Lohgerbung

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Die Lohgerbung (auch Altgerbung, Rotgerbung, vegetabile Gerbung und Pflanzengerbung) ist eine Methode zur Gerbung von Leder mit Tanninen.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gerbstoffe in der Lohgerbung sind die Tannine (Hydroxy-Polyphenole, vor allem der Gallussäure). Diese werden von den Pflanzen eingelagert, um Fressfeinde fernzuhalten, da deren Verdauung durch Tanninaufnahme negativ beeinflusst wird und im Mund ein adstringentes Gefühl entsteht. Tannine finden sich in unterschiedlicher Konzentration in sehr unterschiedlichen Gewächsen. Hauptsächlich werden zur Lohgerberei Eichenrinde, Kastanien, Pflanzengallen, Galläpfel, verschiedene Sumachgewächse, Hemlocktannenrinde oder Catechu verwendet. Die Tannine kommen auch Pflanzen wie Wein, Hopfen, im Divi-Divi-Baum, Schwarzem und Grünem Tee vor. Im Mund werden Gerbstoffe in Lebensmitteln als trocken, rau und pelzig wahrgenommen. So wird etwa der Geschmack eines Rotweins grundlegend davon mitbestimmt, welche Tannine in welcher Konzentration in ihm enthalten sind.

Der Lohgerbprozess benötigt etwa 20-30 Monate. Pro Rinderhaut werden dabei circa 30 kg Rinde oder 20 kg Früchte oder 90 kg Eichenholz verbraucht. Die Lohe wird gemeinsam mit den Häuten in eine wassergefüllte Grube gelegt, wodurch nach einigen Tagen ein gerbsäurehaltiges Bad entsteht. Bereits verwendete und ausgelaugte Lohe wurde in gepresster Form (Lohkäse) anschließend noch als Brennmaterial oder auch als Dünger verwertet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im europäischen Mittelalter wurde insbesondere die Stieleiche für Gerberzwecke in sogenannten Lohwäldern kultiviert. Die gerbstoffhaltige Rinde der Bäume wurde mit dem sogenannten Lohlöffel abgeschält (das mittelhochdeutsche Wort lo bezeichnet abreißen, schälen, löchern) und in Lohmühlen verbracht, wo sie zur schließlichen Lohe zermahlen wurde. Diese Mühlen befanden sich meist in direkter Nähe von Gerbereien und geben bis heute Straßen und Plätzen in deutschen Städten ihren Namen. In der Kölner Innenstadt etwa erinnern Rothgerberbach, Blaubach und Mühlenbach an Lohmühlen, die ihre Rinde über den Rheinauhafen bezogen haben. Ein Teil des Marktviertels nannte sich bereits im 12. Jahrhundert Lohmarkt. Ein anderes Beispiel ist die Lohmühleninsel am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg, wo seit 1750 Lohe erzeugt worden war. Und auch Familiennamen wie Lohmann, Lohmüller, Löhrer, Loher, Löhr oder Luerer gehen auf dieses Handwerk zurück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Stather: Gerbereichemie und Gerbereitechnologie, 4. Auflage, Akademie Verlag, Berlin 1967.