Mainstream

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Mainstream ([ˈmeɪnstriːm], englisch „Hauptströmung“[1]) spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider, den Massengeschmack der Massenkultur im Gegensatz zu Subkulturen oder dem ästhetischen Underground. Es entspricht damit weitgehend dem Begriff der populären Kultur.

Im Bereich der Medien ist der Begriff oft verknüpft mit dem Begriff der Leitmedien und drückt einen Anspruch auf Qualität aus,[2] der jedoch in den letzten Jahren durch bekanntgewordene Qualitätsmängel und den Vertrauensverlust von Seiten der Medienkonsumenten belastet wurde.[3][4][5][6][7]

Medialer Mainstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Medialer Mainstream bezieht sich auf die Massenmedien, die als gedruckte Publikationen die höchsten Leserzahlen aufweisen oder, im Fall von Radio- und TV-Programmen, die höchste Einschaltquote. In neuerdings häufig als negativ betrachtetem Zusammenhang wird Medialer Mainstream so in Gegensatz zu „unabhängigen“, als Indie-Medien bezeichneten Veröffentlichungen gebracht. Vor allem das Internet und im Besonderen die Blogosphäre treten dem medialen Mainstream gerne entgegen.[8][9]

Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger definiert Medien-Mainstream als einen „mehr oder weniger weitgehende(n) mediale(n) Konsens in bestimmten Fragen“, oder auch „als eine Anzahl von Themen und Meinungen, die in einem bestimmten Zeitraum in der Medienlandschaft dominier(en) und damit eine Hauptströmung oder eine Hauptrichtung“ bilden.[2] In seiner Publikation Mainstream. Warum wir den Medien misstrauen aus dem Jahr 2016 arbeitet er die seiner Auffassung nach entscheidenden Ursachen für den angeblich durch Meinungsumfragen belegten Vertrauensverlust weiter Bevölkerungskreise in die Mainstream-Medien heraus. Deutlich geworden sei dieser Vertrauensverlust seiner Auffassung nach während der Ukraine-Krise. Vielen Rezipienten, auch bestärkt durch rechte und russische Propaganda, sei eine Einseitigkeit und Homogenität der Berichterstattung aufgefallen. Auf die Kritik „auch namhafter Persönlichkeiten aus Politik und Publizistik“ hätten die Medien mit Abwehr und Diffamierung reagiert und so die Vertrauenskrise weiter verstärkt. Ausdrückliches Ziel Krügers sei es, mit Empathie für beide Seiten, den Medien die Außensicht ihrer Rezipienten und den Medienkritikern die medialen Arbeitsprozesse zu vermitteln. Dabei versucht er zu verstehen, „wie in einer freiheitlichen und pluralistischen Demokratie medialer Gleichklang zustande kommen kann.“ Dazu stellt er die Sozialisiations- und Arbeitsbedingungen von Journalisten, die informellen kommunikativen Prozesse innerhalb der Medien so wie die Abhängigkeiten und Einflüsse zwischen Medien, Gesellschaft und Politik „auf einer öffentlich nicht sichtbaren politisch-medialen Hinterbühne“ dar.

Mainstream in der Popkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Mainstream wird in der Popkultur als Abgrenzung zum Independent und entsprechenden Subkulturen verwendet. Er kann von Kritikern des Mainstreams verwendet werden, die damit auch ihre Abneigung oder Gleichgültigkeit ausdrücken und sich einer Subkultur abseits des Mainstreams zugehörig fühlen, wie etwa „Hipster“. Besonders als Teilwort (Mainstream-Rock, Mainstream-Kino, Mainstream-Radio („Dudelfunk“)) verwendet, kann es negativ behaftet sein, was allerdings nicht unbedingt der Fall sein muss. Diese Form des Kulturpessimismus sieht besonders im Bereich Musik und Film (Blockbuster), dass sich „der“ Mainstream immer mehr durchsetze, was eventuell Mitursache von sinkenden Umsatzzahlen der Musikindustrie sei. Diese Kritiker beobachten auch, dass Künstler, die jenseits des Mainstreams agieren, weniger Chancen haben, im Radio und Fernsehen präsentiert zu werden.[10]

Weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzipiell lässt sich der Begriff auf viele weitere Bereiche, insbesondere Gesellschaft, Politik und Einzelwissenschaften, ausweiten. Viele alternativ-reformistisch gesinnte Menschen und die Neuen Sozialen Bewegungen kritisieren vor allem den „gedanklichen Mainstream“. Abwertend kann es auch als Gegenteil des Individualismus verwendet werden.

Die Idee, dass der „gedankliche Mainstream“ verändert werden kann, ist Grundlage einer Politik des „Mainstreaming“, und zwar insbesondere in Gestalt des Gender Mainstreamings, Disability Mainstreamings, Family Mainstreamings, Cultural Mainstreamings und z. B. des „Mainstreaming Biodiversity“[11] das „Mainstreaming“ zielt hier auf eine Berücksichtigung auf allen politischen, gesellschaftlichen Ebenen ab. Auch das Konzept des Aktiven Alterns kann als eine Form des Mainstreamings verstanden werden.

Theoretische Erklärung des Mainstreams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainstream kann mit Antonio Gramsci im Zusammenhang mit dem Konzept kultureller Hegemonie interpretiert werden.[12]

Die regierungsnahe Homogenität des Medien-Mainstreams erklärt Uwe Krüger aus dem Bedingungen der Nachrichtenverarbeitung, der sozialen Homogenität der akademisierten Journalisten und aus dem unbewussten „Indexing“ (W. Lance Bennett): Gibt es im politisch-parlamentarischen Raum Konflikte, bekommen auch die Mediennutzer eine lebhafte mediale Debatte geboten; besteht aber über ein Thema Konsens, unterstützen die Medien die Regierungslinie.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tom Holert, Mark Terkessidis (Hrsg.): Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1996, ISBN 978-3-89408-059-4.
  • Fréderic Martel: Mainstream. Wie funktioniert, was allen gefällt. Knaus Verlag, München 2011 (E-Book).
  • Kaspar Maase: Der Mainstream der Populärkultur: Feld oder Feind kultureller Bildung? In: Kulturelle Bildung Online, 2015; URL: http://www.kubi-online.de/artikel/mainstream-populaerkultur-feld-oder-feind-kultureller-bildung
  • Uwe Krüger: Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen. C.H. Beck, 2016. C.H. Beck Paperback 6232, ISBN 978-3-406-68851-5.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. mainstream. In: Langenscheidt Englisch-Deutsch Wörterbuch. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  2. a b Medien im Mainstream. Problem oder Notwendigkeit? Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 8. Januar 2017.
  3. Medien: Was denken Sie? In: Spiegel Online. 25. Februar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 16. Januar 2019]).
  4. BDZV-Chef Döpfner: „Spiegel“-Fälschungsskandal erschüttert Vertrauen in Medien | Nordkurier.de. 14. Januar 2019, abgerufen am 16. Januar 2019.
  5. Die heikle Nähe von Leitmedien zur Elite. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Februar 2015, abgerufen am 24. Januar 2019.
  6. Die APA als geheimes Leitmedium. In: oe1.orf.at. 4. Januar 2019, abgerufen am 24. Januar 2019.
  7. Was uns der Fall Relotius lehrt. In: meedia.de. 27. Dezember 2018, abgerufen am 24. Januar 2019.
  8. K. Wallsten: Agenda Setting and the Blogosphere: An Analysis of the Relationship between Mainstream Media and Political Blogs. In: Review of Policy Research. 24, S. 567–587. doi:10.1111/j.1541-1338.2007.00300.x
  9. Mainstream: Der Sog der Masse. In: Die Zeit, Nr. 46/2011
  10. Tanya Lübber: Etablierte und Außenseiter in der Popkultur. Zwischen Mainstream und Independent – eine Studie zur Etablierten- und Außenseiterfiguration im Bereich der Popmusik. GRIN Verlag, München 2003 (E-Book)
  11. ;Mainstreaming Biodiversity. Abgerufen am 11. August 2018.
  12. George Ritzer, J. Michael Ryan: The Concise Encyclopedia of Sociology. John Wiley & Sons, 2010, ISBN 978-1-4443-9264-7 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2017]).
  13. by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Uwe Krüger für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de