Münster Unserer Lieben Frau (Lindau)

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Stiftskirche Unserer Lieben Frau
Altstadt mit Münster und St. Stephan

Das Münster Unserer Lieben Frau, auch St. Marien oder bis 2002 Stiftskirche genannt, ist die katholische Stadtpfarrkirche[1] von Lindau am Bodensee. Sie steht am Marktplatz, im östlichen Bereich der Insel Lindau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge des Münsters reichen bis ins Jahr 810 zurück. 1000 Jahre lang war es die Kirche des Kanonissenstifts Lindau.

Nach dem Stadtbrand von 1728 wurde in den Jahren 1748 bis 1752 die heutige Kirche errichtet. Architekt ist der Barockbaumeister Johann Caspar Bagnato, der auch das Schloss und die Kirche auf der Insel Mainau und das Neue Schloss in Meersburg entwarf. Die verwitwete Fürstäbtissin Therese Wilhelmine von Pollheim-Winkelhausen († 1757) stiftete für diesen Zweck ihr gesamtes Vermögen.[2] Ihr Wappen befindet sich an zentraler Stelle über dem Chorbogen.

1922 stürzten das Dach und die Decke des Kirchenschiffs infolge eines Großbrandes, bei dem unter Anderem auch die Orgel einen Totalschaden erlitt, ein.

1987 fiel die Unterseite der Langhausdecke großflächig vom Holztragwerk ab und beschädigte Gestühl, Orgel sowie weitere Ausstattungsgegenstände der Kirche schwer.

2002 erhob der damalige Bischof von Augsburg, Viktor Josef Dammertz, die Stiftskirche zum Münster.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftskirche ist ein äußerlich geradliniger Saalbau mit kurzem Querhaus, rechteckigem Chor und einem im Grundriss quadratischen Turm, dem ein Obergeschoss mit abgeschrägten Ecken und einer schlichten Haube aufgesetzt ist. Im Inneren bewirken an den Seitenwänden hohe zweigeschossige Bogenöffnungen mit Durchgangsverbindungen zwischen den Doppelsäulen den Eindruck der Dreischiffigkeit. Das Langhaus ist flach gedeckt, die Decke des Chors ist ein flaches Rundgewölbe. Das Mittelschiff ist von drei Seiten von Emporen umgeben.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist reich mit weißen Stuckaturen, farbigen Fresken und bewegten Schnitzereien im Stil des Rokoko geschmückt. Das Deckengemälde des Langhauses zeigt Mariä Aufnahme in den Himmel, das Altarbild des Hochaltars die Anbetung der Könige.

Saalbau und Altar des Münsters Unserer Lieben Frau
Decke und große Orgel

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Münsterkirche verfügt über zwei Orgeln: die große Orgel auf der Westempore aus dem Jahr 1926 und die Marien-Orgel aus dem Jahr 1993, die sich auf der nördlichen Seitengalerie befindet. Sie sind unterschiedlich gestimmt und nicht zusammen spielbar.

Stifts- / Münsterorganist ist seit 1986 Nikolaus Schwärzler, der auch die Chöre des Münsters leitet.[4]

Der Bayerische Rundfunk zeichnte im Rahmen des "BR-Orgelsommers" bereits mehrere Male Konzerte (unter Anderem mit Ludger Lohmann und dem Londoner Westminster-Organisten Martin Baker) im Münster auf und sendete diese.

Große Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siel geht auf ein zweimanualiges Instrument, das 1898 von der Orgelbaufirma Steinmeyer (Oettingen) im vorhandenen, 1898 verbreitertem Rokokoprospekt von 1755, mit pneumatischen Kegelladen und insgesamt 30 Registern erbaut worden war, zurück.[5]

Obwohl dieses Instrument bei dem großen Kirchbrand von 1922 weitgehend zerstört wurde, konnten 18 Register in das neue Instrument, das von 1924 bis 1926 von der Orgelbaufirma G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen) mit 60 Registern erbaut wurde, eingefügt werden. Der beschädigte Prospekt wurde dabei restauriert und nochmals verbreitert. Weiterhin befinden sich seither auch Pfeifen in Verlängerung der Seitenemporen, so daß das Orgelwerk sich nun über die gesamte Innenbreite der Kirche erstreckt. Die neue Steinmeyer-Orgel wurde im Jahre 1928 durch die Erbauerfirma um ein schwellbares Fernwerk mit 8 Registern und einem Röhrenglockenspiel erweitert. Das Fernwerk wird vom I. Manual (Hauptwerk) aus elektrisch angespielt. Es befindet sich hinter dem Hochaltar, die Schallaustrittsöffnung befindet sich zwischen den beiden Bildern des Hochaltars.

In den 1950er Jahren erfolgte eine Umdisponierung dreier Register im Schwellwerk.

Als die Unterseite der Decke des Mittelschiffs 1987 herabstürzte, erlitt die große Orgel dermaßene Schäden, daß auch überlegt wurde, sie durch ein modernes, für Musik verschiedener Stilepochen geeignetes Werk mit ca. 40 Registern, in das noch brauchbare Register der beschädigten Orgel mit eingebaut werden sollten, zu ersetzen. Man entschied sich für eine Instandsetzung, sowie zum Neubau einer zusätzlichen, für Barockmusik gut geeigneten, kleineren Orgel, der Marienorgel. Fa. Link schloß die Instandsetzung der großen Orgel, in deren Zuge auch die Änderung aus den 1950er Jahren rückgängig gemacht wurde, 1993 ab.[6]

I Hauptwerk C–a3
1. Grossflöte 16′ S
2. Principal 8′ L
3. Gedeckt 8′ S
4. Flute harm. 8′
5. Viola di Gamba 8′
6. Dolce 8′ S
7. Octav 4′ S
8. Flöte 4′ S
9. Rauschquinte 223
10. Mixtur IV 2′
11. Cornett III-V 8′
12. Trompete 8′
13. Clairon 4′
II Schwellwerk C–a3
14. Rohrgedeckt 16′
15. Flötenprincipal 8′ L
16. Rohrgedeckt (Nr. 14) 8′
17. Traversflöte 8′
18. Viola 8′
19. Äoline 8′ S
20. Unda maris 8′
21. Geigenprincipal 4′ S
22. Wienerflöte 4′
23. Äoline (Nr. 19) 4′
24. Nasard 223 S
25. Flautino 2′
26. Terzflöte 135 S
27. Echomixtur III 223
28. Klarinette 8′ L
29. Sanfthorn 8′ L
Tremulant
III Schwellwerk C–a3
30. Bourdon 16′ S
31. Hornprincipal 8′
32. Gedeckt (Nr. 30) 8′
33. Hohlflöte 8′
34. Quintatön 8′
35. Fugara 8′
36. Salicional 8′
37. Vox coelestis 8′ S
38. Prestant 4′ S
39. Rohrflöte 4′ S
40. Salizet (Nr. 36) 4′
41. Waldflöte 2′
42. Grossmixtur V 223
43. Cimbel III 1′
44. Bombarde 16′
45. Schalmei 8′
46. Oboe 8′
47. Vox humana 8′
48. Trompette harm. 4′
Tremulant
Tremulant (Nr. 47)
Fernwerk C–a3
49. Liebl. Gedeckt 16′ St
50. Alphorn 8′ St
51. Liebl. Gedeckt 8′ St
52. Spitzflöte 4′ St
53. Äolsharfe II 4′ St
54. Larigot II 2′ St
55. Horn 8′ St
56. Vox humana 8′ St
57. Glocken E-g1 St
Tremulant St

Pedal C–f1
58. Principalbass 16′
59. Subbass 16′ S
60. Zartbass (= Nr. 30) 16′
61. Violon 16′ S
62. Quintbass 1023 S
63. Oktavbass 8′ L
64. Flötbass 8′ S
65. Violoncello 8′
66. Bassflöte 4′ S
67. Contratuba 32′
68. Posaune 16′
69. Trompete 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P, Fernwerk/I
    • Suboktavkoppeln: III/III, II/II, II/I, III/I, Fernwerk/I
    • Superoktavkoppeln: III/III, II/II, II/I, III/I, III/P, Fernwerk/I
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, feste Kombinationen (u. a. Tutti), mehrere Absteller, Walze
  • Anmerkungen
S = Steinmeyer, Register aus dem Jahr 1898
St = Steinmeyer, Register aus dem Jahr 1928
L = Link, Register aus dem Jahr 1993
Register ohne Bezeichnung solche aus der Orgel von 1924 bis 1926

Marienorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienorgel stammt aus dem Jahr 1993 und wurde von Josef Maier (Hergensweiler) erbaut. Das Instrument hat 29 Register und eine Transmission, Schleifladen und mechanische Spiel- und Registertrakturen [7]. Einige Register stehen auf einer separaten Windlade frei hinter dem Gehäuse.

I Hauptwerk C–f3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Spitzgambe 8′
5. Octave 4′
6. Spitzflöte 4′
7. Quinte 223
8. Superoctave 2′
9. Mixtur IV 113
10. Cornett V (ab g0) 8′
11. Trompete 8′
Tremulant
II Brustwerk C–f3
12. Gedeckt B/D 8′
13. Quintade 8′
14. Salicional (ab c1) 8′
15. Principal 4′
16. Rohrflöte 4′
17. Nasard 223
18. Octave 2′
19. Gemshorn 2′
20. Terz 135
21. Quint 113
22. Scharff III 1′
23. Vox humana 8′
Pedal C–a3
24. Subbass 16′
25. Octavbass (= Nr. 2) 8′
26. Gedecktbass 8′
27. Choralbass 4′
28. Posaune (Holz, volle Länge) 16′
29. Trompete 8′
30. Trompete 4′

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bistum Augsburg
  2. Das Kanonissenstift Lindau im Haus der Bayerischen Geschichte
  3. Bischöfliche Urkunde an einer Säule im Münster
  4. Mitarbeiter. Abgerufen am 11. August 2018 (deutsch).
  5. Website der Münstermusik zur Orgelgeschichte.
  6. Orgel- / Kirchenführungen mit Münsterorganist Nikolaus Schwärzler
  7. Disposition auf der Website der Erbauerfirma.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münster Unserer Lieben Frau (Lindau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 32′ 49,3″ N, 9° 41′ 16,5″ O