Luthers Apfelbäumchen

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Luthers Apfelbäumchen (oft auch nur Apfelbäumchen) ist ein Begriff, der 1944 erstmals nachweisbar ist, vermutlich in den 1930er Jahren entstand und angeblich aus einem Ausspruch Martin Luthers stammt. Der Begriff bzw. der Spruch erlangte als Symbol für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bundesweite Bekanntheit, verursachte Baumpflanzungsaktionen und ist Titel eines Benefizalbums bzw. einer LP von Reinhard Mey aus dem Jahr 1989.[1]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

angebliches Zitat Martin Luthers

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der emeritierte Wuppertaler Theologieprofessor und Lutherforscher Martin Schloemann, der ein Buch über dieses Zitat schrieb, kam zu dem Ergebnis, dass es nicht von Martin Luther stammt. Vielmehr entstamme er dem Lutherbild aus dem 19. Jahrhundert, des den Familiengarten pflegenden, frommen Hausvaters. Luther habe sich tatsächlich aber mehr auf den Weltuntergang gefreut, als ihn zu fürchten.

Erstmals nachgewiesen ist der Spruch im Oktober 1944 in einem Rundbrief der Bekennenden Kirche in Hessen, in dem der Hersfelder Pfarrer Karl Lotz das Wort „Apfelbäumchen“ als schon bekannt voraussetzte.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg hätten der Landesbischof Hanns Lilje und der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann das Wort weiter verbreitet. Es wurde Symbolwort für den Wiederaufbau. Nach Schloemanns persönlichen Befragungen schoben sich Lilje und Heinemann den Ursprung des Wortes gegenseitig zu. Auch Otto Grotewohl, bestimmte RAF-Sympathisanten, der schwedische Ministerpräsident Olof Palme, Rita Süssmuth, Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl hätten das Wort „Apfelbäumchen“ vielfach verwendet. Reinhard Mey benannte schließlich ein Musikalbum nach diesem Wort, Gottfried Benn schrieb das Gedicht „Was meinte Luther mit dem Apfelbaum?“ Auf der Brüsseler Weltausstellung stand der Spruch als Motto mehrsprachig auf dem deutschen Pavillon.

1951 wurden in Anlehnung an den Spruch in Bad Salzuflen Bäume gepflanzt. Zur 500-Jahr-Feier entstand in Wittenberg der Luthergarten, wo u. a. der schwedische König und die dänische Königin Bäume pflanzten.

Hoimar von Ditfurth schrieb im Jahr 1985 das Spiegel-Bestseller-Sachbuch So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Schloemann: Luthers Apfelbäumchen?: Ein Kapitel deutscher Mentalitätsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, 2016. (Online)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhard Mey, Bernd Schroeder: Was ich noch zu sagen hätte. Bastei Lübbe (Bastei Verlag), 2007, ISBN 978-3-404-61610-7, S. 178, 302 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2021]).
  2. Hoimar von Ditfurth: So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen: es ist soweit. Rasch und Röhring, 1985, ISBN 978-3-89136-033-0 (google.de [abgerufen am 22. Mai 2021]).