Mader Heide

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Mader Heide bei Gudensberg in Nordhessen

Die Mader Heide, auch Maderheide, unweit von Maden bei Gudensberg in Nordhessen, möglicherweise identisch mit dem von Tacitus erwähnten Mattium, war ein chattischer Kultplatz und germanischer Versammlungs- und Gerichtsplatz und bis in das Mittelalter Thingplatz und Versammlungsort der hessischen Landstände.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mader Heide, seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt, ist Teil der Gudensberger Kuppenschwelle und liegt nordöstlich von Maden zwischen den Basalt­kuppen Ittersberg (Nordosten), Schanzenkopf (Südosten), Mader Stein (Südwesten) und Lamsberg (Norden). Ein Wegweiser in Maden zeigt den Weg zur Mader Heide. In Gudensberg erinnert ein Straßenname an die historische Stätte.

Östlich an der Mader Heide vorbei verläuft in allgemeiner Nordost-Südwest-Richtung der Abschnitt DeuteNiedervorschütz der Bundesstraße 254. Von ihr zweigt südlich des Schanzenkopfs die Kreisstraße 9 in Richtung Westen nach Maden ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mader Heide war bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Es wurden Grabanlagen und Steinbeile aus dieser Zeit entdeckt. Auch nach dem Eindringen der Chatten nach Nordhessen war die Gegend, wohl wegen ihrer Fruchtbarkeit, ein wichtiges Siedlungsgebiet. Die oft geäußerte Annahme, dass der von Tacitus in seiner Germania beschriebene, von Germanicus im Jahre 15 n. Chr. zerstörte chattische Hauptort Mattium auf der Mader Heide lag oder mit ihr identisch war, lässt sich nicht belegen. Mattium könnte auch beim nahe liegenden Metze gelegen haben.

Es wird vermutet, dass die Mader Heide bereits während der Zeit des fränkischen Hessengaus und der daraus hervorgegangenen späteren Grafschaft Maden als Thingplatz genutzt wurde. Spätestens mit den Gisonen ab 1121 hielten die Gaugrafen auf der Mader Heide Thing und Gaugericht ab. Von einer kleinen Anhöhe wurden Erlasse für die Erhebung von Abgaben ausgesprochen und der Heerbann ausgerufen.

1247 versammelten sich alle Stände des Gaues, um sich darauf zu einigen, dass der junge Heinrich, Enkel der Heiligen Elisabeth von Thüringen und Sohn der Herzogin Sophie von Brabant, der rechte Erbe des Reches sei. 1277 wurde Heinrich dann formell auf der Mader Heide zum ersten Landgrafen von Hessen ausgerufen.

1397 wurde die Malstätte folgendermaßen beschrieben: ... tzwene Morgin in dem Velde zu Maden gelegin vor Gudinsberg beneden dem Burgiln... (Letzteres bezieht sich auf die nahe Basaltkuppe des Gudensberger Bürgel).

Später wurde der Platz wiederholt als Versammlungsort für den Landtag genutzt. 1627 erzwangen die auf der Mader Heide versammelten hessischen Landstände von Landgraf Moritz die Übergabe der Regentschaft an seinen Sohn Wilhelm. Der letzte hessische Landtag auf der Mader Heide fand 1654 statt. 2015 wurde ein rekonstruktierter Thing am Schanzenberg zur Erinnerung an die Mader Heide angelegt.

Archäologische Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde der Grabung Landgraf Karls I. auf der Mader Heide 1708

1709 ließ Landgraf Karl Ausgrabungen auf der Mader Heide durchführen. Entdeckt wurden dabei zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Funde aus der Eisenzeit, sowie Steinbeile und Grabanlagen aus dem 1. Jahrtausend v. Chr.

Prof. Bremer grub 1923 die Reste zweier Häuser aus. Er fand auch zahlreiche Scherben und sowie einige zertrümmerte menschliche Schädel. In einer Türschwelle befand sich das Skelett eines in Hockstellung eingegrabenen Mannes. 1925 entdeckte man die Reste einer dritten Hütte.

Südlich der Mader Heide wurden 6 Skelette aus der frühbäuerlichen Kultur zwischen Gudensberg und Maden entdeckt.

Literarische Erwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Ide erwähnt die Mader Heide in seiner Erzählung: Das Rote Haus

„Wo die alte Straße die Höhe erreicht und die vierundzwanzig Deuter Tannen im Kreise stehen, dehnt sich auf dem breiten Rücken des Wolfsberges die heilige Heide.“

Aus: Wilhelm Ide: Das rote Haus. Verlag C. Bertelsmann, Güterloh, 1933

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eduard Brauns: Wander- und Reiseführer durch Nordhessen und Waldeck. Bernecker Verlag, Melsungen 1971, S. 299 u. 285
  • Karl. E. Demandt: Geschichte des Landes Hessen. Bärenreiter Verlag, Kassel 1972, S. 53
  • Ulf Dieterichs (Hrsg.): Hessische Sagen. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main 1986, S. 104
  • Grieben Reiseführer Oberhessen, Kurhessen und Waldeck. Band 230. Thiemig AG, München 1981, S. 119

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 10′ 15,6″ N, 9° 23′ 52,8″ O