Ludwig Angerer

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Dieser Artikel behandelt einen Fotografen; für den gleichnamigen Architekten, Maler und Schriftsteller siehe unter Ludwig Valentin Angerer.
Ludwig Angerer

Ludwig Angerer (* 15. August 1827 in Malaczka bei Pressburg, damals Ungarn, heute Slowakei; † 12. Mai 1879 in Wien) war ein österreichischer Fotograf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Angerer, der Sohn eines Försters, studierte zuerst Pharmazie und Chemie, bevor er in Pest arbeitete. Ab 1854 war er Apotheker in der Garnisonsapotheke in Wien und betrieb Fotografie nebenbei, obwohl er das nicht gelernt hatte. Ab dem Jahr 1854 konnte er dies auch beim Militär nutzen, da er ein Regiment als Regimentsapotheker in die Donaufürstentümer begleitete. Bei seiner Rückkehr aus dem Krimkrieg erregten die mitgebrachten Papierfotos wegen ihrer technischen Vollendung großes Aufsehen.

Er gründete gemeinsam mit Hugo von Strassern 1858 sein erstes Atelier in Wien. Noch vor 1860 zog er in ein neues Atelier und war bereits selbständig. Mit Dekret vom 25. Dezember 1860 wurde er zum k.k. Hof-Photographen ernannt.

1862 zog er in das Nachbarhaus um, welches sein Eigentum war. Dort baute er sich ein prächtiges und vielbeachtetes Atelier. Der Journalist und Fotograf Alois Nigg beschrieb diesen fotografischen Salon ersten Ranges nur kurz in seinem Artikel „Über den Bau der photographischen Salons.“, denn er führte an, dass dieser Bau so kostspielig sei, ganz im Palaisstil durchgeführt, so dass selbst von der Hautevolee der Lichtbilderzeuger wegen seiner Kostspieligkeit kaum einen Nachahmer finden würde. Er schrieb weiter:

„Der Charakter der photographischen Wiener Schule, wenn es erlaubt ist, diesen Kunstausdruck auch hier zu bezeichnen, hat sich nun hauptsächlich durch die Einflussnahme von Ludwig Angerer entwickelt und so auch das von ihm gewählte Atelier – System, die allgemeinste Verbreitung gefunden; denn der zuerst von ihm angegebene und vom Baurat Romano ausgeführte Salon in der Theresianumgasse kann als das stricte Vorbild der später vom Architekten Förster auf dem Palais Todesco (Photograph Leth) und auf dem Hotel National in der Leopoldstadt (Photograph Rabending) erbauten Ateliers angenommen werden, gerade so wie sein photographisches Verfahren durch zahlreiche Schüler und Assistenten direct und indirect sich in den Wiener Etablissements eingebürgert hat.“

Alois Nigg: Über den Bau der photographischen Salons.[1]
Ludwig Angerer: Elisabeth, Kaiserin von Österreich (1837–1898) (Herausgegeben von Carl Pietzner)

Angerer hat 1857 die Carte-de-Visite-Photographie, welche in Paris große Mode war, in Wien als erster angeboten und wesentlich zu deren Verbreitung beigetragen. 1867 baute er sich ein Filialatelier in der Stadt. Auch über dieses Atelier schrieb Alois Nigg in dem erwähnten Artikel: „Im ersten Stock Empfangssalon, Comptoir und Arbeitsraum, im oberen Teil das eigentliche Atelier. Sämtliche zum Oberlichte verwendete Glastafeln matt geschliffen, an der vertikalen Seitenwand ausschließlich blaue Gläser. Merkwürdig war, dass man im Inneren dieses Ateliers die blaue Farbe der Glaswand kaum bemerkte.“ Ab 1872 betrieb er gemeinsam mit seinem Bruder Viktor Angerer ein Atelier, das dieser leitete („L.&V.ANGERER“). 1873 zog er sich wegen Krankheit aus dem Geschäft zurück und übergab es an seinen Bruder Viktor. 1879 verstarb Ludwig Angerer.

Er porträtierte die österreichische und ausländische Prominenz und machte auch Stadtansichten von Wien, Genre- und Tierstudien. Als Amateur leistete er bedeutende Arbeiten zur Topografie der Monarchie. Die Tochter Angerers ehelichte den Fotografen Johann Bauer. Sein erster Sohn Fery Angerer wurde nicht Berufsfotograf sondern Arzt, er besaß ein Privatsanatorium am Mondsee und war begeisterter und anerkannter Amateurfotograf. Sein zweiter Sohn August Angerer hatte eine Kunsthandlung und dessen Onkel Viktor Angerer arbeitete für ihn als Fotograf. In den 1870er-Jahren trat Viktor Angerer, der dritte Sohn, in den Betrieb des Bruders ein und übernahm ihn nach dessen Tod.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ueber den Vergrösserungs-Apparat, in: Zeitschrift für Fotografie und Stereoskopie 3, 1861
  • Ueber eine Methode auf trockenem Kollod, ebd. 4, 1861
In: Ludwig Schrank (Hrsg.): Photographische Correspondenz, Carl Gerold's Sohn, Wien,
  • Ein neues System für Atelier-Stative, 3. Jg., 1866, S. 32–34
  • Bericht über den photographischen Teil der Weltausstellung in Paris 1867., 4. Jg., 1867, S. 125–134.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Silberne Medaille; Preise für Photographien und photographische Apparate bei der Pariser Weltausstellung 1867[2].
  • ca. 1868 Ehrenmitglied im Photographischen Verein zu Hamburg[3][4], gegründet 1865.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angerer, Ludwig. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950. 2. überarbeitete Auflage. (online)
  • Die Presse, Geschichte der Fotografie in Österreich 1–2, 6. November 2004
  • A. Holzer: Im Schatten des Krimkrieges. L. A.s Fotoexpedition nach Bukarest …, in: Fotogeschichte 24, 2004, H. 93, S. 23–50; T. Starl, Lexikon zur Fotografie in Österreich 1839–1945, 2005
  • FotoBibliothek: Biobibliografie zur Fotografie in Österreich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig Angerer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Schrank (Hrsg.): Photographische Correspondenz, 5.Bd., Carl Gerold's Sohn, Wien, 1868, S. 63–70 und S. 77–85.
  2. Photographische Correspondenz, 4. Jg., 1867, S. 172.
  3. Hamburgisches Adressbuch für 1869, Behörden u.a. Körp., amtl. Information: Vierter Abschnitt. Alphabetisches Verzeichniß der wichtigsten hiesigen öffentlichen Anstalten, wohlthätigen u. gemeinnützigen Stiftungen und Vereine, wissenschaftlichen Institute u. Sammlungen, sehenswerthen Gebäude u.s.w., Seite 811 (Verein, Photographischer, zu Hamburg).
  4. Photographische Correspondenz, 4. Jg., 1867, S. 288.