Madschnūn Lailā

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Qais, der von Laila Besessene, in der Wildnis

Madschnūn Lailā (arabisch مـجنون ليلى) (Der von Laila Besessene) ist die Bezeichnung für die männliche Hauptperson Qais (auch Kais) in einer klassischen, orientalischen Liebesgeschichte arabischen[1] Ursprungs. Qais geht an seiner unglücklichen Liebe zu Laila zugrunde. Die früheste bekannte Form datiert aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts. Nach Angaben des Kitab al-Aghani von Abu'l-Faradsch al-Isfahani ist deren Autor ein junger Omayyade mit dem Pseudonym „Madschnun“[2], bei dem es sich möglicherweise um Qais bin al-Mulawwah oder Qais bin Muʿad handelt.[3] Die Geschichte des Liebespaars Leila und Madschnun wurde in der arabisch-, persisch-, aserbaidschanisch-, kurdisch-, türkisch und urdusprachigen Literatur in unterschiedlichen Formen adaptiert.

Handlung der frühen Fassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den frühesten Überlieferungen stehen sich zwei Traditionen gegenüber: in der einen kennen sich Laila und Qais schon von Kindesbeinen an und haben gemeinsam ihre Herden gehütet; in der anderen treffen sie sich zufällig auf einem Fest von Frauen, wo Qais als Beitrag zu dem Fest ein Kamel schlachtet und sich in Laila, die sich als einzige ihm zuwendet, verliebt. Später hält er um ihre Hand an. Lailas Eltern sind gegen ihre Liebe und Heirat. Sie versuchen mit allen erdenklichen Mitteln, die beiden voneinander zu trennen und verheiraten Laila mit einem gewissen Ward bin Mohammed al- ʿUqaili. Qais verkraftet das nicht. Er ist von Laila besessen („Madschnun Laila“), verliert den Verstand und lebt fortan in der Wüste ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Sein Vater nimmt ihn mit auf eine Pilgerfahrt nach Mekka, doch seine Verwirrung steigert sich. In lichten Momenten verfasst er Verse über seine verlorene und unerfüllte Liebe. Bis zu seinem Tod trifft er Laila nur noch ein einziges Mal.[2]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmt sind die persischen Fassungen (داستان لیلی و مجنون / Dāstān-e Laylā-o Madschnūn) von Nezāmi (um 1180) und Dschami (15. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert schrieb Fuzūlī eine Adaptierung in Aseri, Dāstān-ı Leylā ve Mecnūn.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1908 wurde in Baku die Oper Leyli va Madschnun des aserbaidschanischen Komponisten Üzeyir Hacıbəyov aufgeführt.

Der Bluesgitarrist Eric Clapton griff Themen aus dieser Liebesgeschichte in seinem Song Layla auf. Layla war einer der meistgespielten Rocksongs der 1970er Jahre. Auf der Platte "Layla and Other Assorted Love Songs" (von: Derek and the Dominos) wurden Teile von Nezamis Text in den Lyrics des Songs "I am yours" zitiert. Nezami ist dort als Textautor angegeben.

Bei der Ruhrtriennale 2010 wurde in der Jahrhunderthalle in Bochum der Stoff als „Theatralische Erzählung“ mit dem Text von Albert Ostermaier und der Musik von Samir Odeh-Tamimi uraufgeführt.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte erlebte insbesondere in den indischen Filmindustrien zahlreiche Verfilmungen.[4]

Ähnliche Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Erzählungen in der persischen Literatur sind:

  1. Bijan und Manije, 1312 Verse in Schāhnāme von Ferdousī
  2. Sorch But und Khonak But von Onsuri
  3. Wamek und Asra von Onsuri
  4. Warqa und Gulschah, Ayyuqi (um 1030–1050)
  5. Wîs und Râmin, (zwischen 1050 und 1055), von Gorgani
  6. Chosrau und Schirin bzw. Schirin und Farhad von Daqiqi, Nezami
  7. Yossuf und Zulaika (Josef und Suleika), Ferdousī, Dschami
  8. Sia Mo und Jalali, von der Dichterin Sia Moh Herawi

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nezāmi: Leila und Madschnun. Unionsverlag, Zürich 2001, ISBN 3-293-20212-8.
  • Eren Düdükçü: Maǧnūn. Die Gestalt des heiligen Verrückten im islamischen Mittelalter. Kleio Humanities, Bremen 2007, ISBN 978-3-9811211-5-5.
  • Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums. Bd. 2 (Poesie), Leiden 975, S. 389-393 mit weiterführender Literatur.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Layla and Majnun – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nizami: Leila und Madschnun. Erstmals aus dem Persischen verdeutscht und mit einem Nachwort versehen von Rudolf Gelpke. Manesse, Zürich 1963, S. 317 f. (Nachwort)
  2. a b Ch. Pellat in: Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. MADJNŪN LAYLĀ, 1. In Arabic literature
  3. Fuat Sezgin: Geschichte des arabischen Schrifttums II, S. 389
  4. http://www.thehindu.com/features/cinema/article419176.ece