Mainstream

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Mainstream ([ˈmeɪnstriːm], engl. Hauptströmung[1]) spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider, den Massengeschmack der Massenkultur im Gegensatz zu Subkulturen oder dem ästhetischen Underground. Es entspricht damit weitgehend dem Begriff der populären Kultur.

Im Bereich der Medien ist der Begriff oft verknüpft mit dem Begriff der Leitmedien und drückt einen Anspruch auf Qualität aus.[2]

Medialer Mainstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medialer Mainstream baut auf dem System der Massenmedien auf. Allgemein kann er den gedruckten Publikationen, Zeitungen und Magazinen attribuiert werden, welche die höchsten Leserzahlen aufweisen. Für Radio- und TV-Programme kommt demgegenüber die höchste Einschaltquote in Betracht. Medialer Mainstream steht dementsprechend im Gegensatz zu unabhängigen, teilweise auch als Indie-Medien bezeichneten Veröffentlichungen. Vor allem das Internet und im Besonderen die Blogosphere treten dem medialen Mainstream mittlerweile entgegen.[3][4]

Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger definiert „Medien-Mainstream“ als einen „mehr oder weniger weitgehender medialer Konsens in bestimmten Fragen, oder auch: eine Anzahl von Themen und Meinungen, die in einem bestimmten Zeitraum in der Medienlandschaft dominiert und damit eine "Hauptströmung" oder eine 'Hauptrichtung' bildet.“[5]

In seiner Publikation Mainstream. Warum wir den Medien misstrauen aus dem Jahr 2016 arbeitet er die seiner Auffassung nach entscheidenden Ursachen für den durch Meinungsumfragen belegten Vertrauensverlust weiter Bevölkerungskreise in die „Mainstream-Medien“ heraus. Deutlich geworden sei dieser Vertrauensverlust seiner Auffassung nach während der Ukraine-Krise. Vielen Rezipienten sei eine Einseitigkeit und Homogenität der Berichterstattung aufgefallen. Auf die Kritik auch namhafter Persönlichkeiten aus Politik und Publizistik hätten die Medien hauptsächlich mit Abwehr und Diffamierung reagiert und so die Vertrauenskrise noch verstärkt. Ausgesprochenes Ziel Krügers ist, mit Empathie für beide Seiten, den Medien die Außensicht der Rezipienten und den Medienkritikern die Arbeitsprozesse in der Medienwelt verständlich zu machen. Dabei versucht er das Rätsel zu lösen, „wie in einer freiheitlichen und pluralistischen Demokratie medialer Gleichklang zustande kommen kann.“ Krüger stellt dabei die Sozialisiations- und Arbeitsbedingungen von Journalisten, die informellen kommunikativen Prozesse innerhalb der Medien wie die Abhängigkeiten und Einflüsse zwischen Medien, Gesellschaft und Politik „auf einer öffentlich nicht sichtbaren politisch-medialen Hinterbühne“ dar.

Mainstream in der Popkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Mainstream wird in der Popkultur als Abgrenzung zum Independent und entsprechenden Subkulturen verwendet. Er kann von Kritikern des Mainstreams verwendet werden, die damit auch ihre Abneigung oder Gleichgültigkeit ausdrücken und sich einer Subkultur abseits des Mainstreams zugehörig fühlen, wie etwa „Hipster“. Besonders als Teilwort (Mainstream-Rock, Mainstream-Kino, Mainstream-Radio („Dudelfunk“)) verwendet, kann es negativ behaftet sein, was allerdings nicht unbedingt der Fall sein muss. Diese Form des Kulturpessimismus sieht besonders im Bereich Musik und Film (Blockbuster), dass sich „der“ Mainstream immer mehr durchsetze, was eventuell Mitursache von sinkenden Umsatzzahlen der Musikindustrie sei. Diese Kritiker beobachten auch, dass Künstler, die jenseits des Mainstreams agieren, weniger Chancen haben, im Radio und Fernsehen präsentiert zu werden.[6]

Weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinzipiell lässt sich der Begriff auf viele weitere Bereiche, insbesondere Gesellschaft, Politik und Einzelwissenschaften, ausweiten. Viele alternativ-reformistisch gesinnte Menschen und die Neuen Sozialen Bewegungen kritisieren vor allem den „gedanklichen Mainstream“. Abwertend kann es auch als Gegenteil des Individualismus verwendet werden.

Die Idee, dass der „gedankliche Mainstream“ verändert werden kann, ist Grundlage einer Politik des „Mainstreaming“, und zwar insbesondere in Gestalt des Gender Mainstreamings, Disability Mainstreamings, Family Mainstreamings und Cultural Mainstreamings. Auch das Konzept des Aktiven Alterns kann als eine Form des Mainstreamings verstanden werden.

Theoretische Erklärung des Mainstreams[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mainstream kann mit Antonio Gramsci im Zusammenhang mit dem Konzept kultureller Hegemonie interpretiert werden.[7]

Die regierungsnahe Homogenität des Medien-Mainstreams erklärt Uwe Krüger aus dem Bedingungen der Nachrichtenverabeitung, der sozialen Homogenität der akademisierten Journalisten und aus dem unbewussten „Indexing“ (W. Lance Bennett): Gibt es im politisch-parlamentarischen Raum Konflikte, bekommen auch die Mediennutzer eine lebhafte mediale Debatte geboten; besteht aber über ein Thema Konsens, unterstützen die Medien die Regierungslinie.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tom Holert, Mark Terkessidis (Hrsg.): Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1996, ISBN 978-3-89408-059-4.
  • Fréderic Martel: Mainstream. Wie funktioniert, was allen gefällt. Knaus Verlag, München 2011 (E-Book)
  • Uwe Krüger: Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen. C.H. Beck, 2016. C.H.Beck Paperback 6232, ISBN 978-3-406-68851-5

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. mainstream - Deutsch-Übersetzung - Langenscheidt Englisch-Deutsch Wörterbuch. In: de.langenscheidt.com. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Medien im Mainstream. Problem oder Notwendigkeit? | bpb. In: www.bpb.de. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  3. K. Wallsten: Agenda Setting and the Blogosphere: An Analysis of the Relationship between Mainstream Media and Political Blogs. In: Review of Policy Research. 24, S. 567–587. doi:10.1111/j.1541-1338.2007.00300.x
  4. Mainstream: Der Sog der Masse. In: zeit.de. 10. November 2011, abgerufen am 1. Mai 2016.
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Medien im Mainstream. Problem oder Notwendigkeit? | bpb. In: www.bpb.de. Abgerufen am 8. Januar 2017.
  6. Tanya Lübber: Etablierte und Außenseiter in der Popkultur. Zwischen Mainstream und Independent – eine Studie zur Etablierten- und Außenseiterfiguration im Bereich der Popmusik. GRIN Verlag, München 2003 (E-Book)
  7. George Ritzer, J. Michael Ryan: The Concise Encyclopedia of Sociology. John Wiley & Sons, 2010, ISBN 978-1-4443-9264-7 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2017]).
  8. by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Uwe Krüger für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de