Mahle (Unternehmen)

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MAHLE GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Dezember 1920
Sitz Stuttgart, DeutschlandDeutschland Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 76.632 (2016)[2]
Umsatz 12,322 Mrd. Euro (2016)[2]
Branche Automobilzulieferer
Website www.mahle.com
Stand: 31. Dezember 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016

Die Mahle GmbH (Eigenschreibweise: MAHLE GmbH) ist ein in vielen Ländern der Welt aktiver bzw. produzierender Automobilzulieferer mit Unternehmenssitz in Stuttgart. Mahle ist einer der 20 größten Automobilzulieferer der Welt und globaler Entwicklungspartner der Automobil- und Motorenindustrie.

Als Hersteller von Komponenten und Systemen für den Verbrennungsmotor und dessen Peripherie zählt Mahle zu den drei größten Systemanbietern von Kolben, Zylindern und Ventilsteuerungen (Ventiltrieben).

Mahle ist bei der Herstellung von Kolben, Motorkomponenten und Schmiede-Crackpleueln Weltmarktführer, die Mahle NFV bei Schiffsbilgewasserentölern.[3]

Mahle beschäftigte zum Stichtag 31. Dezember 2016 weltweit rund 77.000 Mitarbeiter an rund 170 Produktionsstandorten und in 15 Forschungs- und Entwicklungszentren. An den deutschen Standorten waren zu dieser Zeit etwa 13.800 Mitarbeiter tätig.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 gründete der Ingenieur Hellmuth Hirth gemeinsam mit anderen im Stuttgarter Stadtteil Cannstatt eine kleine Werkstatt, in der er Zweitaktmotoren entwickelte und baute. Am 1. Dezember 1920 trat der 26-jährige Kaufmann Hermann Mahle als siebter Mitarbeiter in die Firma von Hellmuth Hirth ein, die nun „Versuchsbau Hellmuth Hirth“ hieß. Dieser 1. Dezember 1920 gilt als Geburtstag des heutigen Mahle-Konzerns.

Relativ schnell wurde klar, dass sich die Werkstatt nur mit Motorenversuchen auf Dauer nicht über Wasser halten konnte. Es galt, einen gewinnbringenden Produktionszweig aufzubauen, der es ermöglichte, die Motorenversuche weiter zu betreiben. Zu dieser Zeit wurden in der Automobilproduktion vorwiegend Kolben aus Grauguss eingesetzt; man kam auf die Idee, sie durch Kolben aus Leichtmetall zu ersetzen. Am 1. November 1922 trat der Bruder von Hermann Mahle, der Ingenieur Ernst Mahle, mit 26 Jahren als technischer Leiter in den Betrieb ein. 1924 kam die Umfirmierung in Elektronmetall GmbH. 1927 entwickelte das Unternehmen den ersten Regelkolben in Deutschland, 1931 den weltweit ersten Aluminium-Ringträgerkolben für Dieselmotoren. In der Folgezeit wurde die Kolbentechnik weiter verbessert.[4]

Das Mahle-Logo wurde 1938 eingeführt, als auch die Firma in MAHLE KG umbenannt wurde. Das Unternehmen entwickelte sich stetig weiter, immer neue Produkte wurden erfunden und produziert (z. B. Aluminiumzylinder mit Cromal-Lauffläche 1951). 1964 beschlossen die Unternehmensgründer Hermann und Ernst Mahle, ihr Eigentum am Unternehmen in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen. Sie verzichteten auf den größten Teil ihres persönlichen Eigentums und übertrugen ihre Gesellschaftsanteile auf die MAHLE-Stiftung GmbH.

1976 ging Mahle mit den ersten europäischen Aluminium-Motorblöcken aus einer übereutektischen Legierung auf den Markt. 1988 wurde die sog. gebaute Nockenwelle zur Serienreife entwickelt und 2001 ein neuartiges Kühlkonzept für Kolben hochdrehender PKW-Dieselmotoren präsentiert. 2003 folgte der erste Vollkunststoff-Ölfilter weltweit. Im gleichen Jahr entwickelte und baute Mahle seinen ersten Komplettmotor; dieser kam in der Formula Student zum Einsatz.[4] 2005 folgte der Erwerb der Cosworth Technology Ltd. mit Standorten in UK und USA – heute MAHLE Powertrain Ltd.[5] sowie die vollständige Übernahme der Brockhaus Soehne GmbH, Deutschland – dann MAHLE Brockhaus GmbH. Diese wurde im April 2017 an die Frauenthal Gruppe verkauft. Im Oktober 2009 wurde mit der 'KTM Kühler GmbH' der Erwerb des Automotive-Geschäfts am Standort Mattighofen/Oberösterreich vereinbart.[6] 2010 erwarb Mahle 60 % der Behr Industry sowie 19,9 % der Anteile an der Mahle Behr GmbH & Co. KG.[7]

2012 übernahm Mahle die InnoWa Membrane mit Sitz in Schwaikheim.[8] 2013 erhöhte Mahle die Beteiligung an der Mahle Behr GmbH & Co. KG von 36,85 Prozent auf rund 51 Prozent.[9] Im Januar 2014 erwarb Mahle alle Anteile am indischen Kolben-Joint-Venture MAHLE IPL Limited[10] und im selben Jahr auch die Mehrheit am slowenischen Elektromotorenbauer Letrika mit 2400 Mitarbeitern, 243 Mio. Euro Umsatz und sieben Standorten in Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Weißrussland, China und Brasilien.[11]

Im Februar 2015 übernahm Mahle die Firma Delphi Thermal und erweiterte nach der Übernahme von Behr die Kompetenz im Thermomanagement von Automotiven.[12] Im Oktober 2015 wurde bekannt, dass bis Mitte 2016 die Industriefilter-Sparte verkauft werden soll und im Zuge dessen mindestens 170 Stellen abgebaut werden.[13] Ende 2016 verkaufte Mahle die Sparte an die Filtration Group Corporation.[14]

Im März 2017 wurde bekannt, dass Mahle die Übernahme des spanischen Elektronikspezialisten Nagares SA plant. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.[15]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filterwerk in Sankt Michael ob Bleiburg (Kärnten)

Geschäftsbereiche

  • Motorsysteme und -komponenten: Aluminiumkolben für Otto- und Dieselmotoren, Pendelschaft- und Stahlkolben für Nutzfahrzeugmotoren, Kolbenassemblies, Komplette Power-Cell-Module, Kolbenringe, Kolbenbolzen, Pleuel, Zylinderlaufbuchsen, Gleitlager und Lagerbuchsen, Kolbeneingussteile, Ventiltriebsysteme und -komponenten, Turboladerteile.
  • Filtration und Motorperipherie: geregelte und ungeregelte Öl- und Wasserpumpen, Luftansaug- und Luftfiltersysteme, Zylinderkopfhauben mit integrierten Ölnebelabscheidern, aktive und passive Ölnebelabscheidersysteme mit Druckregelventilen zur Kurbelgehäuse-Entlüftung, Abgasrückführungssysteme, Mechatronik-Komponenten, Ölfiltermodule, Ölpumpen, Öl- und Kraftstoffanschraubfilter, Kraftstofffiltermodule, Kraftstoffdruckregler, Inline-Kraftstofffilter, Aktivkohlefiltermodule, Getriebeölfiltermodule, geregelte Öl- und Kühlmittelpumpen, Wärmetauscher für Motoren und Getriebe, Hydraulikölfilter, Lufttrockner.
  • Thermomanagement: Fahrzeugklimatisierung, Motorkühlung
  • Aftermarket: Versorgung des freien Ersatzteilmarkts weltweit mit Motorkomponenten, Filtern und Ergänzungsprodukten

Division:

  • Mechatronik: Starter, Generatoren und Elektromotoren sowie elektrische Antriebs- und Mechatroniksysteme

Profitcenter:

  • Engineering Services, Motorsport und Sonderanwendungen: Entwicklungsdienstleistungen; Motorkomponenten für den Rennsport und sportliche Straßenfahrzeuge; Zylinderkopf-Assemblierung; Motorenfertigung in Kleinserien
  • Groß- und Kleinmotoren-Komponenten: Zylinderassemblies, Zylinderköpfe, Kolben und Filter für Kleinmotoren von handgeführten Motorgeräten, Motorrädern, Freizeitfahrzeugen sowie Motorkomponenten die in der Energieerzeugung, der Schifffahrt, dem Schienenverkehr, in Industrieanwendungen sowie in Freizeitfahrzeugen eingesetzt werden.
  • Industrie-Thermomanagement: Produkte zur Motorkühlung und Klimatisierung von Landmaschinen, Omnibussen und Spezialfahrzeugen; Kühlsysteme für Schienenfahrzeuge und Großmotoren.
  • Kompressoren: Kompressoren für Kältekreisläufe
  • Bediengeräte: Steuer- und Bediengeräte für die Fahrzeugklimatisierung, Gebläseregler, Regler für elektrische Zuheizsysteme und Klima-Sensoren.
  • Frontend-Module[16]: Design, Entwicklung, Montage und Logistik komplexer Frontend-Module

Forschung und Entwicklung

Die operative Forschungs- und Entwicklungsarbeit wird in weltweit 15 großen Entwicklungsstandorten (Stuttgart, Northampton, Bascharage, Sempeter pri Gorici, Detroit (Farmington Hills, Novi), Lockport, Amherst, Tokio (Kawagoe, Okegawa), Numazu, Shanghai, Pune und São Paulo (Jundiaí)) sowie 12 regionalen Kompetenzzentren von etwa 6.000 Entwicklungsingenieuren und Technikern vorangetrieben.

Wesentliche deutsche Gesellschaften der Mahle-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahle in Stuttgart-Bad Cannstatt
  • MAHLE GmbH (Muttergesellschaft und Eigentümerin aller anderen Gesellschaften)
  • MAHLE International GmbH
  • MAHLE Filtersysteme GmbH
  • MAHLE Ventiltrieb GmbH
  • MAHLE Motorkomponenten GmbH
  • MAHLE Kleinmotoren-Komponenten GmbH & Co. KG
  • MAHLE Aftermarket GmbH (100 %)[17]
  • Bosch MAHLE Turbo Systems GmbH & Co. KG (50 %); gemeinsam mit der Robert Bosch GmbH (Gegründet 2008; Januar 2017 wurden Verkaufspläne bekannt.[18])
  • MAHLE Industrial Thermal Systems GmbH & Co. KG (60 %)[19]
  • Mahle Behr (51 %)[20]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MAHLE GmbH ist heute zu 99,9 Prozent im Besitz der 1964 von den Brüdern Ernst und Hermann Mahle gegründeten MAHLE-Stiftung GmbH mit Sitz in Stuttgart. Die Stiftung wird von einem unabhängigen Treuhändergremium geleitet und erhält jährlich einen Teil des Unternehmensgewinns als Dividende ausgezahlt. Die Stiftung ist unter anderem Hauptgesellschafterin der Filderklinik in Filderstadt-Bonlanden bei Stuttgart. 0,1 Prozent des Unternehmens hält der Mabeg–Verein zur Förderung und Beratung der MAHLE-Gruppe e. V., ebenfalls mit Sitz in Stuttgart.

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsführung der Mahle GmbH besteht aus sechs Mitgliedern:[21]

  • Wolf-Henning Scheider (seit 1. Juli 2015 Vorsitzender der Geschäftsführung der MAHLE Konzerngeschäftsführung + CEO)
  • Michael Glowatzki (seit 2005)
  • Bernd Eckl (seit 2017)
  • Wilhelm Emperhoff (seit Oktober 2012)
  • Arnd Franz (seit Februar 2013)
  • Jörg Stratmann (seit Januar 2014)
  • Michael Frick (seit Juli 2014)

Mahle-Inside-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

im September 2008 eröffnete Mahle das Mahle-Inside-Museum. Architekten waren Heinisch, Lembach und Huber aus Stuttgart-Bad Cannstatt.[22] Die Außenhaut des Museumsneubaus ist mit verschiedenen Metallen überzogen und verweist so auf den Inhalt. Auf 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche bekommen die Besucher Einblicke in die Technik des Konzerns und seine Produkte, Geschichte und Philosophie. Der Museumsbau wurde 2010 mit dem Deutschen Designpreis ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mahle Website, Geschäftsführung
  2. a b c Mahle Website, Geschäftsbericht
  3. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  4. a b Mahle Website, Geschichte
  5. MAHLE Powertrain GmbH, Homepage
  6. www.auto-motor-und-sport.de
  7. Zulieferer Mahle: Mahle kauft Autogeschäft von KTM Kühler. In: auto motor und sport. (auto-motor-und-sport.de [abgerufen am 27. April 2017]).
  8. mahle.com, MAHLE Pressemeldung, Online-Artikel vom 31. Januar 2012.
  9. mahle.com, Mahle-Pressemeldung, Online-Artikel vom 16. Mai 2013.
  10. mahle.com, Mahle-Pressemeldung, Online-Artikel vom 10. Januar 2014.
  11. Mahle kauft in Slowenien zu. Econo, 23. Juni 2014.
  12. Mahle übernimmt Start-up-Unternehmen O-Flexx. In: springerprofessional.de. 13. Februar 2017 (springerprofessional.de [abgerufen am 27. April 2017]).
  13. Inge Nowak: Sorgen um Arbeitsplätze in Öhringen: Mahle plant Verkauf der Industriefilter. stuttgarter-zeitung.de, 31. Oktober 2015, abgerufen am 5. Januar 2016.
  14. Mahle Pressemitteilung: MAHLE verkauft Industriefiltration an Filtration Group. mahle.com, 8. August 2016, abgerufen am 27. Januar 2017.
  15. Mahle Pressemitteilung: MAHLE steigt in die Fahrzeugelektronik ein. mahle.com, 15. März 2017, abgerufen am 15. März 2017.
  16. Konzernorganisation
  17. MAHLE Aftermarket Europe | MAHLE Aftermarket EU. Abgerufen am 3. Juli 2017 (englisch).
  18. Bosch und Mahle verkaufen Werk in St. Michael orf.at, 23. Januar 2017, abgerufen 23. Januar 2017.
  19. Umfirmierung MAHLE Behr Industries GmbH & Co. KG. MAHLE Industry. Abgerufen am 28. September 2013.
  20. MAHLE übernimmt Mehrheit an Behr, Stuttgart, 16. Mai 2013, behrgroup.com. Abgerufen am 23. August 2013.
  21. MAHLE Konzern | Geschäftsführung. Abgerufen am 27. April 2017 (deutsch).
  22. MAHLE Group | Industrial Applications. Abgerufen am 27. April 2017 (englisch).