Lipödem

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Klassifikation nach ICD-10
R60.9 Ödem, nicht näher bezeichnet
E65 Lokalisierte Adipositas
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Das Lipödem (von altgriech. „Fettschwellung“, aus λίπος lípos „Fett“ und οἴδημα, oídēma, „Schwellung“; in der Umgangssprache fälschlich auch als „Reithosenfettsucht“, „Reiterhosensyndrom“ oder „Säulenbein“ bezeichnet) ist eine voranschreitende Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch die atypische, symmetrische Häufung von Fettgewebe seitlich an den Hüften und Oberschenkeln und kann aus der Lipohypertrophie hervorgehen[1]. Weiterhin können die Oberarme und im späteren Verlauf auch die Unterschenkel, Unterarme und der Nacken betroffen sein.

Die mit der Krankheit einhergehenden Schwellungen aufgrund der Einlagerung von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem (Ödem) können mit Schmerzen und Druckempfindlichkeit sowie der Neigung zu blauen Flecken einhergehen. Es liegt primär keine Schädigung des Lymphsystems vor, im weiteren Verlauf kann dieses jedoch durch die erhöhte Verletzlichkeit und Entzündungsbereitschaft des Fettgewebes geschädigt werden und somit die Ödembereitschaft erhöht werden.

Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, nach der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder im Klimakterium. Hormonelle Veränderungen und Gewichtszunahme werden als Ursachen vermutet, ebenso eine genetische Prädisposition.

Das Lipödem ist nicht die Folge von Übergewicht. Es ist im Bereich seitlich an den Hüften und Oberschenkeln angesiedelt, wo eine Gewichtsreduktion generell wenig erfolgversprechend ist (“Speicherfett für eine Schwangerschaft”).

Schweregrade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Typ I: Fettgewebsvermehrung im Bereich von Gesäß und Hüften (Reiterhosenphänomen)
  • Typ II: Das Lipödem reicht bis zu den Knien, Fettlappenbildungen im Bereich der Knieinnenseite
  • Typ III: Das Lipödem reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln
  • Typ IV: Arme und Beine sind bis zu den Handgelenken / Knöcheln, also mit Ausnahme der Füße und Hände betroffen
  • Typ V: Lipolymphödem mit vermehrter Wassereinlagerung in Hand- und Fußrücken sowie Fingern und Zehen

Stadien der Hautveränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadium 1: feinknotige Hautoberfläche, umgangssprachlich „Orangenhaut“,
  • Stadium 2: grobknotige Hautoberfläche mit größeren Dellen, „Matratzenphänomen“ [2],
  • Stadium 3: große, deformierende Hautlappen und -wülste
Sehr ausgeprägtes Lipödem. Abgebildet ist das rechte Bein - die Kniescheibe, im Bild rechts, ist von einem herabhängenden Lipödem verdeckt. Es besteht daneben eine starke Adipositas - die untere Bauchdecke hängt sackartig herab (Im Bild oben, verdeckt durch Strickkleidung).

Weitere Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • symmetrische, schwammige Schwellungen
  • Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit
  • Neigung zur Hämatombildung bereits nach geringen Traumen
  • Haut ist in fortgeschrittenem Stadium häufig kühl und schlecht durchblutet
  • je nach Stadium Orangenhaut, Matratzenhaut oder großflächige Fettlappen
  • aufgrund der Fettlappen Störungen im Gangbild, X-Beine

Differentialdiagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sicht- und Tastbefund (Inspektion und Palpation) sowie die individuelle Patientengeschichte dienen dem Arzt als verlässliche Anhaltspunkte bei der Diagnosestellung. Im Gegensatz zum Lymphödem ist das Stemmersche Zeichen stets negativ, d. h., bei einem Lipödem lässt sich eine Hautfalte über den Zehen bzw. Fingern abheben.

Um ein Lipödem sicher diagnostizieren zu können, muss ausgeschlossen werden, dass die genannten Symptome durch diese Krankheiten entstanden sein könnten:

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die obigen Maßnahmen nicht greifen, kann eine operative Therapie mittels Fettabsaugung (Liposuktion) durchgeführt werden. Diese kann allerdings durch Zerstörung der oberflächlichen Lymphgefäße zu einem zusätzlichen Lymphödem führen, wenn sie nicht von einem Facharzt für Chirurgie, der noch dazu lymphologisch weitergebildet ist, durchgeführt wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lipohypertrophie
  2. Roche Lexikon Medizin, 5. Auflage 2003, hier online
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!