Manspreading

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Manspreading, hier in der Stockholmer U-Bahn.

Manspreading ist ein Kofferwort aus man (englisch für: ‚Mann‘) und -spreading (englisches Verb to spread, dt. ‚spreizen‘). Mit dem Begriff assoziiert man die bei einigen Fahrgästen im öffentlichen Verkehr zu beobachtende Angewohnheit, mit gespreizter Beinhaltung zu sitzen.[1] Ferner wird das Wort mit dem Vorwurf in Verbindung gebracht, dass durch diese gespreizte Beinhaltung die Bewegungsfreiheit der Sitznachbarn eingeschränkt wird. Der Begriff und dessen Thematik richtet sich primär gegen männliche Fahrgäste.

Wissenschaftler argumentieren, dass die gespreizte Sitzhaltung eine natürliche Folge des männlichen Körperbaus sei.[2][3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

She-Bagging, hier in der Londoner U-Bahn.

Der Begriff wird wegen seiner Stereotypisierung des männlichen Geschlechts als sexistisch kritisiert.[4][5] Weiters wurde auch kritisiert, dass ähnliche Verhaltensweisen, die primär von Frauen verursacht werden, von den „Manspreading“-Kampagnen meist ignoriert werden. Eine dieser Verhaltensweisen, die primär vom weiblichen Geschlecht ausgeht, wäre beispielsweise das sogenannte „She-Bagging“. Beim „She-Bagging“ geht es darum, dass eine Person ihre Taschen auf den Sitzflächen deponiert und somit Platz wegnimmt.[6]

Reaktion von Beförderungsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das in New York ansässige Bahnunternehmen Metropolitan Transportation Authority (MTA) hat auf Grunde von Beschwerden beschlossen, Werbehinweise aufzustellen, die darauf hinweisen sollten, dass man den Platzverbrauch auf ein Minimum beschränken sollte.[7] 2014 wurden zwar in Chicago und Washington, D.C. von Transportbeamten im Allgemeinen keine Beanstandungen wegen Manspreading festgestellt.[8] Inzwischen jedoch wurden nicht nur in New York, sondern auch in Philadelphia und Seattle, Washington, entsprechende Schilder angebracht.[9] 2016 startete auch Chicago eine entsprechende Anzeigenkampagne.[10] Los Angeles und San Francisco verlangen seit 2016 100 US-Dollar Strafe von denen, die einen zweiten Sitz beanspruchen, obwohl sie zum Freigeben aufgefordert wurden. [11]

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Toronto sagte 2014 eine Vertreterin der Toronto Transit Commission, sie wisse nichts von Beschwerden zu Manspreading.[12] Doch schon im Januar 2015 wurden Stimmen laut, die ein Vorgehen wie in New York forderten, was zu einer Gegenkampagne führte.[13]

Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Madrid ist Manspreading in Omnibussen seit 2017 verboten. Die feministische Gruppe Microrrelatos Feministas hält die Sitzposition für einen Eingriff in die Freiheit des Sitznachbarn. Deshalb hatten sie eine Online-Petition gestartet, die mehr als 12.000 Menschen unterschrieben haben. Die Linkspartei Podemos will die Anregung noch weiterentwickeln und Manspreading auch in U-Bahnen verbieten.[14]

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan gab es bereits in den 1970er Jahren Kampagnen gegen Manspreading.[15]

Soziale Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breitbeinig zu sitzen signalisiert bei Männern möglicherweise sexuelle Attraktivität. Tanya Vacharkulksemsuk von der Universität in Berkeley in Kalifornien hat in einer Studie gezeigt, dass Männer mit ausgebreiteten Beinen und Armen im Allgemeinen attraktiver auf ihr Gegenüber wirken. Dies hat sie anhand von Fotografien herausgefunden, wobei 87 % der weiblichen Bewerterinnen es anziehender fanden, wenn Männer breitbeinig saßen. Andererseits wurde es tendenziell eher unattraktiv empfunden, wenn Frauen so sitzen.[16] Hingegen wird eine Sitzhaltung mit überschlagenen Beinen bei Frauen, im positiven Sinn, oft als weiblicher angesehen.[17]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 fand in New York City in der Außenstelle des New York Transit Museum im Grand Central Terminal in Manhattan eine Ausstellung statt. Sie zeigte internationale Beispiele für Kampagnen gegen schlechtes Benehmen in öffentlichen Verkehrsmitteln seit den 1940er Jahren. Auch Poster, die sich gegen Manspreading wandten, waren ausgestellt.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manspreading – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amy Cuddy: Dein Körper spricht für dich: Von innen wirken, überzeugen, ausstrahlen. Mosaik Verlag, 2016, ISBN 978-3-641-17460-6 (google.ch [abgerufen am 11. Mai 2017]).
  2. Ash Bennington, Mark Skinner: Manspreading: The Myth & The Math (Dude), gesehen am 16. Januar 2016.
  3. Manspreading: When men use science to excuse chauvinism. In: The Telegraph. (telegraph.co.uk [abgerufen am 11. Mai 2017]).
  4. Is the 'manspreading' campaign just prejudice against big guys? In: Telegraph.co.uk. (telegraph.co.uk [abgerufen am 8. Mai 2017]).
  5. Why should ‘manspreading’ be just for men? In: The Guardian. 28. August 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 9. Mai 2017]).
  6. Young: 'Manspreading'? But women hog subway space, too. In: Newsday. (newsday.com [abgerufen am 8. Mai 2017]).
  7. Emma G. Fitzgimmons: A Scourge Is Spreading. M.T.A.’s Cure? Dude, Close Your Legs.. In: The New York Times (Onlineausgabe).
  8. Emma G. Fitzsimmons: ‘Manspreading’ on New York Subways Is Target of New M.T.A. Campaign. In: The New York Times. 20. Dezember 2014, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 29. Mai 2017]).
  9. One body, one seat: Seattle's campaign against the 'manspreading' scourge. In: reuters.com. 17. Januar 2015; abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  10. Nail Clipping On The Metra?! New Campaign Asks For Manners On Train. In: dnainfo.com. 11. Juli 2016; abgerufen am 23. Juli 2017.
  11. Alex Dobuzinskis: California mass transit cracks down on 'seat hogs' and 'manspreaders'. In: ca.news.yahoo.com. 21. April 2016; abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  12. Anti-'manspreading' campaign called sexist. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  13. Rahul Gupta: TOinTRANSIT: TTC riders want an end to ‘man-spreading’ –. In: insidetoronto.com. 31. Dezember 2014; abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  14. sk: "Manspreading": So dürfen Männer in Madrid jetzt nicht mehr sitzen. In: Huffington Post. 11. Juni 2017; abgerufen am 22. Juli 2017.
  15. Johnny: How Mass Transit Has Combated Manspreading. In: spoon-tamago.com. 25. Dezember 2014; abgerufen am 23. Juli 2017 (englisch).
  16. Olga Khazan: When Manspreading Is Sexy. In: The Atlantic. (theatlantic.com [abgerufen am 29. Mai 2017]).
  17. David H. Barlow, E. Joyce Reynolds, W. Stewart Agras: Gender Identity Change in a Transsexual. In: Archives of General Psychiatry. Band 28, Nr. 4, April 1973, ISSN 0003-990X, S. 571, doi:10.1001/archpsyc.1973.01750340089014.
  18. By Associated Press: 'Manspreading' illustrated: Exhibit studies subway etiquette. In: dailymail.co.uk. 1. April 2016; abgerufen am 23. Juli 2017.