St. Lukaskirche (Leipzig)

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Nordseite der Lukaskirche (2005)

Die Lukaskirche ist ein evangelisch-lutherisches Gotteshaus in Leipzig. Sie bildet das Zentrum des Ortsteils Volkmarsdorf. Ihr Bau hängt eng mit dem Aufstieg Volkmarsdorfs zu einem bevölkerungsreichen Arbeitervorort zusammen. Ursprünglich zur Parochie Schönefeld gehörig, wurde im Zuge der Eingemeindung 1890 die Gründung einer eigenständigen Gemeinde und der Bau einer geräumigen Kirche beschlossen.
Seit 2015 wird die Lukaskirche durch die St. Trinitatisgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche als Gottesdienststätte genutzt.[1]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Bauplanungen wurde der Leipziger Architekt Julius Zeißig beauftragt. Nachdem die Kirchgemeinde Volkmarsdorf am 1. Mai 1891 aus der Parochie Schönefeld ausgepfarrt worden war, erfolgte am 9. August 1891 die Grundsteinlegung auf dem Volkmarsdorfer Markt südlich der Eisenbahnstraße. Am 19. März 1893 (Judika) wurde die nach dem Evangelisten Lukas benannte Kirche mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde etwa 18.000 Mitglieder (heute ca. 350).

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl die äußere Form als auch die innere Gestaltung der Kirche sind vom ausgehenden Historismus geprägt. Das offene, hallenartige Kirchenschiff ist insgesamt 46 Meter lang und maximal 21 Meter breit. Es wird auf beiden Seiten durch fünf große Fenster erhellt und öffnet sich dem dreiseitig geschlossenen, schlichten Chorraum. Dessen linker Anbau diente als Trau- und Taufkapelle bzw. als Unterrichtsraum für Konfirmanden, im rechten Anbau ist die Sakristei untergebracht. Der von einem Spitzhelm bekrönte 71 Meter hohe Turm ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Stadtteils. Als besonders wertvoll werden die fünf szenischen Fliesenbilder in den Bogenfeldern der Eingänge erachtet, deren Entwürfe von Erhard Lieberstein, Professor an der Leipziger Kunstakademie stammen und die von der Firma Villeroy & Boch im Dresdner Stadtteil Leipziger Vorstadt gefertigt wurden.

Südostseite der Lukaskirche in Leipzig-Volkmarsdorf (2005)

Das Innere des Kirchenschiffs ist stark durch die freitragende, ursprünglich mit Farbe und Gold abgesetzte Holzdecke geprägt; hölzerne Emporen, Gestühl und Wandpaneele fügen sich zu einem wirkungsvollen Ganzen. Ein Rosettenmuster überzog teppichartig die Wände und Decken der Choranbauten. Das große Fenster im Altarraum, gefertigt von der Zittauer Firma Türcke & Schlein, bildet dabei den Blickpunkt des Innenraumes: In vier spitzbögigen Öffnungen sind die Evangelisten dargestellt, den übrigen Raum füllt eine ornamentale Rose mit dem Bild des erhöhten Christus in der Mitte. Die ehemals prächtige und aufwändige Innengestaltung lässt sich heute allerdings kaum noch erahnen. Ursache hierfür sind zum einen die Luftangriffe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (insbesondere am 6. April 1945), bei denen der Turm beschädigt, ein Drittel der Kirchenfenster zerschlagen und eine Tür schwer getroffen wurden. Zum anderen blieb auch durch die Umbauten nur wenig von der originalen Ausstattung erhalten.

Bis zum Jahr 1914 hingen im Turm drei Bronzeglocken (Töne a, d und f). Zwei von ihnen fielen der Glockenenteignung im Ersten Weltkrieg zum Opfer. 1924 wurde ein neues Geläut mit drei Stahlglocken geweiht. Heute wie damals werden die Glocken im Turm der Lukaskirche manuell geläutet.

Die Firma Rühlmann in Zörbig baute im Jahre 1893 die pneumatische Orgel mit 32 Registern und neugotischem Prospekt. 1936 und 1939 wurde die Orgel durch die Firma Jehmlich in Dresden stark verändert. Eine Reparatur der seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr bespielbaren Orgel ist überfällig; ein Positiv eines Tauchaer Hobby-Orgelbauers begleitet heute die Gemeinde im sonntäglichen Gottesdienst.

Fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die stark beschädigten Kirchenfenster neu verglast, 1957 wurde der reparaturbedürftige Turm ausgebessert. Bei Umbauarbeiten ab 1964 wurden die hölzerne Ausstattung des Altarraumes und der vordere Teil der Kirchenbänke im Kirchenschiff entfernt, ebenso die Kanzel und der Altar. Die Altarplatte fand beim Bau des neuen, schlichten Altartisches Verwendung. Der so umgestaltete Altarraum konnte nun für kleinere Gottesdienste genutzt werden. Bei den letzten Renovierungsarbeiten wurde auch die Fassung der Decke vereinfacht.

An die Umgestaltung des Stadtteils in den 1980er Jahren, den Abriss der noch vom Krieg beschädigten drei- und viergeschossigen Wohnhäuser und ihre Ersetzung durch Plattenbauten erinnert das Kreuz im Altarraum. Es wurde aus Dachbalken eines benachbarten Abrisshauses gefertigt.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er Jahren entwickelte sich die Lukaskirche zu einem Sammelpunkt von DDR-Oppositionellen. 1986 gründete sich die Arbeitsgruppe Menschenrechte mit Pfarrer Christoph Wonneberger, die später eng mit dem Arbeitskreis Gerechtigkeit Leipzig zusammen arbeitete, der sich überwiegend aus Studierenden des Theologischen Seminars Leipzig gegründet hatte. Ein Konzert des Liedermachers Stephan Krawczyk am 22. März 1987 führte zu einer Rüge des Pfarrers Christoph Wonneberger durch die Kirchenleitung. Vom 6. bis 9. Juli 1989 wurde anlässlich des Kirchentages der Landeskirche Sachsens der statt-kirchentag veranstaltet, der sich gegen den Ausschluss politisch kritischer Gruppen aus dem offiziellen Kirchentagsgeschehen richtete. Mehrfach fanden Treffen des Sonnabendskreises im Gemeindehaus statt. Auch der Appell zur Gewaltfreiheit zum 9. Oktober 1989 wurde im Gemeindehaus verfasst und gedruckt.

Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sankt Lukaskirche auf der Seite der St. Trinitatisgemeinde Leipzig, abgerufen am 18. Januar 2016

Koordinaten: 51° 20′ 35″ N, 12° 24′ 34″ O