Linus Förster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Linus Förster (2014)

Heinrich Linus Förster (* 2. August 1965 in Augsburg) ist ein deutscher Politiker (parteilos, bis 2016 SPD). Er war von 2003 bis zum 31. Dezember 2016 Mitglied des Bayerischen Landtags.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linus Förster machte 1985 in Augsburg Abitur. Er studierte an der Universität Augsburg von 1986 bis 1992 die Fächer Politikwissenschaft, Geschichte und Volkswirtschaft; von 1993 bis 1997 verfasste er eine Dissertation zum Thema Systemtransformation am Beispiel der ehemaligen Sowjetrepublik Belarus, mit der er zum Dr. phil. promoviert wurde.

Von 1992 bis 2002 war Linus Förster als selbstständiger Unternehmensberater und von 1992 bis 2000 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft der Universität Augsburg tätig. Ab 1988 bis 2003 war er Mitglied des Vorstands des Stadtjugendrings Augsburg und ab 1993 1. Vorsitzender. Von Mai 2002 bis zu seinem Eintritt in den Bayerischen Landtag war Förster Geschäftsführer des Bukowina-Instituts an der Universität Augsburg.

Er ist Mitglied der Band „Hopfenstrudel“ (Gesang und Backgroundgitarre)[1] und der Band „Real Deal“, mit der er den Varta-Rockpreis gewann. Zudem ist er Mitglied beim Ensemble „Bluespots Productions“.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linus Förster war von 1984 bis 2016 Mitglied der SPD; von 2004 bis 2014 war er stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Augsburg-Stadt und ab 2005 Mitglied im Landesvorstand und Präsidium der BayernSPD. Von 2014 bis 2016 war er Bezirksvorsitzender der SPD in Schwaben.

Förster war jugendpolitischer und europapolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Vorsitzender des Arbeitskreises Bundes- und Europaangelegenheiten der SPD-Landtagsfraktion, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) Augsburg sowie stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten im Bayerischen Landtag. Zudem war er Mitglied des Monitoringteams im KGRE (Kongress der Gemeinden und Regionen im Europarat).

Er ist Mitglied der IG Metall und der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW).

1995 wurde ihm die Kommunale Verdienstmedaille verliehen.

Strafverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang November 2016 ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Verdachts der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und der Körperverletzung gegen Förster.[3] Seine politischen Führungsämter in der Partei und im Landtag ließ er daher seit Mitte November 2016 zunächst vorübergehend ruhen. Am 26. November 2016 kündigte Förster wegen der laufenden Ermittlungen und der medialen Berichterstattung an, aus der SPD auszutreten und zum Jahresende sein Landtagsmandat niederzulegen.[4][5] Am 14. Dezember 2016 hob der Landtag die politische Immunität des Abgeordneten Förster auf.[6] Am Tag darauf wurde er wegen des Verdachts schweren sexuellen Missbrauchs eines widerstandsunfähigen Menschen, wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, wegen vorsätzlicher Körperverletzung und wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften in Untersuchungshaft genommen.[7] Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 12. Mai 2017, dass die Staatsanwaltschaft Augsburg die Ermittlungen abgeschlossen und Anklage gegen Förster erhoben habe.[8] Die Hauptverhandlung wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen, des Besitzes von kinderpornografischen Schriften, der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, der vorsätzlichen Körperverletzung und der versuchten Nötigung begann am 18. September 2017 vor dem Landgericht Augsburg. Auf seinem PC waren Bilder missbrauchter Kinder, heimlich gedrehte Filme, die ihn beim Sex mit Frauen und in einem Fall beim Missbrauch einer Frau zeigen, gefunden worden.[9] Förster legte am ersten Verhandlungstag ein umfassendes Geständnis ab.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Linus Förster: Von der Diktatur zur Demokratie – und wieder zurück? Eine Auseinandersetzung mit der Problematik der Systemtransformation am Beispiel der ehemaligen Sowjetrepublik Belarus. Kovac, Hamburg 1998, ISBN 978-3-86064-674-8 (zugleich Dissertation, Universität Augsburg 1997).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Linus Förster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Band-Info. In: hopfenstrudel.linusfoerster.de. Abgerufen am 13. August 2016.
  2. Linus Förster - Künstler - Auxburg | bluespots productions – Das Multimediale Ensemble. In: www.bluespotsproductions.de. Abgerufen am 13. August 2016.
  3. Fall Förster: SPD nennt Hintergründe, Linus Förster lässt Ämter ruhen. Stadtzeitung Augsburg. Abgerufen am 16. August 2017.
  4. Linus Förster gibt sein Landtagsmandat ab. Süddeutsche Zeitung. 27. November 2016. Abgerufen am 16. August 2017.
  5. Die Erklärung von Linus Förster im Wortlaut. Augsburger Allgemeine. 27. November 2016. Abgerufen am 16. August 2017.
  6. Landtag hebt Immunität von Linus Förster auf. Abendzeitung München. 15. Dezember 2016. Abgerufen am 16. August 2017.
  7. SPD-Abgeordneter Linus Förster verhaftet. Augsburger Allgemeine. 16. Dezember 2016. Abgerufen am 16. August 2017.
  8. Anklage gegen früheren SPD-Abgeordneten Linus Förster. Süddeutsche Zeitung. 12. Mai 2017. Abgerufen am 16. August 2017.
  9. Die Abgründe des Linus Förster. Spiegel Online, 13. September 2017.
  10. Ex-Abgeordneter gesteht sexuellen Missbrauch. Spiegel Online, 18. September 2017.