Mar-Behnam-Kloster

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Sankt-Behnam-Kloster
Eingang zum Kloster

Eingang zum Kloster

Baujahr: älteste nachgewiesenen Bausubstanz 1164
Lage: 36° 8′ 16″ N, 43° 24′ 23″ OKoordinaten: 36° 8′ 16″ N, 43° 24′ 23″ O
Standort: Bachdida
Ninawa, Irak
Zweck: Syrisch-katholisches Kloster

Das Kloster des Märtyrers St. Behnam und seiner Schwester Sarah (aramäisch ܕܝܪܐ ܪܡܪܝ ܒܗܢܡ ܘܡܪܬ ܣܪܐ, arabisch دير مار بهنام) war eine aus dem 12. Jahrhundert stammende syrisch-katholische Klosteranlage bei dem Dorf Khidr-Elias 36 Kilometer südöstlich von Mossul im Norden des Irak. Sie bestand aus einem ummauerten Bereich mit der Kirche und einem außerhalb liegenden Mausoleum. Das Kloster, das bei der lokalen Bevölkerung ebenfalls als Khidr-Elias bekannt ist, wurde 2014 von Islamisten besetzt und 2015 mutmaßlich gesprengt.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster wurde der Legende nach im 4. Jahrhundert durch einen assyrischen König namens Sinharib (auch: Sanharib)[1] begründet. Der König, so die Legende, ließ seinen Sohn Behnam und seine Tochter Sarah ermorden, nachdem sie sich, bekehrt von Mattai, einem Eremiten, Wunderheiler und späterem Namensgeber eines Klosters, zum Christentum bekannt hatten. Als Buße für seine Tat ließ der König das Kloster erbauen.

Die erste schriftliche Quelle der Legende des Märtyrers Behnam findet sich in einem syrisch-orthodoxen Manuskript aus dem frühen 13. Jahrhundert.[2] Die davon ausgehend tradierten Daten werden als anachronistisch angesehen. So ist zum Beispiel der erwähnte König Sinharib, Sîn-aḫḫe-eriba, dem 8. Jahrhundert vor Christus zuzuordnen.[3]

Gebäudeanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Photographische Aufnahme des Klosters mit dem Mausoleum im Hintergrund, Gertrude Bell, 1909.
Plan des Klosters ohne Mausoleum von Conrad Preusser, 1911

Die auf einem ovalen Hügel angelegte Klosteranlage besteht aus mehreren Bauwerken mit der Klosterkirche und dem oktogonalen Mausoleum Sankt Behnams als Hauptgebäuden. Hohe Klostermauern verleihen der Anlage einen festungsartigen Eindruck. Während sich die Klosterkirche innerhalb der Mauern befindet, lag das Mausoleum außerhalb, ungefähr 60 Meter von der Kirche entfernt in einer Senke. Es umschloss die vermeintliche Gruft Behnams, die von einer aufwendig verzierten Steinplatte bedeckt war.[4]

Das Behnam-Mausoleum wird von der muslimischen Bevölkerung des umliegenden Dorfes als ein Heiligtum al-Chidrs betrachtet. Über der Tür des Mausoleums befand sich eine uigurische Inschrift aus der Zeit um 1300 n. Chr., in der der Segen des Chidr-Elias auf den Ilchan-Herrscher, seinen Hofstaat und seine Frauen herabgerufen wird.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klostergründung und Bauwerk sind nicht genau zu datieren. Seit dem 10. Jahrhundert waren viele Kirchen nach dem Märtyrer Sankt Behnam benannt worden. Die älteste nachgewiesene Bausubstanz der Klosteranlage, der Chor der Kirche, stammt aus dem Jahr 1164. Vermutet wird, dass zuvor an dem Ort bereits ein Pilgerhospiz existiert haben könnte, eingerichtet von einem in der Legende erwähnten persischen Gläubigen.[6]

Gebäudeinschriften in syrischer, arabischer, aramäischer und uighurischer Sprache verweisen auf die Tätigkeit von Baumeistern und Gönnern.[7] Die uighurische Inschrift der Mongolen über der Tür des Mausoleums wird um 1300 datiert; sie beinhaltet eine Wiedergutmachung seitens des Khans.[8] Die Archäologie hält das Mausoleum für älter als die Kirche, allerdings ohne eine genauere Datierung vornehmen zu können.[9]

Die Mönche des Klosters nahmen im 18. Jahrhundert Kontakt mit der römisch-katholischen Kirche auf, was zur schrittweisen Konversion der Einwohner von Bachdida zur mit Rom unierten Syrisch-Katholischen Kirche führte. Zwischen 1767 und 1839 kam das Kloster unter die Aufsicht der Syrisch-Katholischen Kirche, unter der es bis zur Besetzung 2014 verblieb. In jüngster Zeit war es zumindest zeitweise nicht mehr von Mönchen besiedelt.[10] Zum Zeitpunkt der Besetzung 2014 lebten drei Mönche im Kloster, zusammen mit einigen dort wohnhaften Familien.[11]

Nach Verlautbarung in Pressenachrichten beschlagnahmten Vertreter des Islamischen Staats im Irak und in der Levante im Juli 2014 das Kloster und vertrieben die dort lebenden Personen.[12][13] In der Folgezeit wurden Kreuze auf und im Kloster entfernt und Handschriften verbrannt.[14] Laut lokalen Nachrichten in den sozialen Medien wurde das Mausoleum von der Terrororganisation Islamischer Staat am 19. März 2015 gesprengt.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helen Younansardaroud: Die Legende von Mar Behnam. In: Martin Tamcke (Hrsg.): Syriaca. Hamburg 2002; S. 185–195 in der Google-Buchsuche
  • Mirko Novák / Helen Younansardaroud: Mar Behnam, Sohn des Sanherib von Nimrod. Tradition und Rezeption einer assyrischen Gestalt im iranischen Christentum und die Frage nach dem Fortleben der Assyrer. In: Altorientalische Forschungen 29/1 (2002), 166-194.
  • Ethel Sara Wolper: Khidr and the Politics of Translation in Mosul. Mar Behnam, St George and Khidr Ilyas. In: Mohammed Garipour (Hrsg.): Sacred Precincts. The Religious Architecture of Non-muslim Communities Across the Islamic World. Leiden 2015; S. 379–392 in der Google-Buchsuche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Mar Behnam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karen Radner: Ancient Assyria. A Very Short Introduction. Oxford University Press 2015; S. 7
  2. Ethel Sara Wolper: Khidr and the Politics of Translation in Mosul. Mar Behnam, St George and Khidr Ilyas. In: Mohammed Garipour (Hrsg.): Sacred Precincts. The Religious Architecture of Non-muslim Communities Across the Islamic World. Leiden 2015; 385 in der Google-Buchsuche
  3. Helen Younansardaroud: Die Legende von Mar Behnam. In: Martin Tamcke (Hrsg.): Syriaca. Hamburg 2002; S. 185–195 in der Google-Buchsuche
  4. Ethel Sara Wolper: Khidr and the Politics of Translation in Mosul. Mar Behnam, St George and Khidr Ilyas. In: Mohammed Garipour (Hrsg.): Sacred Precincts. The Religious Architecture of Non-muslim Communities Across the Islamic World. Leiden 2015; S. 379–392 hier S. 381
  5. Bas Snelders: Identity and Christian-Muslim interaction: medieval art of the Syrian orthodox from the Mosul area. Peeters, Löwen, 2010. S. 97, 570.
  6. Helen Younansardaroud: Die Legende von Mar Behnam. In: Martin Tamcke (Hrsg.): Syriaca. Hamburg 2002; S. 194
  7. Ethel Sara Wolper: Khidr and the Politics of Translation in Mosul. Mar Behnam, St George and Khidr Ilyas. In: Mohammed Garipour (Hrsg.): Sacred Precincts. The Religious Architecture of Non-muslim Communities Across the Islamic World. Leiden 2015; S. 384 in der Google-Buchsuche
  8. Syriac inscriptions from Iraq, The Globe and Mail, 25. August 2014, abgerufen am 21. März 2015
  9. Ethel Sara Wolper: Khidr and the Politics of Translation in Mosul. Mar Behnam, St George and Khidr Ilyas. In: Mohammed Garipour (Hrsg.): Sacred Precincts. The Religious Architecture of Non-muslim Communities Across the Islamic World. Leiden 2015; S. 379–392 hier S. 381
  10. Wolfgang Hage: Das orientalische Christentum. (Religionen der Menschheit) München: Kohlhammer 2007 ISBN 9783170176683, S. 411 m.w.N.
  11. The Monastery of Mar Behnam profaned by the militiamen of the Islamic State, Meldung des Information service of the Pontifical Mission Societies vom 15. Oktober 2014, abgerufen am 21. März 2015
  12. Isis militants 'seize Iraq monastery and expel monks'. BBC News Online, 21. Juli 2014, abgerufen am 21. Juli 2014 (englisch).
  13. Irak: Syrisches Mar-Bahnam-Kloster eingenommen. ead.de, 21. Juli 2014, abgerufen am 21. März 2015
  14. The Monastery of Mar Behnam profaned by the militiamen of the Islamic State, Meldung des Information service of the Pontifical Mission Societies vom 15. Oktober 2014, abgerufen am 21. März 2015
  15. Isis militants blow up 4th-century Christian Mar Behnam monastery in Iraq. The Independent, 20. März 2015, abgerufen am 21. März 2015 (englisch).