Ljutomer

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Ljutomer
Luttenberg in der Steiermark
Wappen von Ljutomer Karte von Slowenien, Position von Ljutomer hervorgehoben
Basisdaten
Staat Slowenien
Historische Region Untersteiermark / Štajerska
Statistische Region Pomurska (Murgebiet)
Koordinaten 46° 31′ N, 16° 12′ OKoordinaten: 46° 31′ 11″ N, 16° 11′ 46″ O
Höhe 175 m. i. J.
Fläche 107,2 km²
Einwohner 11.374 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 106 Einwohner je km²
Postleitzahl 9240
Kfz-Kennzeichen MS
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Tatjana Fulder
Postanschrift Vrazova ulica 1
9240 Ljutomer
Webpräsenz
Hauptplatz, August 2010

Ljutomer (deutsch: Luttenberg in der Steiermark) ist eine Kleinstadt und Gemeinde in Slowenien unweit der kroatischen Grenze. Sie liegt in der historischen Landschaft Spodnja Štajerska (Untersteiermark), ist heutzutage allerdings der statistischen Region Pomurska zugeordnet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ljutomer liegt etwa 40 km östlich der Stadt Maribor am Fluss Ščavnica (Stainz).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst 44 Ortschaften. Die deutschen Exonyme in den Klammern stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und werden heutzutage nicht mehr verwendet[1]. (Einwohnerzahlen Stand 1. Januar 2017[2]):

  • Babinci (Wagendorf), 265
  • Bodislavci (Wodislafzen), 133
  • Branoslavci (Malleggendorf), 166
  • Bučkovci (Wutschkofzen), 129
  • Cezanjevci (Zesendorf), 234
  • Cuber, 67
  • Cven (Zween), 584
  • Desnjak (Desniagg), 140
  • Drakovci (Drahoru), 252
  • Globoka (Glubokohegg), 179
  • Godemarci (Godomerzen), 88
  • Gresovščak (Grüsserschak), 105
  • Grlava (Gerlova), 104
  • Ilovci (Illovetz), 96
  • Jeruzalem (Jerusalem), 32
  • Krapje (Kraping), 307
  • Krištanci (Kristanzen), 74
  • Kuršinci (Kurschinetz), 157
  • Ljutomer (Luttenberg), 3.316
  • Mala Nedelja (Kleinsonntag), 99
  • Mekotnjak (Mekotniagg), 198
  • Moravci v Slovenskih goricah (Muratzen), 369
  • Mota (Mauthdorf), 316
  • Noršinci pri Ljutomeru (Urschendorf), 205
  • Nunska Graba (Schützenberg), 146
  • Plešivica (Pleschivetz), 100
  • Podgradje (Unterschloss), 289
  • Precetinci (Prezetinzen), 159
  • Presika (Pressika), 133
  • Pristava (Pristova), 239
  • Radomerje (Picheldorf), 184
  • Radomerščak (Pichelberg), 142
  • Radoslavci (Radislafzen), 306
  • Rinčetova Graba (Rindscheit), 97
  • Sitarovci (Sitarofzen), 36
  • Slamnjak (Kummersberg), 164
  • Spodnji Kamenščak (Steinberg), 411
  • Stara Cesta (Altstrass), 298
  • Stročja vas (Schützendorf), 513
  • Šalinci (Schalladein), 184
  • Vidanovci (Vitanofzen), 57
  • Vogričevci (Vogrischofzen), 154
  • Zgornji Kamenščak, 101
  • Železne Dveri (Eisenthür), 46

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Križevci Veržej, Beltinci Črenšovci
Sveti Jurij ob Ščavnici, Juršinci Nachbargemeinden Razkrižje
Sveti Tomaž Ormož Štrigova (HR)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ljutomer wurde erstmals 1211 als Luetenwerde erwähnt und die Befestigungsanlage erst 1249 als Luetenberch. 1265 bekam Ljutomer das Marktrecht. Der Ort wurde mehrmals von der Pest und den Angriffen der Kreuzritter und der Osmanen heimgesucht. Am 9. August 1868 war die erste Volksversammlung der Slowenen in Ljutomer, wo zum ersten Mal öffentlich ausgesprochen wurde, dass die slowenischsprachige Bevölkerung einen eigenen Staat begehre.

Bis 1918 war Ljutomer zweisprachig, im Jahre 1880 gab es nach einer Volkszählung 468 Deutsch- und 608 Slowenischsprachige; die deutschsprachige Bevölkerung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gewaltsam vertrieben.

Ljutomer wird von der nunmehr noch ansässigen slowenischsprachigen Bevölkerung Lotmerk genannt. In der Gemeinde Ljutomer wird ein slowenischer Dialekt gesprochen, der sich "Prleško narečje" nennt. Die Gemeinde Ljutomer gehört zu der Gegend Prlekija, einem Teil der Region Pomurje. Die Stadt Ljutomer wird von der Bevölkerung als Hauptstadt der Gegend Prlekija angesehen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche mit Denkmal
Ljutomer, Kirchplatz

Der Stadtkern von Ljutomer wird aus drei Marktplätzen gebildet, an einem von ihnen steht die im Bild gezeigte barocke Pfarrkirche Johannes der Täufer.[3][4]

Das zweietagige Rathaus am Markt ist grau verputzt und im Stil des Neoklassizismus ausgeführt. Es besitzt ein breites Portal, das in einem Risalit eingebaut ist, der Dreiecksgiebel darüber zeigt das Wappen der ersten Besitzerfamilie.[5]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ljutomer wird geprägt von der in vergangenen Jahrhunderten begonnenen Zucht von Traberpferden, die ursprünglich aus Belgien kamen.[6] Darüber hinaus bestimmen die Töpferei, der Weinbau[7] und die Viehzucht einschließlich Milchverarbeitung die Wirtschaft des Ortes. In der Umgebung wurden etliche warme Quellen gefunden, die zur Entstehung des Thermenlandes geführt haben. Außerdem betreiben viele Familien Landwirtschaft und Geflügelzucht, sogar von Braunkohleabbau wird berichtet.[7]

Ein Zweigwerk der Firma Komptech, europäischer Marktführer für Maschinen und Anlagen zur Behandlung von festen Abfällen und Biomasse, wurde im Jahr 2006 in Ljutomer errichtet und 2007 eingeweiht.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

– geordnet nach Geburtsjahr –

  • Stanko Vraz (* 1810 in Ljutomer; † 1851), Ethnologe und Dichter der Romantik
  • Franc Miklošič (1813–1891), Sprachwissenschaftler und liberaler Politiker, Begründer der modernen Slawistik
  • Karel Grossmann, (* 27. Oktober 1864 in Drakovci in der Nähe von Mala Nedelja; † 3. August 1929 in Ljutomer), slowenischer Amateur-Filmemacher und Rechtsanwalt.
    Im Jahre 1904 machte er die erste slowenische Filmsequenz in Ljutomer, dem Herzen der Prlekija. Alle drei Filme (Messe in Ljutomer, Das Ende und das Verlassen der heiligen Messe und Im Hausgarten) sind im Museum von Ljutomer zu sehen.
  • Fritz Lang (1890–1976), Regisseur (u. a. Metropolis)
    Von Juni bis Dezember 1915 erhielt Lang seine Ausbildung zum Reserveoffizier in Ljutomer. Bedingt durch seinen militärischen Rang wohnte er privat im Haus des oben genannten Anwalts Karel Grossmann, eines typischen Intellektuellen seiner Zeit. Lang arbeitete in dieser Zeit, angeregt durch örtliche, traditionelle Töpfereien, auch in Terrakotta. Zwei seiner (Selbstporträt?-)Büsten und zwei Gartenvasen (z. T. signiert und datiert) werden von den Nachkommen des Karl Grossmann bewahrt. Es handelt sich wahrscheinlich um Langs einzige erhaltene Werke der bildenden Kunst. Spätere Filmideen und Ausstattungsmotive Langs lassen sich auf Anregungen durch die Bibliothek und die Sammlungen Grossmanns wie auch auf die Architektur und Archäologie der Stadt Ljutomer und ihrer Umgebung zurückführen.
  • Ante Trstenjak (1894–1970), Maler

Partnerorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ljutomer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark. 1850 (Beilage Kreis Marburg)
  2. Statistisches Amt der Republik Slowenien (englisch)
  3. Wo Slowenien aussieht wie die Toskana. Abgerufen am 15. September 2018.
  4. Abbildung der Church of Ljutomer John-the-Baptist, abgerufen am 15. September 2018.
  5. Abbildung des Ljutomer Rathauses, abgerufen am 15. September 2018.
  6. Briefmarke mit Abbildung eines in Ljutomer gezüchteten Pferdes, abgerufen am 15. September 2018.
  7. a b Slowenische Weinberge, Abschnitt Ljutomer –, Ormož - Weinberge; abgerufen am 15. September 2018.
  8. Komptech eröffnet neues Werk in Slowenien, abgerufen am 15. September 2018.
  9. Slowenien und Burgenland – die neu entdeckte Nachbarschaft, abgerufen am 15. September 2018.