MZ ETZ

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MZ ETZ 250 mit Trabant-Streuscheibe und TS-Schutzblech
Tachometer und Drehzahlmesser einer ETZ
Komplett renovierte MZ ETZ 125 Saxon Sportstar 1994

Die MZ ETZ (Einheitstyp Zschopau[1] oder Einzylinder Telegabel Zentralkastenrahmen) ist ein Motorrad-Typ, der in der DDR von MZ hergestellt wurde.

Die MZ ETZ war das am meisten verbreitete Modell von MZ. Dabei handelt es sich allerdings um zwei prinzipiell unterschiedliche Modelle; die kleine Baureihe mit 125- oder 150-cm³-Motor, und um die große Baureihe mit 250- oder 300-cm³-Motor. Beide Modelle unterschieden sich u. a. im Fahrwerksaufbau und wurden zeitweise gleichzeitig gebaut. Charakteristisch für die ETZ war erstmals die Verwendung von Getrenntschmierung (Export), ansonsten nach wie vor Gemischschmierung, Scheibenbremsen (anfangs ein Lizenznachbau von Brembo) und 12-Volt-Elektrik. Wie alle Zweitakt-MZ zeichnete sie sich durch sehr elastische Motoren, ein sehr gutes Fahrwerk und hohe Wirtschaftlichkeit aus, weshalb sie schon vor 1990 eine auch außerhalb der DDR (z. B. in Großbritannien) große Beliebtheit erlangte. Wie bei den meisten großen MZ-Motorrädern war es möglich, dass es bereits ab Werk mit einem Beiwagen geliefert werden konnte. Dieser Seitenwagen war mit wenig Aufwand auch für technisch Ungeübte abnehmbar, sodass das Fahrzeug als Motorradgespann oder als Solomaschine zu fahren war. Dies setzte allerdings einen Gespannrahmen voraus, ein reiner Solorahmen konnte nicht nachträglich für den Gespannbetrieb umgerüstet werden. Es gibt allerdings Umrüstsätze, um auch an einer Solomaschine einen Beiwagen zu montieren, dieser muss aber in den Papieren eingetragen werden.

Die Beliebtheit dieses Motorrades war auch 2007 noch ungebremst. Im Sommer 2007 gewann es die Abstimmung des NDR zum „beliebtesten Motorrad Norddeutschlands“ mit großem Abstand vor der Konkurrenz, zu denen solche Motorradlegenden wie die Münch Mammut, Horex Regina, Honda Gold Wing und Harley-Davidson Fatboy gehörten.[2]

Nach dem Konkurs von MZ 1991 erwarb die türkische Firma Kanuni Kombassan die Lizenzen zum Bau der ETZ 251/301, produzierte diese, zum Teil mit Veränderungen, von 1994 bis 1997 in der Türkei weiter und exportierte diese, unter anderem auch nach Deutschland.

ETZ 125 ETZ 150 ETZ 250 ETZ 251 ETZ 301
Hubraum 123 cm³ 143 cm³ 243 cm³ 243 cm³ 291 cm³
Leistung 10,2 PS 12,2–14,3 PS 17 oder 21 PS 17 oder 21 PS 23 PS
Leergewicht 118–122 kg 118–122 kg 145–152 kg 141–145 kg 145 kg
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h 105–110 km/h 130 km/h 130 km/h 135 km/h

Die kleine Baureihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MZ ETZ 125

1985, also vier Jahre nach Start der großen Baureihe, erschien die ETZ 150 als Nachfolger der TS 150, mit der sie nur noch sehr wenig gemein hatte. Der Motor wurde deutlich weiterentwickelt, es fand ein gänzlich neu entwickelter Rahmen Verwendung und natürlich die nun von der großen Baureihe bekannte 12-Volt-Elektrik. Zur „kleinen“ Baureihe gehörte ebenfalls die ETZ 125. Diese besitzt den Zylinder der leistungsgesteigerten Version der ETZ 150 (14,3 PS) mit entsprechend verkleinerter Bohrung. Bei dieser Version wird durch die geänderte Gestaltung der Gasführung eine Leistung vergleichbar mit der „Standard“-ETZ 150 (12,2 PS) erreicht. Auch die ETZ 150/125 gab es wahlweise mit Trommel- oder Scheibenbremse vorne.

Die große Baureihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ETZ 251e vom Serienanlauf (1988), Seitengepäckträger mit Pneumant-Seitenkoffern, MZ-Frontverkleidung

Die ETZ 250 kam im Frühling 1981 als Nachfolger der TS 250/1 heraus. Im Gegensatz zur TS war sie – je nach Ausführung – wahlweise mit Scheibenbremse ausgerüstet. Eine 12-Volt-Anlage war jetzt serienmäßig, wahlweise mit H4-Frontscheinwerfer. Die ersten DDR-Kunden hatten noch das Glück, eine wartungsarme und relativ kleine westdeutsche Batterie der Firma Sonnenschein zu bekommen. Später gab es eine größere und recht pflegebedürftige Batterie vom VEB Grubenlampenwerke Zwickau. Das anfangs sehr lange, nahezu waagerechte Auspuffrohr wirkte behäbig, weshalb es später in leicht nach oben gewinkelter Ausführung, womit das Motorrad ein schnittigeres Aussehen erhielt, gebaut wurde. Darüber hinaus existierte bereits ab 1983 eine sehr kleine ETZ-Szene, die ihre Maschinen ohne offizielle Teile privat aufgerüstet hat. Zu diesen Teilen zählten unter anderem ein bis zwei Nebelscheinwerfer, eine Cockpit-Haube aus Plastwerkstoffen oder ein DIN-Radio im Cockpit, komplettiert mit Antenne und Stereo-Boxen aus dem regulären Handel. Gelegentlich wurde das Radio über ein Spiralkabel ("Diodenkabel") mit einem speziell vorbereiteten Integralhelm verbunden, so dass man während der Fahrt Kassette oder Radio hören konnte. Außerdem haben Bastler über den grauen Markt (Tageszeitung) schon zu dieser Zeit elektronische Wegfahrsperren als Nachrüstsatz angeboten. Recht beliebt war zudem der Einbau von Zigarettenanzündern (bei Skoda in der CSSR zu haben) in den linken Seitendeckel. Für den Export wurde die ETZ 250 mit Frischölschmierung (Dosierpumpe) ausgerüstet. Der Motor (21 PS) wurde in vielerlei Hinsicht im Vergleich zum Vorgänger überarbeitet. Dabei wich die Form des Motorblockes sowie der Seitendeckel erstmals grundlegend vom Vorgänger ab und war nun kantiger und glattflächiger gestaltet. Der Zylinder war äußerlich größer und der Auspuffschlitz lief jetzt geradlinig/mittig aus. Durch die Veränderung der Zylinderhöhe fand auch ein anderer Kolben Verwendung. Im Inneren des Zylinders fiel die 4-Kanal-Spülung (erstmals bei Serienmaschinen von MZ) als markantestes Merkmal auf. Auch die Form des Einlasskanals wurde verändert (trapezförmig → oval, mit ausgeprägter Stütznase). Die Motorcharakteristik ist deutlich „spitzer“ als bei den Vorgängertypen ausgelegt.

Weitere Änderungen waren ein geschweißter Kastenprofilrahmen sowie die 18-Zoll-Bereifung vorn und hinten, die hier das einzige Mal in der Geschichte der großen MZ-Typen auftrat.

Motorrad ETZ 301 von links, Lizenzbau 1995 von Kuralkan Corporation KANUNI MOTORLU ARACLAR A.S. aus Istanbul (Türkei)

Ab Januar 1989 wurde die ETZ 251 mit einigen Veränderungen im Vergleich zur ETZ 250 präsentiert. Ein neuer Tank und Seitendeckel ähnlich der kleineren ETZ-125/150-Baureihe, verkürzter Kastenprofilrahmen sowie vorn ein 18-Zoll- und hinten ein 16-Zoll-Rad waren die wesentlichsten Unterschiede zum Vorgängermodell. Im Oktober 1990 startete die Produktion der MZ 301 mit auf 291 cm³ vergrößertem Hubraum[3][4] 1990 angekündigte Offroad-Modelle (OR)[5] scheinen nicht in die Serie übergeführt worden zu sein.

An einem weiteren Nachfolger, der ETZ 252, mit einem etwas leistungsgesteigerten und wassergekühlten Motor mit Membran-Einlass wurde noch zuletzt gearbeitet. Es wurden einige Prototypen produziert, jedoch nie in Serie.

Die neuen Viertakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1990 wurde es nötig, den wegbrechenden Ostmarkt durch Kunden im Westen zu ersetzen, was dazu führte, dass man die Modellreihe der ETZ durch einen Viertaktmotor aufwertete. Man entschied sich bei MZ für den 500-cm³-Motor der Firma Rotax und entwickelte auf Basis der großen ETZ aufgewertete Modelle, die bis 1998 gebaut wurden, darunter die optisch noch fast identische 500R, die Saxon-Reihe und die Silver Star bzw. Red Star. Gleichzeitig wurde aber noch bis 1995 auch der bewährte Zweitaktmotor in den Modellen Tour und Fun verbaut.

Die kleine ETZ hingegen wurde optisch aufgewertet noch bis 1998 als Saxon Roadstar und Saxon Sportstar mit dem auf 10 PS gedrosselten 125-cm³-Zweitaktmotor weiterproduziert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: MZ ETZ series – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Seiten von ostmotorrad.de mit Betriebsanleitungen, Ersatzteillisten, Bildern Schaltplänen und weiteren Infos

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift „Test und Technik“ Oktober 1986 Seite 14ː „MZ ETZ 150ː Test - Nichts für Einheiz-Typen“
  2. Wahl zum „Beliebtesten Motorrad Norddeutschlands“ des NDR (Memento vom 4. September 2007 im Internet Archive)
  3. KFT Kraftfahrzeugtechnik Heft 10/1990, S. 19
  4. KFT Kraftfahrzeugtechnik Heft 9/1990, S. 16
  5. KFT Kraftfahrzeugtechnik Heft 6/1990, S. 166/167