MRGN

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MRGN ist eine in der Medizin verwendete Abkürzung für multiresistente gramnegative Bakterien.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem in den letzten Jahrzehnten vor allem multiresistente grampositive Bakterien (Stichworte MRSA oder VRE) als Auslöser von nosokomialen Infektionen („Krankenhausinfektionen“) im Fokus der Mediziner standen, trifft dies seit Ende des 20. Jahrhunderts auch auf einige gramnegative Bakterien zu. Allerdings wird die Multiresistenz bei ihnen durch viele verschiedene Resistenzgene bzw. Enzyme verursacht (z. B. Stichworte wie ESBL oder NMD), so dass eine neue Definition zweckdienlich ist, bei der nicht die Resistenzmechanismen im Vordergrund stehen, sondern gegen welche klinisch bedeutsamen Antibiotikagruppen die Bakterien resistent sind.[1]

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Definition der multiresistenten gramnegativen Stäbchen-Bakterien (MRGN) erfolgte durch die beim Robert Koch-Institut (RKI) eingerichtete Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) und wurde 2012 veröffentlicht. Dabei wurden vier Antibiotikagruppen definiert, die bei einer schweren Infektion mit gramnegativen Bakterien (sowohl Mitglieder der Enterobakterien wie auch sogenannte Nonfermenter) klinisch eingesetzt werden.[1]

Der Abkürzung MRGN wird in der Regel eine Zahl von eins bis vier vorangestellt, die die Anzahl der Antibiotikaklassen – Acylureidopenicilline, Cephalosporine der 3. und/oder 4. Generation, Carbapeneme oder Fluorchinolone (Gyrasehemmer) – bezeichnet, gegen die das jeweilige Bakterium resistent ist. Da Resistenzen gegen eine oder zwei Antibiotikaklassen zwar sehr häufig, aber unkritisch sind, sieht man diese Abkürzungen selten, diese Bakterien gelten auch nicht als multiresistent. Im klinischen Alltag bereiten 3MRGN bzw. 4MRGN vor allem bei der Behandlung nosokomialer Infektionen wie Lungenentzündungen und Harnwegsinfekten Probleme.[1]

Das Robert Koch-Institut (FG14) hat 2013 eine Musterpräsentation zur Definition der Multiresistenz bei gramnegativen Bakterien erstellt, aus der folgende Tabelle stammt:[2]

Antibiotikagruppe Leitsubstanz Entero-
bakterien
Entero-
bakterien
Pseudomonas
aeruginosa
Pseudomonas
aeruginosa
Acinetobacter
baumannii
Acinetobacter
baumannii
    3MRGN 4MRGN 3MRGN 4MRGN 3MRGN 4MRGN
Acylureido­penicilline Piperacillin R R x R R R
3./4. Generations-Cephalosporine Cefotaxim und/oder Ceftazidim R R x R R R
Carbapeneme Imipenem und/oder Meropenem S R x R S R
Fluorchinolone Ciprofloxacin R R x R R R

R = resistent; S = sensibel; x (Spalte Pseudomonas aeruginosa) = Nur eine der 4 Antibiotikagruppen wirksam (sensibel)

Beispiele und Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel handelt es sich bei den so klassifizierten Krankheitserregern um nicht-fermentierende Stäbchenbakterien (z. B. Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter baumannii als Nonfermenter) und Enterobakterien wie Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae, von denen einige Arten im menschlichen Darm, andere in unserer Umwelt natürlicherweise zu finden sind und für gesunde Menschen im Alltag selten Probleme darstellen. Die Resistenz beruht meistens auf der Produktion von β-Lactamasen. Die Einteilung erfolgt in einem mikrobiologischen Labor durch ein Antibiogramm.

In der im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten KRINKO-Empfehlung zu Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit MRGN wird in Tabelle 3 anhand mehrerer Beispiele aufgeführt, unter welchen Bedingungen ein Bakterium als multiresistent im Sinne von 3MRGN bzw. 4MRG eingestuft wird, was in Abhängigkeit von den Antibiotika geschieht, gegen die es resistent ist. Dort aufgeführte Bakterienarten sind beispielsweise:[1]

  • Acinetobacter baumannii (Nonfermenter) als 3MRGN A. baumannii mit Resistenzen (R) gegen Piperacillin, Cefotaxim und Ciprofloxacin, aber sensibel (S) gegenüber Imipenem und Meropenem; als 4MRGN A. baumannii mit Resistenzen (R) gegen Piperacillin, Cefotaxim, Imipenem, Meropenem und Ciprofloxacin, aber sensibel (S) gegenüber Sulbactam. Sulbactam geht nicht in die Multiresistenz-Definition ein.
  • Pseudomonas aeruginosa (Nonfermenter) als 3MRGN P. aeruginosa mit Resistenzen (R) gegen Piperacillin, Imipenem, Meropenem und Ciprofloxacin, aber sensibel (S) gegenüber Ceftazidim und Cefepim; als 4MRGN P. aeruginosa mit Resistenzen (R) gegen Piperacillin, Cefepim, Imipenem und Ciprofloxacin, aber sensibel (S) gegenüber Colistin und intermediär (I) gegenüber Ceftazidim und Meropenem. Intermediäre Ergebnisse werden wie resistente Ergebnisse gewertet. Bei P. aeruginosa ist außerdem Ceftazidim an Stelle von Cefotaxim für die Bewertung relevant (Cefotaxim ist wenig wirksam gegen Pseudomonas).
  • Klebsiella pneumoniae (Enterobakterien) als 3MRGN K. pneumoniae mit Ciprofloxacin (R) und ESBL; als 4MRGN K. pneumoniae mit Piperacillin (R), Cefotaxim (R), Imipenem (R), Meropenem (R) und Ciprofloxacin (R), aber sensibel (S) gegenüber Ceftazidim. Laut der Definition muss Cefotaxim und/oder Ceftazidim R bzw. I sein, bei Enterobakterien wird empfohlen, sie als 3MRGN zu werten, auch wenn eines der beiden Cephalosporine Ceftazidim oder Cefotaxim als sensibel getestet wird.
  • Enterobacter cloacae (oder eine andere Enterobakterien-Art mit chromosomaler AmpC, wie Enterobacter aergogenes (die aktuelle Bezeichnung ist Klebsiella aergogenes), Citrobacter freundii) als 3MRGN E. cloacae mit Piperacillin (R), Cefotaxim (R), Ceftazidim (R) und Ciprofloxacin (R), aber Imipenem (S) und Meropenem (S). Die Resistenz gegen die beiden Cepaholsporine kann durch eine Überexpression der in dem Bakterienchromosom codierten AmpC-Beta-Lactamase verursacht sein, das wäre ein Beispiel für eine natürliche Resistenz. Die Resistenz kann auch durch eine plasmidcodierte ESBL begründet sein, ein Beispiel für eine erworbene Resistenz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI): Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. Band 55, 2012, S. 1311–1354, ISSN 1437-1588. doi:10.1007/s00103-012-1549-5.
  2. PD Dr. Nils-Olaf Hübner, in Abstimmung und unter Verwendung von Folien von Prof. Dr. Constanze Wendt (AG MRGN der KRINKO), Dr. Martin Kaase (NRZ für Gramnegative Erreger): Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen bakteriellen Erregern. In: Musterpräsentation: Management von MRGN, Robert Koch-Institut. 2013, S. 9 (Online + PDF, 4,2 MB [abgerufen am 14. Februar 2018] Diese Präsentation wurde vom RKI (FG14) erstellt. Sie darf frei vervielfältigt und verwendet werden, vorausgesetzt, es werden keine Änderungen vorgenommen und es wird auf die Urheber verwiesen.).
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