Lothar Zitzmann

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Grab von Lothar Zitzmann auf dem Nordfriedhof in Jena

Lothar Zitzmann (* 14. Februar 1924 in Kahla; † 19. Januar 1977 in Halle (Saale)) war ein deutscher Maler und Professor.[1]:S. 811

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitzmann machte 1944 das Abitur in Jena und studierte 1944 bei Walther Klemm an der Weimarer Hochschule für Baukunst und bildende Künste und nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft von 1948 bis 1951 Psychologie, Philosophie und Kunstpädagogik an der Universität Jena.

Bis 1949 war er freischaffend als Maler tätig, außerdem leitete er einen Zirkel im VEB Carl Zeiss Jena. Ab 1953 war er Dozent für Wandmalerei am Institut für künstlerische Werkgestaltung der Kunsthochschule Halle (heute: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle), wo er 1965 Professor wurde. 1955 begann Zitzmann mit der Entwicklung seiner, heute nach ihm genannten, systematischen Grundlehre.[2]

Er zählte neben Karl-Erich Müller[3] und Willi Sitte zu den „älteren Protagonisten des Hallenser Kunstschaffens“ und zeichnete sich durch seine „didaktisch-hintergründige Kunst“ aus.[1]:S. 87

Gebrauchten seine Stillleben in den 1950er Jahren noch Elemente der kubistische Formsprache, lassen Bilder wie die „Kartenspieler“ auf Fernand Léger als Vorbild schließen.[4] Gemälde wie die „Mittagspause“ oder das „Bildnis einer Gärtnerin“ von 1956 werden als Konzessionen an den offiziell geforderten „Realismus“ angesehen.[4] In den 1960er wandte er sich Jahren der lateinamerikanischen Kunst und ließ in seinen Werken Einflüsse des mexikanischen Realismus[1]:S. 565 und Muralismo[1]:S. 629 erkennen. In den 1970er Jahren setzte er sich künstlerisch mit dem Putsch in Chile 1973 auseinander.[1]:S. 324 f.

Von 1970 bis 1977 war er Direktor der Sektion „Künstlerische und wissenschaftliche Grundlagen der Gestaltung“ an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein. Von 1976 bis 1990 war sein Bild Weltjugendlied in der Galerie im Palast der Republik ausgestellt.

Nach Lothar Zitzmann wurde 1991 die Zitzmannstraße in Jena benannt.[4]:Abbildung.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Zitzmann verzichtete zunehmend auf ablenkende Details und fand zu einer Klarheit in Form und Komposition, die bisweilen puristisch wirkt und die Vielfalt des Lebens in einem rhythmischen Spiel der Volumen beruhigt. Seine Bilder verweisen auf ein Abwägen zwischen Organik und Geometrie. Sein Streben nach Veranschaulichung beschreibt der Künstler und Pädagoge selbst so: „Für mich geht es um ein Höchstmaß an sichtbarer Ordnung in Beziehung zu einer Aussage über Realität. Ich möchte Einfachheit des Ausdrucks, eine Form ohne Verzierungen, einen lapidaren Realismus.“ Zitzmanns Bilder verströmen trotz Strenge und Spannung eine Ruhe, die ganz wesentlich auf diesen Gestaltungsprinzipien beruht."[2]

Gemälde "Weltjugendlied" im Palast der Republik

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafelbilder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildnis Dr. Eckhardt (Öl; ausgestellt 1953 auf der 3. Deutschen Kunstausstellung)[5]
  • Oktoberwind (Öl; ausgestellt 1962/1963 auf der 5. Deutschen Kunstausstellung)[5]
  • Arbeiter am Tisch (Öl und Tempera; 1966; im Bestand der Nationalgalerie Berlin)[5]
  • Gespräch (Mischtechnik; 1966; ausgestellt 1967/1968 auf der VI. Deutschen Kunstausstellung)[5]
  • Vor dem Fußballtor (Öl; 1968; ausgestellt 1977/1978 auf der VIII. Kunstausstellung der DDR)[5]
  • Skiläuferinnen (Öl: 1971; ausgestellt 1972/1973 auf der VII. Kunstausstellung der DDR)[5]
  • Mutter und Kind (Tempera; 1973; im Bestand der Dresdener Gemäldegalerie Neue Meister)[5]
  • Poem in den Farben von Chile (Öl; 1974; im Bestand der Kunstsammlung Gera, Otto-Dix-Haus)[5]
  • Weltjugendlied (Öl; 1975; hing in der Galerie des Palastes der Republik in Berlin)[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundlagen visueller Gestaltung. Dokumente zur visuell-gestalterischen Grundlagenausbildung, Hrsg.: Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein, 1990[2]
  • Lothar Zitzmann. Aus den Arbeiten zur Theorie der Gestaltung. Gemälde, Wandmosaiken. Hrsg.: Rat des Bezirks Gera und Kunstgalerie "Orangerie" Gera, 1976 (Ausstellungskatalog)
  • Lothar Zitzmann. Pädagoge und Maler (Katalog der Ausstellung im Bauhaus Dessau 1988/1989). Hrsg.: Hochschule für industrielle Formgestaltung, 1989
  • Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt. Einflüsse Lateinamerikas auf die Bildende Kunst der DDR (= Theorie der Gegenwartskunst. Bd. 18). Teil 1 und 2. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11025-1, [Teil 1:] S. 87, 324 f.; [Teil 2:] S. 565, 629, 780, 802, 811, 845 (Zugl.: Hildesheim, Univ., Diss., 2010; Suche im Buch nach „Lothar Zitzmann“ in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lothar Zitzmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt. Einflüsse Lateinamerikas auf die Bildende Kunst der DDR (= Theorie der Gegenwartskunst. Bd. 18). Teil 1 und 2. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11025-1 (Zugl.: Hildesheim, Univ., Diss., 2010; Scan in der Google-Buchsuche).
  2. a b c http://kunstverein-talstrasse.de/cpt-ausstellungen/lothar-zitzmann/
  3. Marcus Kenzler: Der Blick in die andere Welt. Einflüsse Lateinamerikas auf die Bildende Kunst der DDR (= Theorie der Gegenwartskunst. Bd. 18). Teil 2. LIT Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-643-11025-1, S. 629 (Zugl.: Hildesheim, Univ., Diss., 2010; Scan in der Google-Buchsuche).
  4. a b c Lothar Zitzmann (1924–1977), Pädagoge und Maler. In: ahnenreihe-zitzmann.de, abgerufen am 9. Januar 2018 (Biographie).
  5. a b c d e f g h i Bildindex der Kunst & Architektur