Manspreading

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Manspreading, hier in der Stockholmer U-Bahn.

Manspreading ist ein Kofferwort aus man (englisch für: ‚Mann‘) und -spreading (englisches Verb to spread, deutsch ‚spreizen‘). Mit dem Begriff wird das Verhalten von Männern bezeichnet, an öffentlichen Orten mit gespreizter Beinhaltung zu sitzen.[1]

Phänomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Debatte um die ausladende Körperhaltung von Männern in der Öffentlichkeit, insbesondere im öffentlichen Nahverkehr, begann im Jahr 2013 mit einer Kampagne auf Tumblr. Ein Jahr später wurde das Phänomen mit dem Kofferwort manspreading bezeichnet. Eine Kampagne des New Yorker Verkehrsunternehmens MTA popularisierte den Begriff Ende des Jahres 2014.[2] OxfordDictionaries.com führt das Wort seit dem Jahr 2015 auf.

Bewertungen und Soziale Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Journalisten Ash Bennington und Mark Skinner argumentieren, dass die gespreizte Sitzhaltung eine natürliche Folge des männlichen Körperbaus sei.[3] Der Telegraph bezeichnet diese Behauptung als Chauvinismus.[4] Des Weiteren argumentieren Sportwissenschaftlerin Ina Hunger und Sozialwissenschaftler und Geschlechterforscher Paul Scheibelhofer, dass das Manspreading anerzogenes bzw. erlerntes Verhalten sei.[5][6] Viele weibliche Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel empfänden Manspreading als ein unangenehmes Eindringen in ihre Privatsphäre, dem sie fast täglich ausgesetzt wären, während Männern in Deutschland allein der Begriff Manspreading oft nicht bekannt sei.[7][8]

Tanya Vacharkulksemsuk von der Universität in Berkeley in Kalifornien hat in einer Studie gezeigt, dass Männer mit ausgebreiteten Beinen und Armen im Allgemeinen attraktiver auf ihr Gegenüber wirken. Dies hat sie anhand von Fotografien herausgefunden, wobei 87 % der weiblichen Bewerterinnen es anziehender fanden, wenn Männer breitbeinig saßen. Andererseits wurde es tendenziell eher unattraktiv empfunden, wenn Frauen so sitzen.[9] Hingegen wird eine Sitzhaltung mit überschlagenen Beinen bei Frauen, im positiven Sinn, oft als weiblicher angesehen.[10]

Reaktion von Beförderungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in New York ansässige Bahnunternehmen Metropolitan Transportation Authority (MTA) hat auf Grund von Beschwerden beschlossen, Werbehinweise aufzustellen, die darauf hinweisen sollten, dass man den Platzverbrauch auf ein Minimum beschränken solle.[11] 2014 wurden zwar in Chicago und Washington, D.C. von Transportbeamten im Allgemeinen keine Beanstandungen wegen Manspreading festgestellt.[12] Inzwischen jedoch wurden nicht nur in New York, sondern auch in Philadelphia und Seattle, Washington, entsprechende Schilder angebracht.[13] 2016 startete auch Chicago eine entsprechende Anzeigenkampagne.[14] Los Angeles und San Francisco verlangen seit 2016 100 US-Dollar Strafe von denen, die einen zweiten Sitz beanspruchen, obwohl sie zum Freigeben aufgefordert wurden.[15]

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Toronto sagte 2014 eine Vertreterin der Toronto Transit Commission, sie wisse nichts von Beschwerden zu Manspreading.[16] Doch schon im Januar 2015 wurden Stimmen laut, die ein Vorgehen wie in New York forderten, was zu einer Gegenkampagne führte.[17]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2019 wurde von den Wiener Linien der Kampf gegen das Phänomen mit Sozial-Media-Postings wie „Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!“ aufgenommen. Der Sprecher des Betriebes, Christoph Heshmatpour, gab an, dass alleine auf Facebook 500.000 Personen erreicht wurden und auf Twitter 16.000 direkte Reaktionen gezählt wurden. Es seien in der angestossenen Diskussionen drei sich die Waage haltende Fronten erkennbar: Teilnehmer, die das Posting „super finden“, jene, die sich darüber aufregen und eine Gruppe, die sich über die zweite Gruppe lächerlich mache. Ebenfalls wurde in Gegenkampagnen mit dem Slogan „Owa mit da Toschen, sonst gibt’s auf die Goschn!“ zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen, die das She-Bagging zum Anlass hatten.[18]

Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Madrid ist Manspreading in Omnibussen seit 2017 verboten. Die feministische Gruppe Microrrelatos Feministas hält die Sitzposition für einen Eingriff in die Freiheit des Sitznachbarn. Deshalb hatten sie eine Online-Petition gestartet, die mehr als 12.000 Menschen unterschrieben haben. Die Linkspartei Podemos will die Anregung noch weiterentwickeln und Manspreading auch in U-Bahnen verbieten.[19]

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan gab es bereits in den 1970er Jahren Kampagnen gegen das Phänomen.[20]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 fand in New York City in der Außenstelle des New York Transit Museum im Grand Central Terminal in Manhattan eine Ausstellung statt. Sie zeigte internationale Beispiele für Kampagnen gegen schlechtes Benehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln seit den 1940er Jahren. Auch Poster, die sich gegen Manspreading wandten, waren ausgestellt.[21]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

She-Bagging, in der Londoner U-Bahn.

Der Begriff wird wegen seiner Stereotypisierung des männlichen Geschlechts als sexistisch kritisiert.[22][23] Weiters wurde auch kritisiert, dass ähnliche Verhaltensweisen, die primär von Frauen verursacht werden, von den „Manspreading“-Kampagnen meist ignoriert werden. Eine dieser Verhaltensweisen, die primär vom weiblichen Geschlecht ausgeht, wäre beispielsweise das sogenannte „She-Bagging“. Beim „She-Bagging“ geht es darum, dass eine Person ihre Taschen auf den Sitzflächen deponiert und somit Platz wegnimmt.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manspreading – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amy Cuddy: Dein Körper spricht für dich: Von innen wirken, überzeugen, ausstrahlen. Mosaik Verlag, 2016, ISBN 978-3-641-17460-6 (google.ch [abgerufen am 11. Mai 2017]).
  2. Manspreading: how New York City’s MTA popularized a word without saying it. 12. Dezember 2015, abgerufen am 24. Oktober 2019 (englisch).
  3. Ash Bennington, Mark Skinner: Manspreading: The Myth & The Math (Dude), gesehen am 16. Januar 2016.
  4. Manspreading: When men use science to excuse chauvinism. In: The Telegraph. (telegraph.co.uk [abgerufen am 11. Mai 2017]).
  5. Warum Manspreading ein größeres Problem ist, als viele denken. In: Vice. 26. Mai 2017 (vice.com [abgerufen am 27. April 2018]).
  6. Peter Weissenburger: Phänomen Manspreading: Beine breit. In: Die Tageszeitung: taz. 30. Januar 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 27. April 2018]).
  7. Florentin Schumacher: Manspreading: Macht euch breit! In: FAZ.NET. 1. Januar 2018, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 27. April 2018]).
  8. Franziska Pohl: Manspreading: ein Appell. In: Franziska Pohl. 27. April 2018, abgerufen am 27. April 2018.
  9. Olga Khazan: When Manspreading Is Sexy. In: The Atlantic. (theatlantic.com [abgerufen am 29. Mai 2017]).
  10. David H. Barlow, E. Joyce Reynolds, W. Stewart Agras: Gender Identity Change in a Transsexual. In: Archives of General Psychiatry. Band 28, Nr. 4, April 1973, ISSN 0003-990X, S. 571, doi:10.1001/archpsyc.1973.01750340089014.
  11. Emma G. Fitzgimmons: A Scourge Is Spreading. M.T.A.’s Cure? Dude, Close Your Legs.. In: The New York Times (Onlineausgabe).
  12. Emma G. Fitzsimmons: ‘Manspreading’ on New York Subways Is Target of New M.T.A. Campaign. In: The New York Times. 20. Dezember 2014, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 29. Mai 2017]).
  13. One body, one seat: Seattle's campaign against the 'manspreading' scourge. In: reuters.com. 17. Januar 2015, abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  14. Nail Clipping On The Metra?! New Campaign Asks For Manners On Train. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dnainfo.com. 11. Juli 2016, archiviert vom Original am 22. September 2017; abgerufen am 23. Juli 2017. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dnainfo.com
  15. Alex Dobuzinskis: California mass transit cracks down on 'seat hogs' and 'manspreaders'. In: ca.news.yahoo.com. 21. April 2016, abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  16. Anti-'manspreading' campaign called sexist. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  17. Rahul Gupta: TOinTRANSIT: TTC riders want an end to ‘man-spreading’ –. In: insidetoronto.com. 31. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  18. „Manspreading“-Posting „sehr erfolgreich“, ORF-online Wien vom 7. November 2019
  19. sk: "Manspreading": So dürfen Männer in Madrid jetzt nicht mehr sitzen. In: Huffington Post. 11. Juni 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  20. Johnny: How Mass Transit Has Combated Manspreading. In: spoon-tamago.com. 25. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  21. By Associated Press: 'Manspreading' illustrated: Exhibit studies subway etiquette. In: dailymail.co.uk. 1. April 2016, abgerufen am 23. Juli 2017.
  22. Is the 'manspreading' campaign just prejudice against big guys? In: Telegraph.co.uk. (telegraph.co.uk [abgerufen am 8. Mai 2017]).
  23. Why should ‘manspreading’ be just for men? In: The Guardian. 28. August 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 9. Mai 2017]).
  24. Young: 'Manspreading'? But women hog subway space, too. In: Newsday. (newsday.com [abgerufen am 8. Mai 2017]).