MZ BK 350

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IFA/MZ
ZweiRadMuseumNSU IFA BK350.JPG
IFA BK 350 (Baujahr 1956)
im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum
BK 350
Hersteller VEB Motorradwerk Zschopau (MZ)
Verkaufsbezeichnung BK 350
Produktionszeitraum 1952 bis 1959
Klasse Motorrad
Motordaten

Die MZ BK 350 (BK = Boxer-Kardan)[1] ist ein Motorradmodell des VEB Motorradwerk Zschopau, das von 1952 bis 1959 produziert wurde; bis 1956 unter der Bezeichnung „IFA BK 350“.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon ab 1946 konnten Funktionsmuster der späteren BK 350 bei Bark auf Basis von DKW-Baumustern entwickelt und erprobt werden. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1951 wurde die BK 350 als DKW-Zweizylindermaschine vorgestellt.[2] Der Serienstart verzögerte sich jedoch bis Ende 1952.

Die BK 350 war die erste(a) Neukonstruktion des ehemaligen DKW-Werkes nach dem Kriegsende und wurde wegen ihrer besonderen Konstruktion (Boxermotor und Kardanantrieb) international mit großem Interesse erwartet. Zu Beginn der Serienproduktion lief sie noch unter dem Namen des nun staatlichen DDR-Fahrzeugbauverbandes IFA vom Band.

Aufbauend auf den positiven Erfahrungen der ES-Baureihe, wurde 1958 noch die Entwicklung eines Vollschwingenfahrwerks mit der Bezeichnung BK 351 abgeschlossen und in wenigen Funktionsmustern gebaut. Da gleichzeitig entschieden wurde, die Stückzahlen der in der Fertigung im Vergleich weniger aufwendig zu produzierenden ES-Modelle deutlich zu steigern, lief die Produktion der BK 350 1959 aus.[3] Insgesamt wurden 41.163 BK 350 gebaut, davon 6.036 für den Exportmarkt.[4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IFA BK 350 mit Stoye-Seitenwagen auf der Leipziger Herbstmesse 1952

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rahmen ist ein, an den Verbindungsstellen geschweißter, Doppelschleifenrohrrahmen mit Anschlusspunkten für einen Seitenwagen (der sowohl rechts als auch links angeschlossen werden kann). Am Steuerkopf ist er beidseitig mittels dreieckigen Blechen verstärkt. Die Hinterradaufnahme ist eine Geradewegfederung mit 50 mm Federweg. Die Vorderradaufhängung ist eine Teleskopgabel mit 148 mm Federweg, der integrierte Lenkungsdämpfer kann mittels Sterngriffschraube auf dem oberen Klemmkopf eingestellt werden. Die BK 350 hat vorn und hinten Steckachsen, die beiden Innenbackenbremsen haben 200 mm Durchmesser.[5]

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BK 350 wird von einem Zweizylinder-Zweitakt-Boxermotor mit insgesamt 343,5 cm³ Hubraum angetrieben. Nach Angaben des Hersteller MZ wählte man die Aufteilung des Hubraums auf zwei Zylinder aufgrund der hohen Spülverluste bei Hubvolumen größer 250 cm³ mit Dreikanalspülung. Aufgrund der seinerzeit schwierigen Verfügbarkeit von Antriebsketten wählte man einen Kardanantrieb zur Kraftübertragung auf das Hinterrad. Aus diesen Gründen konstruierte man einen Boxermotor mit längs liegender Kurbelwelle. Das klauengeschaltete Viergang-Getriebe ist in einem hinten an das Motorgehäuse angeflanschten Gehäuse untergebracht. Auf der nach hinten herausragenden Antriebswelle sitzt ein blechgekapseltes Gummigelenk, in dem gleitend verschiebbar (zum Längenausgleich durch die Federung) die Kardanwelle gelagert ist. Die am Hinterradantrieb auftretende Winkelbewegung beim Durchfedern wird über ein ebenfalls blechgekapseltes Kreuzgelenk aufgenommen.[5]

Die Motorbauform wurde nur in sehr wenigen Fahrzeugen, darunter beispielsweise der Velocette Valiant, verwendet.

Elektrische Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der BK 350 ist eine 6-V-Gleichstromlichtmaschine mit 60 W Nennleistung eingebaut. Der zugehörige Regler ist mit der Lichtmaschine unter dem vorderen Motorgehäusedeckel untergebracht. Die Batterie ist unter der auf der Kupplungsseite, befindlichen Seitenverkleidung untergebracht. Hier befinden sich auch die elektrischen Sicherungen und das Bordwerkzeug. Der Frontscheinwerfer ist ein Aufbauscheinwerfer mit 160 mm Durchmesser. Bestückt ist er mit einem 6-V-35-W/35-W-Leuchtmittel. Im Gehäuse des Frontscheinwerfers sind der Tachometer sowie das Zündschloss integriert.[5]

Seitenwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die BK 350 ist für einen Betrieb mit Seitenwagen ausgelegt, der an drei Punkten des BK-Rahmens angeschlossen wird. Den ab Werk angebotenen Seitenwagen fertigte Stoye-Fahrzeugbau-Leipzig.[3]

Technische Daten[5]
Modell BK 350
Motor Zweizylinder-Zweitakt-Boxermotor
Hubraum 343,4 cm³
Bohrung × Hub 58 × 65 mm
Nennleistung 15 PS (11 kW) bei 5000/min.
ab 1957: 17 PS (13 kW) bei 5100/min.
Getriebe 4-Gang-Getriebe, klauengeschaltet
Schmierung Zweitaktgemisch 1 : 25
Vergaser BVF NB 22-1
Kühlung Luftkühlung (Fahrtwind)
Rahmenbauart Rohrrahmen mit Unterzug
Radaufhängung vorn Teleskopgabel
Radaufhängung hinten Geradewegfederung
Bremsen vorn/hinten Vollnabenbremse
Maße (L × B × H) 2150 × 800 × 1000 mm
Radstand 1400 mm
Sitzhöhe 750 mm
Leergewicht 142 kg
Höchstgeschwindigkeit 115 km/h
Tankinhalt ca. 18 l
Zündung Batteriezündung

Modellpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1957 wurde die bei MZ gleichzeitig produzierte MZ ES 250 mit auf 14,25 PS (10 kW) gesteigerter Leistung verkauft. Da der Unterschied zur BK 350 relativ klein geworden wäre, wurde parallel die Motorleistung der BK auf 17 PS (13 kW) erhöht. Mit der dabei verbesserten Ein- und Auslassdämpfung (Ansaug- bzw. Auspuffseite) wurden die Geräuschemissionen spürbar reduziert.[3]

Geländesporteinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine MZ BK 350 für den Geländesporteinsatz mit profilierter Bereifung und Schutzbügeln für den Frontscheinwerfer sowie die Zylinder

Die BK 350 wurde auch im Geländesport eingesetzt. So startete beispielsweise 1953 eine dreiköpfige Clubmannschaft auf BK 350 bei der 28. Internationalen Sechstagefahrt tschechoslowakischen Gottwaldov.[6] Ausgerüstet waren die Maschinen u. a. mit notwendiger Geländebereifung sowie Schutzbügeln für den Frontscheinwerfer und die Zylinder.

Die Zeitschrift Illustrierter Motorsport informierte 1956 in einem Artikel über die technischen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung des Motors und besseres Handling im Gelände. Dazu gehörte auch ein relativ aufwendiger Umbau der Auspuffanlage (Einbau eines Vorschalldämpfers notwendig) um diese höherzulegen.[7]

Testberichte/Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor war nicht völlig ausgereift; der Füllungsgrad des linken Zylinders bereitete Schwierigkeiten beim Einstellen der Vergaser, hervorgerufen durch die Strömungsverhältnisse im gemeinsamen Kurbelgehäuse beider Zylinder. Richtig eingestellte Vergaser arbeiteten jedoch problemlos. Um Störungen und Ölkohleablagerungen zu vermeiden, wurde eine Fahrweise mit Drehzahlen oberhalb von 3000/min empfohlen.[8]

Die bundesdeutsche Zeitschrift Das Motorrad testete 1955 eine IFA BK350. Die Motorleistungen wurden als gut, wenn auch geringer als die vergleichbarer Modelle aus der Bundesrepublik beurteilt. Man vermutete die geringere Leistung auch aufgrund fehlender Weiterentwicklung der Auspuffkonstruktion („Schalldämpfer in der Art […] verwendete die ostdeutsche Industrie schon 1937“). Bemängelt wurden starke Vibrationen im Leerlauf, die Schaltbarkeit besonders beim Herunterschalten sowie deutlich hörbare Schaltgeräusche. Sitzposition und Straßenlage wurden als gut befunden. Hervorgehoben wurden die gute Abstimmung und Wirksamkeit der Bremsen. Als mustergültig wurde von den Testern der Informationsgehalt des Handbuchs beurteilt. Das Fazit (gemeinsam mit der ebenfalls geprüften AWO 425) lautete:

„Die motorische Leistung der beiden geprüften ostzonalen Maschinen lag deutlich unter dem, was wir jetzt bei uns als Durchschnitt betrachten. Auch die Bauweise der Fahrgestelle ist nach unseren Begriffen nicht mehr ganz up to date. […] Daß sie aber tadellos und mit viel Liebe gearbeitet sind und ein hervorragendes Finish besitzen, kann nicht bestritten werden. […] Gibt man den Werken dort drüben die Möglichkeit, ähnlich zu wirtschaften, wie unsere Fabriken das hier können, dann kann der noch bestehende Vorsprung leicht aufgeholt werden.“[9]

Die Zeitschrift Der Deutsche Straßenverkehr testete 1958 eine BK 350 mit Stoye-Seitenwagen. Mit dem Wissen, dass die Produktion des Modells auslaufen sollte und die MZ ES 250 als Gespann bereits seit einem Jahr verfügbar war, urteilte man: Für den Gespannbetrieb sei sie die aktuell leistungsstärkste Maschine. Jedoch sind das Konzept und die Leistungsfähigkeit des Motors am Ende der Leistungsfähigkeit, der Federweg von lediglich 50 mm hinten entspricht nicht dem Stand der Zeit. Die Getriebeübersetzung und Schaltbarkeit wurden bemängelt, insbesondere das Herunterschalten erfordere viel Feingefühl und die Schaltgeräusche wurden als unangenehm beurteilt. Die Bremsen wurden als gut beurteilt, man wünschte sich ein gebremstes Seitenwagenrad. „Sollte nun die MZ-BK nicht weiter produziert werden, gebe es praktisch keine schwere Seitenwagenmaschine in der DDR. […] Eines aber wissen wir bestimmt: Eine zukünftige 350er müßte mindestens 20 PS Leistung haben, um als Gespannmaschine wirklich Freude zu machen.“[10]

Nachbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren eine Kopie der BK gebaut.[11][12]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(a) Das DKW-Leichtmotorrad L60 wurde zwar schon 1948 auf der Leipziger Frühjahrsmesse gezeigt, ging aber nicht in Serie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: MZ BK 350 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Reese: Motorräder aus Sachsen. Kleine Vennekate, Lemgo 2008, ISBN 978-3-935517-38-6, IFA/MZ, S. 58–76 (alternative Deutung: Block-Kardan).
  2. Kraftfahrzeugschau in Leipzig. In: Kammer der Technik Fachverband Fahrzeugbau und Verkehr (Hrsg.): Kraftfahrzeugtechnik. 1. Jahrgang, Heft 4. VEB Verlag Technik Berlin, 1951, ISSN 0023-4419, S. 81.
  3. a b c Herbert Friedrich: 25 Jahre Technische Entwicklung an Motorrädern der DDR – Motorräder aus Zschopau Motorroller aus Ludwigsfelde. In: Allgemeiner Deutscher Motorsport-Verband (Hrsg.): Illustrierter Motorsport. 24. Jahrgang, Heft 10. Sportverlag Berlin, 1974, ISSN 0442-3054, S. 235.
  4. Karl Reese: Motorräder aus Sachsen. Kleine Vennekate, Lemgo 2008, ISBN 978-3-935517-38-6, IFA/MZ, S. 63.
  5. a b c d Kurt Kämpf: Die neue BK 350 der IFA. In: Kammer der Technik Fachverband Fahrzeugbau und Verkehr (Hrsg.): Kraftfahrzeugtechnik. 3. Jahrgang, Heft 2. VEB Verlag Technik Berlin, 1953, ISSN 0023-4419, S. 44–48.
  6. Endergebnisse der XXVIII. Internationalen Sechstagefahrt. Abgerufen am 15. April 2020.
  7. Peter Ficker: Trimmen der BK für Leistungsprüfungsfahrten. In: Allgemeiner Deutscher Motorsport-Verband (Hrsg.): Illustrierter Motorsport. 6. Jahrgang, Heft 9. Sportverlag Berlin, 1956, ISSN 0442-3054, S. 235 (Online [abgerufen am 17. März 2022]).
  8. Hinweise für BK-Fahrer. In: Kammer der Technik Fachverband Fahrzeugbau und Verkehr (Hrsg.): Kraftfahrzeugtechnik. 9. Jahrgang, Heft 4. VEB Verlag Technik Berlin, 1959, ISSN 0023-4419, S. 163.
  9. Heinz Hahmeyer: Das Motorrad testete aus der DDR IFA BK 350, AWO 425. In: Paul Pietsch (Hrsg.): Das Motorrad. 7. Jahrgang, Heft 21. Verlag Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG, 1955, ISSN 0027-237X, S. 787–791 (Online [abgerufen am 4. März 2022]).
  10. Thomas Schmidt: Unser Test MZ BK 350 Gespann vom VEB MZ Motorradwerk Zschopau. In: transpress VEB Verlag für Verkehrswesen (Hrsg.): Der deutsche Straßenverkehr. 8. Jahrgang, Heft 9. VEB Verlag Technik Berlin, 1958, ISSN 0012-0804, S. 300–302 (Online [abgerufen am 4. März 2022]).
  11. Olympus Crown type H 1957. (Nicht mehr online verfügbar.) In: benvanhelden.nl. Archiviert vom Original am 21. Juli 2012; abgerufen am 25. Oktober 2020 (englisch).
  12. Olympus Crown - die japanische Kopie -