Ludwig A. Minelli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ludwig Amadeus Minelli (* 5. Dezember 1932 in Zürich) ist ein Schweizer Rechtsanwalt und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig A. Minelli war zunächst von 1956 bis 1959 Journalist bei der Zürcher Tageszeitung Die Tat, dann von 1959 bis 1960 bei der Boulevardzeitung Blick. Von 1960 bis 1961 war er Direktionsassistent im Münchener Verlagshaus Kindler & Schiermeyer, 1961 bis 1964 Redaktor beim Inlandsdienst von United Press International in Zürich und zwischen 1964 und 1974 erster Schweiz-Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Erst spät studierte Minelli Rechtswissenschaften an der Universität Zürich (Abschluss 1981) und wurde mit 54 Jahren Rechtsanwalt, spezialisiert auf Menschenrechte.

1978 gründete er die Schweizerische Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention (SGEMKO). Die als Minelli I (BGE 99 Ia 262), Minelli II (BGE 102 Ia 279) und Minelli III (BGE 118 Ia 64) bekannten Urteile des Schweizerischen Bundesgerichtes sind bedeutsam für die Lebensbedingungen von Strafgefangenen. Sie sind auch Beispiele für die in der Schweiz bestehende Möglichkeit, kantonale Erlasse innerhalb von 30 Tagen nach deren Verkündung im Verfahren der abstrakten Normenkontrolle durch Beschwerde an das Bundesgericht einer Überprüfung auf ihre Übereinstimmung mit der Bundesverfassung zu unterwerfen. Seit Juni 1981 redigiert er die von der SGEMKO herausgegebene Quartalsschrift Mensch und Recht, die im November 2014 in Form eines Reprints der Nr. 1–133 unter dem Titel Scharf beobachtet – Ein Dritteljahrhundert EMRK-Praxis und die Schweiz im Dike-Verlag Zürich als Buch erschienen ist.

1998 gründete er in Zürich den Verein Dignitas, der sterbewilligen Menschen (insbesondere auch aus dem Ausland) Beihilfe zum Suizid anbietet.

Minelli ist Mitherausgeber der Zeitschrift Aufklärung und Kritik. Die Autorin und Filmregisseurin Michèle Minelli ist seine Tochter.[1] Zudem ist er Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.[2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die parlamentarische Initiative gemäss Art. 93 der Bundesverfassung. Ursprung, Wesen, Zweck. Zürich 1965.
  • Der Überschallknall: was er ist; was er bewirkt; warum er verboten werden muss. Eidg. Aktionskomitee gegen den Überschallknall ziviler Luftfahrzeuge, Zollikon 1969. (ohne Verfassername)
  • mit Manfred Kuhn und Edmond Tondeur: Das Zürcher Flughafenproblem. Eine Dokumentation zur Urteilsbildung des Politikers und des Bürgers. SBFZ, Höri 1970.
  • Schweiz, Liechtenstein. Verlag für Literatur und Zeitgeschehen, Hannover 1972.
  • mit Carl M. Holliger: Der brave Soldat K.: Erlebnisse des Hptm. Kollbrunner im Aktivdienst. Reich, Luzern 1980, ISBN 3-7243-0188-X.
  • Obszönes vor Bundesgericht. Die Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichtes zu Art. 204 des Schweizerischen Strafgesetzbuches. Mit 44 Cartoons von Erich Gruber. Hecht, Zürich 1981, ISBN 3-85724-014-8.
  • Dina jagt ein Hosenbein. Erlebnisse einer Familie mit Tieren. Haupt, Bern 1990.
  • Übersicht über die Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte 1960/1994. Forch 1995.
  • Reminiszenzen aus dem Leben eines Privatpolitikers. In: Hans Baumgartner, René Schuhmacher (Hrsg.): Recht, Macht und Gesellschaft. Rio, Zürich 1995, ISBN 3-907668-64-2.
  • Das völkerrechtliche Verbot der Erhöhung von Studiengebühren oder der Einführung oder Wiedereinführung von Schulgeldern. Aktionskomitee gegen Mittelschulgelder, Forch 1996.
  • mit Frank Johnigk u. a.: Das faire Verfahren nach Art. 6 EMRK. Schmidt, Köln 2005, ISBN 3-504-65517-8.
  • Der gedankenlose Philosoph. In: Aufklärung und Kritik, Nr. 2/2006, S. 51–62 (PDF; 44 kB).
  • als Herausgeber: Scharf beobachtet. Ein Dritteljahrhundert EMRK-Praxis und die Schweiz. Dike, Zürich 2014, ISBN 978-3-03751-688-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Silvana Guanziroli: Diese Frau geht über Leichen. In: SonntagsBlick, 13. Oktober 2013.
  2. Minelli, Ludwig A. Rechtsanwalt, Journalist, Dignitas-Gründer. In: Humanistischer Pressedienst. 2015, abgerufen am 7. November 2015 (Kurzbiografie, deutsch).