens jedoch einseitig auf, und zwar unter Androhung harter Strafen im Fall von Zuwiderhandlung, weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4]

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Gebiet um Marienburg unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren, und so von der polnischen Fremdherrschaft befreit. Nach der Wiedervereinigung Preußens gehörte Groß Lichtenaui zum Königreich Preußen. Im Jahr 1785 wird Groß Lichtenau als ein culmisches Dorf mit einer evangelischen Pfarrkirche und einer katholischen Pfarrkirche bezeichnet, das 49 Feuerstellen (Haushaltungen) aufweist.[5]

Vor 1920 gehörte Groß Lichtenau zum Kreis Marienburg im Regierungsbezirk Danzig. Als nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags mit Wirkung vom 20. Januar 1920 ein großer Teil des Marienburger Kreisgebiets zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden musste, kam der Restkreis mit Groß Lichtenau zum Landkreis Großes Werder im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald danach wurde der Kreisgebiet Großes Werder zusammen mit Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Darauf setzte in Groß Lichtenau die Zuwanderung polnischen Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Dorfbewohner bemächtigten. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1820 558 [6]
1905 743 [7]
1910 706 [7]

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dorf gab es sowohl eine evangelische als auch eine katholische Pfarrkirche. Die Evangelischen waren in der Minderheit. Daneben gab es in Groß Lichtenau mennonitische Familien.

Pfarrer bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann von Waldenberg, wurde im Jahr 1362 als Gesandter und Beirat des Ordenskomturs von Thorn in einer geistlichen Streitsache zu Kaiser Karl IV. nach Prag geschickt.[8]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Lichnowy war Abzweigbahnhof der Schmalspurbahn Lichnowy–Lipinka Gdańska von der Schmalspurbahn Lisewo–Nowy Dwór Gdański. Der Ortsteil Lisewo hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk und war Beginn der Schmalspurbahn Lisewo–Malbork. Der Bahnhof des Ortsteils Szymankowo liegt an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk und war Beginn der Bahnstrecke Szymankowo–Nowy Dwór Gdański.

Im Ort geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Lubbe (* um 1430 in Groß Lichtenau, † kurz nach 1500), Danziger Kaufmann und Verfasser einer Familienchronik

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde Lichnowy gehören 10 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[9] mit einem Schulzenamt:

  • Boręty (Barendt)
  • Dąbrowa (Damerau)
  • Lichnowy (Groß Lichtenau)
  • Lichnówki (Klein Lichtenau)
  • Lisewo Malborskie (Ließau)
  • Parszewo (Parschau)
  • Pordenowo (Pordenau)
  • Starynia (Altenau)
  • Szymankowo (Simonsdorf)
  • Tropiszewo (Trappenfelde)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Boręty Drugie, Boręty Pierwsze, Lichnówki Pierwsze und Stożki (Klein Heubuden).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Bretschneider, Marienburg 1868 (E-Kopie).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichnowy, powiat chojnicki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Max Toeppen: Die Niederung bei Marienwerder. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 10, Königsberg i. Pr. 1873, S. 307–337, insbesondere S. 327.
  3. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 431.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 117.
  6. Groß Lichtenau (Pomeranian Voivodeship, Poland) - GAMEO.
  7. a b Hans-Jürgen Wolf: Familienforschung in Westpreußen (2012).>
  8. Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg. Bretschneider, Marienburg 1868, S. 52.
  9. GOV :: Das Genealogische Orts-Verzeichnis.