Sonderziehungsrecht

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Sonderziehungsrecht
Staat: IWF
Unterteilung:
ISO-4217-Code: XDR
Abkürzung: SZR, SDR
Wechselkurs:
(28. Juli 2015)

1 EUR = 0,80274 XDR
1 XDR = 1,2457 EUR
1 CHF = 0,75311 XDR
1 XDR = 1,3278 CHF

Das Sonderziehungsrecht (SZR; englisch Special Drawing Right, SDR) ist eine künstliche, 1969 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) eingeführte Währung, die international als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Sie wird nicht an Devisenmärkten gehandelt, sondern auf IWF-Konten wie ein Buchkredit geführt. Auch der Wechselkurs wird vom IWF festgesetzt. SZR hat den ISO-4217-Code XDR.

Geschichte[Bearbeiten]

Historisch gesehen war Gold das traditionelle Reservemedium, das den Vorzug eines in allen Staaten akzeptierten Zahlungsmittels hatte. Das Wachstum der weltweit vorhandenen Goldmenge hielt im Lauf der Zeit aber nicht mit dem Wachstum der internationalen Liquiditätsmenge Schritt. Deswegen wurden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem der US-Dollar und auch das britische Pfund Sterling zu Reservewährungen. Reservewährungen sind dadurch gekennzeichnet, dass andere Länder sie an Stelle ihrer eigenen Währung verwenden können. Der US-Dollar schien damals durch die riesigen amerikanischen Goldvorräte gedeckt und eine wertstabile Währung zu sein, zumal die USA versprachen, ausländische Dollarbestände offizieller Stellen jederzeit in Gold zu tauschen. Die internationale Liqiditätsmenge wurde dementsprechend durch das Ausweiten von Buchgeld in amerikanischer und britischer Währung vermehrt. In Minen nach Gold zu schürfen war zwar weiterhin eine Möglichkeit, schien aber zunächst nicht zwingend erforderlich. Das hatte für die USA und für Großbritannien den zusätzlichen Vorzug, dass sie ihre Zahlungsbilanzdefizite mit dem Neuschöpfen ihrer eigenen Währung ausgleichen konnten. Ihre Zentralbanken brauchten nur Geld zu drucken und es in Umlauf zu bringen. Als Ende der 1950er Jahre die Gefahr bestand, dass die ausländischen Dollarguthaben die amerikanischen Goldreserven übersteigen würden, mussten kontinentaleuropäische Staaten dem Dollar Hilfestellung leisten. 1963 wurde schließlich eine fundamentale Reform des internationalen Währungssystems in Angriff genommen. Mit den „Sonderziehungsrechten“ wurde ein neues „Weltgeld“ geschaffen, das bargeldlos auf Sonderkonten des IWF geführt wird. Während vorher die Vergrößerung der internationalen Liquiditätsmenge mit Hilfe nationaler Geldschöpfung durch USA und Großbritannien praktiziert worden war, stand nun mit den Sonderziehungsrechten des IWF eine neue weltweite Währung zur Verfügung, die von einer international kontrollierten Institution, dem IWF, geschöpft wurde.

Auf diese Weise wurde mit der Einführung der SZR die Möglichkeit geschaffen, zusätzliche Liquidität für das internationale Finanzsystem bereitzustellen. Der Gouverneursrat des IWF beschloss das neue Reservemedium am 3. Oktober 1969.[1]

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

„Ziehen“ (englisch drawing) bezeichnet in der Terminologie des IWF das Anfordern von Fremdwährung im Austausch gegen die eigene Währung. Ein Staat, der für die Bezahlung seiner Importe US-Dollar benötigt, kann vom IWF US-Dollar erhalten („ziehen“) und sie mit SZR bezahlen.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Der Wechselkurs der Sonderziehungsrechte richtet sich nach einem Währungskorb, in dem die vier international wichtigsten Währungen (amerikanischer Dollar, japanischer Yen, Euro, britisches Pfund) gewichtet vertreten sind.

Wenn der Gouverneursrat des IWF feststellt, dass ein weltweiter Bedarf an zusätzlicher Liquidität besteht, werden den Teilnehmerländer der SZR neue SZR zugeteilt. Jedes Land hat mit seinen zugeteilten SZR ein Guthaben gegenüber dem IWF. Das Vertrauen in die Werthaltigkeit der „Retortenwährung“ SZR wird dadurch gesichert, dass jeder Teilnehmer an der SZR-Vereinbarung sich verpflichtete, bis zum Zweifachen des ihm zugeteilten Betrages SZR zu akzeptieren und dafür eigene Währung verfügbar zu machen. Auf diese Weise sind die SZR zwar nicht mit Gold hinterlegt, aber mit den Währungen mehrerer Staaten.

Guthaben in SZR sind ein Teil der Währungsreserven eines Landes. Jedes Land hat das Recht, mit SZR innerhalb bestimmter Grenzen andere Währungen zu kaufen. Deswegen können SZR auch als Devisenhilfe für einzelne in Schwierigkeiten geratene Länder verwendet werden.

Weitere Verwendung[Bearbeiten]

Außer als Währungsreserve finden Sonderziehungsrechte als Recheneinheit auch Verwendung bei:

Zusammensetzung des Währungskorbs[Bearbeiten]

Als Maßstab für die Höhe des Betrages und damit des Gewichts der einzelnen Währung dienen der Anteil des betreffenden Staates bzw. Währungsraumes am Weltexport und die in dieser Währung gehaltenen Reserven der IWF-Mitglieder. Alle fünf Jahre werden die relevanten Währungen und ihre Gewichtung vom IWF-Vorstand neu festgelegt und daraus am Stichtag die neue Zusammensetzung des Korbes bei gleichem Wert errechnet. Vor der Einführung des Euro waren Deutsche Mark und Französischer Franc Teil des Korbs.

Die folgende Tabelle gibt für jede Währung im Währungskorb das ihr zu Beginn einer Fünfjahresperiode zugeordnete Gewicht („initial new weight“) an. Eine Aufwertung relativ zu den übrigen Währungen im Korb während der Fünfjahresperiode lässt das Gewicht einer Währung steigen, eine Abwertung lässt es fallen. Andererseits verändert sich das Gewicht durch veränderte Anteile der Währung an Welthandel und Währungsreserven[6].

  USD DEM FRF JPY GBP
1981–1985 42 % 19 % 13 % 13 % 13 %
1986–1990 42 % 19 % 12 % 15 % 12 %
1991–1995 40 % 21 % 11 % 17 % 11 %
1996–2000 39 % 21 % 11 % 18 % 11 %
EUR
2001–2005 45 % 29 % 15 % 11 %
2006–2010 44 % 34 % 11 % 11 %
2011–2015 41,9 % 37,4 % 9,4 % 11,3 %

Seit Januar 2011 enthält ein SZR den Wert aus der Summe von 0,66 US-Dollar, 0,423 Euro, 0,111 Pfund Sterling und 12,1 Yen.[6]

Tagesaktueller Wert[Bearbeiten]

Der tagesaktuelle Wert des SZR wird vom IWF ermittelt und veröffentlicht,[7][8] basierend auf den Umtauschraten der Währungen, aus denen sich das SZR bildet. Es gilt die Kursnotierung der Londoner Börse um 12 Uhr. Falls die Börse in London geschlossen ist, gilt die Notierung in New York, und sollte diese ebenfalls geschlossen sein, gilt der Referenzkurs der Europäischen Zentralbank.

Praktische Bedeutung als Reservewährung[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Deutschland hält 68 % seiner Devisenreserven in Gold, 20 % in Fremdwährungen und 9 %, entsprechend 15 Milliarden Euro, in Sonderziehungsrechten (Stand Mai 2015).[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Stock: Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion, Seite 62. ISBN 3-428-02728-0, abgerufen am 2. Oktober 2009.
  2. ICAO: Convention of Comparison for damage caused by aircraft to third parties (PDF), Chapter II, Article 4 – Limit of the operator’s liability; abgerufen am 11. November 2009.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIMO: Convention on Limitation of Liability for Maritime Claims (LLMC), 1976. Abgerufen am 9. November 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIMO: International Convention on Civil Liability for Oil Pollution Damage (CLC), 1969. Abgerufen am 9. November 2009.
  5. Suez Canal Authority: Rules of Navigation, Part IV, Chapter XIV, Art. 106 Determination of Payment of Suez Canal, Dues; abgerufen am 11. November 2009.
  6. a b IWF: Zusammensetzung des SZR (englisch).
  7. IWF: Aktueller Gegenwert eines Sonderziehungsrechts (in USD) (englisch).
  8. IWF: Aktueller Gegenwert eines Sonderziehungsrechts (in weiteren Währungen) (englisch).
  9. Bundesbank: Deutsche Bundesbank: Währungsreserven und Fremdwährungsliquidität der Bundesrepublik Deutschland. Währungsreserven und sonstige Fremdwährungsaktiva, online, 28. Mai 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Sonderziehungsrecht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen