Detlev Glanert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Detlev Glanert (* 6. September 1960 in Hamburg) ist ein deutscher Komponist.

Biographisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glanert studierte bei Diether de la Motte, Günter Friedrichs, Frank Michael Beyer und Hans Werner Henze. Bekannt wurde er vor allem durch seine Opern Der Spiegel des großen Kaisers (UA Mannheim 1995), die mit dem Rolf-Liebermann-Opernpreis ausgezeichnet wurde, Joseph Süß (UA Bremen 1999) und Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Bayerischen Theaterpreis 2001, Uraufführung in Halle).

In Halle wurde auch seine (Kinder-)Oper Die drei Rätsel (2003) uraufgeführt. Drei frühe Kammeropern nach Texten von Thornton Wilder fasste Glanert später als Triptychon Drei Wasserspiele zusammen (UA Bremen 1995). 2006 wurde in Frankfurt - in einer Koproduktion mit der Oper Köln - seine Oper Caligula unter der Leitung von Markus Stenz uraufgeführt. Das Libretto stammt von Hans-Ulrich Treichel nach dem gleichnamigen Drama Albert Camus'. Ashley Holland sang die Hauptrolle. Am 6. April 2008 wurde am Theater Aachen die Kammeroper Nijinskys Tagebuch für zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente uraufgeführt. Am 9. Oktober 2010 fand die Uraufführung seiner Oper Das Holzschiff nach dem gleichnamigen Roman von Hans Henny Jahnn im Nürnberger Staatstheater statt. Solaris, eine Science-Fiction-Oper nach dem gleichnamigen Roman von Stanisław Lem auf ein Libretto von Reinhard Palm kam als Auftragswerk der Bregenzer Festspiele dort 2012 zur Uraufführung.

Außerdem schrieb Glanert bisher drei Sinfonien sowie zahlreiche kammermusikalische und Orchesterwerke. Am 20. Juni 2009 erfolgte die Uraufführung des Orchesterwerks Fluss ohne Ufer mit dem WDR-Sinfonierochester unter Semyon Bychkov in der Kölner Philharmonie. 2009 entstand die Bearbeitung des Schubert-Liedes "Einsamkeit" D620 für Sopran und Orchester. Deutsche Uraufführung am 24. Oktober 2010 in der Kölner Philharmonie.

Glanert unterrichtete u. a. in Genua, Aspen, Montepulciano, Melbourne, Jakarta. Von 2009 bis 2011 hatte er für drei Spielzeiten die künstlerischer Leitung des Cantiere Internazionale d'Arte in Montepulciano inne, wo er bereits 1989 bis 1993 als ständiger Mitarbeiter und Musikschulleiter tätig war. Als Residenz-Komponist wirkt(e) Glanert in Mannheim, Sapporo, beim WDR Sinfonieorchester Köln sowie beim Concertgebouw Orchester, wo er seit 2011 für 10 Jahre Hauskomponist ist.

Detlev Glanert ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glanert zählt Maurice Ravel mit seinen künstlich-sinnlichen Klanglandschaften zu seinen Vorbildern. Er versteht es wie nur wenige andere Komponisten seiner Generation, die musikalische Tradition mit der Moderne zu verbinden und das Melodisch-Gestische herauszuarbeiten. Vor allem seine Bühnenwerke sind daher auch beim traditionsgebundenen Publikum ungewöhnlich erfolgreich.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musiktheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leyla und Medjnun (1987/1988) Märchen für Musik (Libretto: Aras Ören und Peter Schneider); Neufassung 2016
  • Der Spiegel des großen Kaisers (1989-1993) Oper in zwei Akten (Libretto: Detlev Glanert und Ulfert Becker nach Arnold Zweig)
  • Drei Wasserspiele (1986-1995) Kammeropern nach den "Dreiminutenspielen" von Thornton Wilder: Leviathan (1986); Der Engel, der das Wasser bewegte (1994); Der Engel auf dem Schiff (1995)
  • Joseph Süß (1997-1999) Oper in dreizehn Szenen (Libretto von Werner Fritsch und Uta Ackermann)
  • Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (1999/2000) Komische Oper frei nach Grabbe (Libretto von Jörg W. Gronius)
  • Die drei Rätsel (2002/2003) Oper in zwei Akten für Kinder und Erwachsene (Libretto: Carlo Pasquini)
  • Ich bin Rita (2003) Intermezzo (Libretto: Elke Heidenreich)
  • Caligula (2004-2006) Oper in vier Akten frei nach dem Schauspiel von Albert Camus (Libretto: Hans-Ulrich Treichel)
  • Nijinskys Tagebuch (2007/2008) für zwei Sänger, zwei Schauspieler, zwei Tänzer und Instrumente (Text: Carolyn Sittig nach Waslaw Nijinsky)
  • Das Holzschiff (2008-2010) Oper in einem Akt nach dem gleichnamigen Roman von Hans Henny Jahnn (Libretto von Christoph Klimke)
  • Solaris (2010-2012) Oper in zwei Teilen nach dem gleichnamigen Roman von Stanisław Lem (Libretto: Reinhard Palm)

Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sinfonie Nr. 1 (1984)
  • Aufbruch (1986)
  • Parergon zur Oper "Der Spiegel des großen Kaisers" (1991)
  • Sinfonie Nr. 3 (1996)
  • Katafalk - Metamorphosen für großes Orchester (1997)
  • Burleske - Kontertanz für großes Orchester (2000)
  • Theatrum bestiarum - Lieder und Tänze für großes Orchester (2004/2005)
  • Fluß ohne Ufer (2008)
  • Drei Gesänge ohne Worte (2008/2009)
  • Insomnium - Adagio für großes Orchester (2009/2010)
  • Brahms-Fantasie - Heliogravure für Orchester (2011-2012)
  • Nocturne (2012)
  • Frenesia (2013)
  • Weites Land (2013)
  • Three American Preludes (2014)

Kammerorchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachtmusik im Sommer (1986/2001)
  • Fünfzehn Karikaturen (2001), auch Neun Karikaturen
  • Encore en Ut (2012) für Streicher

Solokonzerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 (1994)
  • Musik für Violine und Orchester (1995/1996)
  • Drei Tänze (2002) nach der Oper "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung", für Tuba und Orchester
  • Doppelkonzert (2007) für zwei Klaviere und Orchester

Gesang und Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Parke (1982-1983/1988) Vier Gesänge nach Gedichten von Rainer Maria Rilke, für Sopran und Orchester
  • Drei Gesänge aus "Carmen" von Wolf Wondratschek (Sinfonie Nr. 2) (1988-1990) für Bariton und Orchester
  • Mörike-Kantate (2003/2004) für Tenor, Chor und Orchester
  • Megaris - Seestück mit Klage der toten Sirene (2014-2015) für Orchester und textlosen Chor
  • Requiem für Hieronymus Bosch (2015-2016) nach dem lateinischen Requiem und mittelalterlicher Dichtung, für Solostimmen, Chöre und Orchester

Ensemble[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kammersinfonie (1985)
  • Norden - Fünf Bilder für Kammerensemble (1986)
  • Passacaglia aus "Leyla und Medjnun" (1988)
  • Mahler/Skizze (1989)
  • Vergessenes Bild - Kammersonate Nr. 1 (1994)
  • Gestalt - Kammersonate Nr. 2 (1995)
  • Chaconne (1996) für Oktett
  • Geheimer Raum - Kammersonate Nr. 3 (2002)
  • Nächtliche Flußfahrt mit Spottlied (2008) für Blasorchester
  • Concertgeblaas (2012) für Blechbläser

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei Stücke für Viola und Klavier (1982)
  • Sonate für Violine und Klavier (1984)
  • Vier Quartette (1986) für vier Kontrabässe
  • Streichquartett Nr. 1 (1986)
  • Serenade (1986) für Violoncello und Klavier
  • Yakub iki - Zeit des Wartens (1989) für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier
  • Paralipomena (1994) Sieben Stücke zu einem Märchen von Novalis, für Gitarre
  • Kleine Kuttel-Daddeldu-Musik (1997) für Jahrmarktsorgel
  • Fünf Chansons für Bläserquintett (Bläserquintett Nr. 1) (1997)
  • Fünf Wüstenlieder (1999) für Violoncello
  • Drei Stücke für Klarinette und Klavier (2003)
  • Pas de quatre (Streichquartett Nr. 2) (2006)
  • Déjà vu (Bläserquintett Nr. 2) (2006)
  • Noctambule (2008) für Klarinette, Klavier und Streichquartett
  • Elysion (2013) für Klavierquartett

Klaviermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vier Fantasien für Klavier (1987)
  • Lied für Klavier (1994) Paraphrase über Motive aus dem Konzert für Klavier und Orchester
  • Lied im Berg (2000) für Klavier
  • Enigmatische Landschaft (2001) für zwei Klaviere
  • Lied im Meer (2002) für Klavier
  • Tanzende Landschaft (2002) für zwei Klaviere

Vokalmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei Sonette (1991) nach Gedichten von Wolf Wondratschek, für Bariton und Gitarre (oder Klavier)
  • Vier Graffiti-Lieder (1991) für Sopran und Ensemble (Text: anonym)
  • Contemplated by a Portrait of a Divine (1992) Kantate nach einem Gedicht von Jo Shapcott, für Sopran und fünf Instrumente
  • Kolbe-Lieder (1998) Drei Lieder nach Gedichten von Uwe Kolbe, für Sopran und Klavier
  • Zwei Flüsse und ein Wind (2001) Drei Lieder nach Gedichten von Diether de la Motte, für Sopran und Klavier
  • Orlando furioso (2005) Fünfzehn Lieder für Countertenor und Gitarre (oder Klavier) (Text: Margareth Obexer, Angela di Ciriaco-Sussdorff)
  • Gesang des Achill (2006) für Bariton solo (Text: Heinrich von Kleist)
  • Wintersonnenwende (2010) Lieder zwischen den Gezeiten, für Mezzosopran und Klavier (Text: Sabine Bergk)

Chor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Miserere (1996) für gemischten Chor a cappella (Text: Wolf Wondratschek)
  • Singet leise (2004) für Kinderchor und Blechbläser (oder Klavier) (Text: Clemens Brentano)
  • Dichterfrühling (2008) für Damenchor a cappella (Text: Joseph von Eichendorff)

Bearbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Isaak

  • Argentum et Aurum, Konzertante Messe für Orchester (2004)

Domenico Scarlatti

  • Tre Sonate di Domenico Scarlatti, für Bläser und Klavier 4-händig (2007)

Franz Schubert

  • Einsamkeit (D 620) (1818) arr. für Stimme und Orchester (2009)
  • Jahreszeiten: Viola (D 786); Waldesnacht (D 709); Das Lied im Grünen (D 917) arr. für Stimme und Orchester (2008/2012)

Mikhail Glinka

  • Variationen über ein Thema von Mozart (1822/1827) arr. für Flöte und kleines Orchester (2013)

Johannes Brahms

  • Variationen über ein Thema von Schumann op. 9 (1854) arr. für gemischtes Oktett (1996)
  • Vier Klavierstücke op. 119 (1892) arr. für gemischtes Oktett (1997)
  • Vier Präludien und Ernste Gesänge (2004/2005) für Bassbariton und Orchester (nach op. 121)
  • Walzer op. 39 (1865) arr. für Violine und Klavier
  • Vier Choralvorspiele aus op. 122: 1. "Mein Jesu, der du mich"; 9. "Herzlich tut mich verlangen"; 3. "O Welt, ich muss dich lassen"; 7, "O Gott, du frommer Gott", für Orchester (2016)

Robert Schumann

  • Geistervariationen (1854) arr. für Kammerensemble (2010)

Ciro Pinsuti

  • Te Deum (1859) Rekonstruktion (2013)

Gustav Mahler

  • Neun Lieder und Gesänge aus "Des Knaben Wunderhorn", arr. für Stimme und Orchester (2013-2014): Um schlimme Kinder artig zu machen - Ich ging mit Lust - Aus, aus - Starke Einbildungskraft - Zu Straßburg auf der Schanz - Ablösung im Sommer - Scheiden und Meiden - Nicht wiedersehn! - Selbstgefühl; (Appendix: Es sungen drei Engel)

Franz Schreker

  • Das Weib des Intaphernes (1932/1933) Melodram, arr. für Sprecher und Kammerorchester (1998)

Giuseppe Becce

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Stipendien, u. a. der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]