Luis Stitzinger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Luis Stitzinger (* 16. Dezember 1968 in Füssen) ist ein deutscher Extrembergsteiger sowie staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Stitzinger bestieg zahlreiche Berge in den Hochgebirgen dieser Erde und leitete viele Expeditionen, unter anderem zu Sieben- und Achttausendern.[1] Einen Namen machte er sich aber vor allem durch seine spektakulären Skibefahrungen von Achttausendern in den letzten Jahren.[2][3] Mit Skibefahrungen an sechs Achttausendern zählt er zu den erfolgreichsten Big Mountain Skiers der internationalen Extremski-Szene. Stitzinger lebt in Füssen. Seine Ehefrau ist die Bergsteigerin Alix von Melle, mit der er seit 2011 verheiratet ist.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stitzinger ist Sohn des Bergführers Volkmar „Burschi“ Stitzinger und wuchs mit zwei jüngeren Geschwistern in Halblech im Ostallgäu auf.[4] Er studierte an der Fakultät für Sportwissenschaften der Technischen Universität München und wurde dort 1999 für seine Arbeit Prävalenz von Eßstörungen im Sportklettern – ein Vergleich von Leistungs- und Breitensportkletterern mit dem „Dr. Gertrude Krombholz-Preis“ ausgezeichnet.[5] Außerdem studierte er Anglistik an der LMU München und absolvierte die Ausbildung zum Berg- und Skiführer mit staatlicher Prüfung.[1]

Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beruflich war Stitzinger von 1998 bis 2003 in München als hauptamtlicher Mitarbeiter der DAV Sektion München tätig (Leitung des Bereichs Alpinistik, Bibliothek, Ausrüstungsverleih). Von 2004 bis 2012 war er beim DAV Summit Club für Expeditionen und Extrembergsteigen im Programm zuständig und leitete selbst viele dieser Expeditionen.[4]

2013 machte er sich mit seinem eigenen Unternehmen Go Climb A Mountain und als Profibergsteiger selbstständig. Zusätzlich ist er für den Oberstdorfer Spezialveranstalter AMICAL alpin als Expeditionsleiter tätig.

Achttausender-Besteigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000
    Cho Oyu (8188 m) mit einer deutschen DAV Summit Club-Expedition im Herbst.
  • 2006
    Gasherbrum II (8034 m) mit einer deutschen DAV Summit Club-Expedition, bei der alle neun Teilnehmer an den Gipfel gelangen. Nach einem Ruhetag im Basislager machen sich Benedikt Böhm, Sebastian Haag und Luis Stitzinger nochmals auf den Weg zum Gipfel und erreichen diesen trotz kräftezehrender Spurarbeit in 12 Stunden 30 Minuten vom ABC-Lager (5900 m) aus. Nach gelungener erster vollständiger Skibefahrung, wobei Steilstücke von über 50 Grad Steilheit befahren werden mussten, gelangen die drei Bergsteiger nach 17 Stunden Roundtrip wieder ins ABC-Lager zurück.[6]
  • 2008
    Nanga Parbat (8125 m) mit einer deutschen DAV Summit Club-Expedition, bei der sechs von sieben Teilnehmern am 21. Mai den Gipfel über die klassische Kinshofer-Route der Diamirflanke erreichen, darunter zwei Frauen. Nach geglückter Besteigung verbleiben Josef Lunger aus Landsberg am Lech und Luis Stitzinger noch etwas länger am Berg, um eine Überschreitung des 10 km langen Mazeno Kamms bis zum Gipfel des Nanga Parbat zu versuchen. Dabei gelingt ihnen die Zweitbesteigung des Mazeno Peak (7145 m). Vor Erreichen des Mazeno Col (6940 m) müssen sie aber nach sieben Klettertagen aufgrund zur Neige gehender Gas- und Essensvorräte abbrechen und über die Soloroute (1978) Reinhold Messners zurück zum Diamir-Basislager absteigen. Nach einigen Ruhetagen bricht Stitzinger nochmals im Alleingang Richtung Gipfel auf und realisiert die erste Skibefahrung der zentralen Diamirflanke von 300 Meter unterhalb des Gipfels aus. Nach nur 24,5 Stunden kehrt er wieder ins Basislager zurück.[7][8]
  • 2009
    Dhaulagiri (8167 m) mit einer deutschen DAV Summit Club-Expedition, bei der acht von zehn Teilnehmern – darunter drei Frauen – den Gipfel erreichen. Die geplante Skiabfahrt mit Rupert Hauer, Bergführer aus Mauterndorf/Lungau, Österreich, vom Dhaulagiri scheitert aufgrund schlechten Wetters, dafür gelingt die Erstbefahrung des benachbarten Tukuche Peak (6920 m).[9]
  • 2010
    Makalu (8485 m) mit einer über den DAV Summit Club organisierten Sondergruppe, bei der acht Teilnehmer aus Deutschland und zwei aus Südtirol mit an Bord sind. Aufgrund anhaltender Jetstreams im Vormonsun 2010 läuft den meisten Teilnehmern schließlich die Zeit davon. Nur Josef Lunger, Alix von Melle und Luis Stitzinger verbleiben noch im Basislager und starten um den 24./25. Mai einen letzten Gipfelversuch, wobei von Melle und Stitzinger wegen der extremen Kälte auf 8050 m umkehren und Lunger allein – als einer der wenigen Bergsteiger ohne zusätzlichen Sauerstoff – den Gipfel erreicht.[10]
  • 2011
    Broad Peak (8051 m) und K2 (8611 m). Nachdem der von ihm geleiteten DAV Summit Club-Expedition zum Broad Peak nach einem aufgrund von zu tiefem Schnees und schlechtem Wetters missglückten Gipfelversuch am 14. Juli die Zeit ausgeht, gelingt Stitzinger mit seiner Frau Alix von Melle am 25. Juli die erfolgreiche Besteigung des Hauptgipfels, den sie am 25. Juli gegen 14 Uhr erreichen. Im Anschluss fährt Stitzinger mit den Ski vom skitechnisch höchstmöglichen Punkt, dem Col auf 7850 m, bis an den Wandfuß ab. Kurze Zeit später erreicht Stitzinger mit ca. einem Dutzend anderer Bergsteiger im einzigen maßgeblichen Gipfelversuch der Saison von der Südseite am 5. August die „Schulter“ des K2 (ca. 8000 m). Der Gipfelversuch kommt aber aufgrund sich verschlechterndem Wetters ins Stocken und alle Bergsteiger steigen zurück ins Basislager ab. Stitzinger fährt daraufhin am 6. August mit Ski vom Camp 4 (7900 m) über die Kukuczka-Route bis an den Wandfuß ab – die erste Skibefahrung dieser Linie und die bis dato wohl längste Skiabfahrt am K2 überhaupt.[11]
  • 2012
    Manaslu (8163 m). Vom 9. April bis 26. Mai brechen Stitzinger und von Melle 2012 zusammen mit drei Freunden (Rainer Jäpel, Saskia Held und Christian Ranke) zum Manaslu auf, der aufgrund seiner Wetterkapriolen immer wieder in die Schlagzeilen gekommen war (s. a. großes Lawinenunglück im Herbst 2012). Auch der fünfköpfigen Kleinexpedition ist das Wetterglück am Berg wenig hold, nur 180 Höhenmeter unterhalb des Gipfels müssen die Bergsteiger aufgrund eines urplötzlich auftretenden Gewitters die Flucht antreten und kommen mit Mühe und Not nach einem dreistündigen Abstieg durch Blitz und Donner mit kleineren Blessuren davon, mehrere Teilnehmer erleiden leichtere Erfrierungen.[12] (Friedl Mutschlechner war 1991 am Manaslu durch Blitzschlag ums Leben gekommen.)
  • 2013
    Shisha Pangma (8027 m). Den „kleinsten“ der 14 Achttausender besteigen von Melle und Stitzinger im April 2013. Nach nur zwölf Tagen im Basislager (ABC, 5650 m) gelingt ihnen der Aufstieg auf den nur selten bestiegenen Hauptgipfel des Berges über die Iñaki-Route durch die Nordostwand des Gipfels. Nach elfstündigem Aufstieg erreichen sie von einem vorgeschobenen zweiten Hochlager (C2A, 7100 m) um 13.30 Uhr den Gipfel über seinen exponierten Grat, wobei ihnen starke Windböen beinahe noch den Erfolg kosten. Stitzinger fährt daraufhin vom Skidepot, ca. 50 Höhenmeter unterhalb des Hauptgipfels, bis zum Ende des Shisha-Pangma-Gletschers auf ca. 5700 m, mit Skiern ab.[3]
  • 2017
    Manaslu (8163 m). Gemeinsam mit seiner Frau Alix von Melle erreicht Luis Stitzinger am 30. September 2017 den Gipfel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Porträt (Memento des Originals vom 5. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.goclimbamountain.de auf goclimbamountain.de
  2. Stephanie Geiger: Speedklettern: Mit Volldampf auf den Gipfel, Welt Online, 29. März 2008.
  3. a b Martin Becker: In flottem Tempo bis auf 8027 m Höhe Münchner Merkur Online, 12. Mai 2013.
  4. a b Gaby Funk: Alix von Melle & Luis Stitzinger – Ein Paar mit gemeinsamer Leidenschaft fürs Hohe (PDF). In: DAV Panorama, Nr. 4/2013, S. 92–97.
  5. Dr. Gertrude Krombholz-Preis wird erstmals verliehen, Pressemitteilung der TU München, 27. Januar 1999.
  6. Gasherbrum II-express debrief: The first German ski descent of G2 www.explorersweb.com
  7. Stitzingers Expeditionstagebuch zur Nanga Parbat-Expedition goclimbamountain.de
  8. Stitzinger's first ski descent of Nanga Parbat central Diamir face explorersweb.com
  9. Dhaulagiri 2009 – Expedition zum Weißen Berg goclimbamountain.de
  10. Makalu 2010 – Expedition zum Schwarzen Berg goclimbamountain.de
  11. skitour-magazin.de, Ausgabe 4.11
  12. Sky-skiing special: Luis Stitzinger's Manaslu debrief explorersweb.com