Locus caeruleus

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Locus caeruleus (von lateinisch locus „Ort“ und caeruleus „himmelblau“), früher Locus coeruleus, oder Nucleus caeruleus ist, blau durchscheinend, ein schwarz pigmentiertes Kerngebiet im Bereich der dorsalen Brückenhaube des Metencephalon.

Das Kerngebiet befindet sich im Tegmentum pontis des Rautenhirns eingebettet in die Formatio reticularis unter dem Boden der vorderen Rautengrube und erstreckt sich kaudal der Colliculi inferiores bzw. caudales des Mittelhirns bis hinab etwa in Höhe der Einmündung des Aquaeductus cerebri in den vierten Ventrikel. Neurophysiologisch ist diese Struktur ein bedeutender Teil des Systems noradrenerger Neuronen und stellt deren größte Ansammlung im ZNS dar.

Eine Aufgabe der monoaminergen Neuronengruppe im Nucleus caeruleus besteht vermutlich in einer Einflussnahme auf die mentale Orientierung im Sinne einer gelenkten Aufmerksamkeit. Über den Locus caeruleus umgeschaltete sensorische Erregungen werden mit einer Freisetzung von Noradrenalin als Transmittern beantwortet, die verschiedene andere Hirnregionen erreicht und breit gestreut weite Teile des Hirns erfasst. Aufsteigende Fasern erreichen, neben Thalamus und Hypothalumus im Zwischenhirn, insbesondere Anteile des sogenannten limbischen Systems wie Hippocampus, Amygdala und Septumkerne, und projizieren darüber hinaus nahezu auf den gesamten Neocortex. Absteigende Efferenzen ziehen zu verschiedenen Kernen im unteren Hirnstamm sowie daneben im Vorderseitenstrang bis zu Segmenten des Rückenmarks.

Für den Locus caeruleus oder Nucleus caeruleus (TA) lassen sich mehrere Abschnitte untergliedern, neben dem gut abgegrenzten großen zentralen Kern ein anteriorer und ein posteriorer (Sub-)Nukleus. Der Nucleus subcaeruleus wird meist neuroanatomisch als eigene Struktur aufgefasst.

Die bedeutendsten Verbindungen des Locus-caeruleus-Systems werden zusammengefasst als

  • der dorsale (tegmentale) noradrenerge Weg
  • der dorsale periventrikuläre Weg

Ersterer begleitet das mediale Vorderhirnbündel durch den kaudalen und lateralen Hypothalamus bis zum basalen Vorderhirn und dem Neocortex. Der zweite projiziert in den dorsalen Thalamus und in einige hypothalamische Zentren.

Klinische Relevanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei zahlreichen Erkrankungen ist der Locus caeruleus beteiligt, zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit, dem Down-Syndrom und der Alzheimerschen Krankheit.

Auch bei Entwicklung körperlicher Abhängigkeiten spielt der Locus caeruleus eine Rolle. Opiate und auch Alkohol[1] beispielsweise dämpfen seine Aktivität. Im akuten Opiat-Entzug kommt es hingegen zu einer Überaktivität und die Symptomatik ist ähnlich der einer Stressreaktion[2], wodurch sich auch die Wirksamkeit von α2-Rezeptoragonisten (z.B.: Clonidin) erklärt.[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strahlendorf, H. K. and J. C. Strahlendorf (1983). "Ethanol suppression of locus coeruleus neurons: relevancy to the fetal alcohol syndrome." Neurobehavioral Toxicology and Teratology 5(2): 221-224.
  2. Lüdecke, Sachsse, Faure. Sucht - Bindung - Trauma. Schattauer GmbH; 2010. S. 115-116
  3. Aktories, Förstermann, Hofmann, Starke. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. München: Urban & Fischer; 9. Auflage