Margit Osterloh

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Margit Osterloh (* 23. Juli 1943 in Brandenburg an der Havel[1]) ist eine deutsche Ökonomin.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterloh studierte bis 1970 Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin und schloss als Diplom-Ingenieurin ab. Nach einer sechsjährigen Tätigkeit in der Industrie und einem Stipendium am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin promovierte sie 1981 an der Freien Universität Berlin. 1990 folgte die Habilitation an der Universität Erlangen-Nürnberg bei Horst Steinmann. Osterloh hatte bis zur Emeritierung im Jahr 2009 eine ordentliche Professur für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich inne. Von 2010 bis 2013 war sie Professor of Management Science an der Warwick Business School, University of Warwick, UK. Von 2013 bis 2015 war sie Gastprofessorin an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Margit Osterloh ist Forschungsdirektorin von CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts) in Zürich sowie permanente Gastprofessorin an der Universität Basel im Rahmen von CREW (Center for Research in Economics and Well-Being).

Osterloh hat einen Ehrendoktor von der Leuphana Universität Lüneburg. Sie war von 2005 bis 2011 Mitglied des Deutschen Wissenschaftsrates. Sie hatte mehrere Aufsichts- und Verwaltungsratsmandate in der Schweiz und in Deutschland inne. Sie ist Mitglied des Universitätsrates der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungsgebiete von Margit Osterloh umfassen Organisations- und Unternehmenstheorien, Innovations- und Technologiemanagement, Prozessmanagement, Knowledge Management, Vertrauensmanagement, Wissenschaftstheorie, Gender Economics, Corporate Governance, Research Governance, Migration und aleatorische Demokratie. In der Öffentlichkeit hat sie sich zu mehreren ihrer Forschung-Themen geäussert:

Managementgehälter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterloh setzt sich für den Abbau variabler Boni für das Management ein und argumentiert, dass bei anspruchsvollen Tätigkeiten variable Entlohnung die Kreativität und intrinsische Motivation in der Arbeit behindert.[2][3][4][5][6][7][8][9][10][11]

Rankings in der Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2012 startete Osterloh gemeinsam mit Alfred Kieser einen Aufruf an andere BWL-Professoren, das zur Neuauflage anstehende Handelsblatt Betriebswirte-Ranking zu boykottieren. Nachdem das Handelsblatt in einem Blogbeitrag über diesen Aufruf Kiesers und Osterlohs berichtete,[12] nahmen beide Professoren in einem von ihnen neu geschaffenen Internet-Blog Stellung zu der Darstellung des Journalisten.[13] In verschiedenen Artikeln argumentiert sie zusammen mit Alfred Kieser und Bruno S. Frey gegen Rankings und Impact-Faktoren als Qualitäts-Kriterium in der Wissenschaft.[14][15][16][17][18]

Frauen in Führungspositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterloh setzt sich für Quoten ein und argumentiert auch für partielle Zufallsauswahl von Frauen in Führungspositionen aus einem sorgfältig ausgewählten Pool. Dies als Gegenmassnahme gegen die durchschnittlich höhere Wettbewerbsaversion von Frauen im Vergleich zu Männern.[19][20][21][22]

Migrationsproblematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Bruno S. Frey veröffentlichte Margit Osterloh einen viel beachteten Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.[23][24][25] In Analogie zum Genossenschaftsmodell schlagen sie vor, dass Flüchtlinge einen Anteilschein zum Eintritt ins Land erwerben können. Sie erhalten dann im Gegenzug eine Arbeitsbewilligung. Anerkannten politischen Asylanten wird die Gebühr zurückerstattet. Die derzeit inhumane und lebensgefährliche Abwehr von Flüchtlingen und die Ausbeutung durch kriminelle Schlepper wird dadurch abgebaut. Flüchtlinge erhalten eine kalkulierbare Perspektive und Anreize für die Integration. Der Vorschlag bietet sowohl Vorteile für die Aufnahme- und Herkunftsländer als auch für die Migranten.[26][27][28][29][30]

Wiederbelebung des kontrollierten Zufalls als Entscheidungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Bruno S. Frey argumentiert Osterloh für eine Rückbesinnung auf zufallsbasierte oder aleatorische Elemente, wie sie im klassischen Athen und bis zur Neuzeit in zahlreichen europäischen Gemeinwesen zum Einsatz kamen. Dies dient – vergleichbar den Qualitätszirkeln in Unternehmen – der Aktivierung des Wissens und des Engagements der Bevölkerung, der Stärkung der Partizipation sowie dem Abbau von Ungleichheit und Eliten-Dominanz. [31][32][33][34][35]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf (PDF; 94 kB), Website der Universität Lüneburg, abgerufen am 13. Juli 2011.
  2. Stop tying pay for performance. The evidence is overwhelming: It doesn’t work. Abgerufen am 16. März 2017.
  3. Motivate people with prizes. Abgerufen am 16. März 2017.
  4. Schafft den Leistungslohn ab! Abgerufen am 16. März 2017.
  5. Nur feste Gehälter lösen das Problem. Abgerufen am 16. März 2017.
  6. Variable pay-for-performance is a folly. Abgerufen am 16. März 2017.
  7. Irrweg der variablen Leistungsentlöhnung. Abgerufen am 16. März 2017.
  8. Für eine manipulationsresistente Management-Entlöhnung. Abgerufen am 16. März 2017.
  9. Bitte keine Boni mehr. Abgerufen am 16. März 2017.
  10. Fixlöhne als Alternative zu Boni und ausgeklügelten Anreizsystemen. Abgerufen am 16. März 2017.
  11. Zurück zu fixen Löhnen für Manager. Abgerufen am 16. März 2017.
  12. Handelsblatt-Blog (28. August 2012):BWL-Forscher rufen zum Boykott des Handelsblatt-Rankings auf – mit Update, Zugriff am 29. August 2012
  13. "Handelsblatt-Ranking-Blog", Zugriff am 30. August 2012
  14. Doppelt-Blind-Begutachtung und Impact-Faktor. Wider die Diktatur akademischer Fetische. Abgerufen am 16. März 2017.
  15. Heisst "gut" publiziert auch "gute" Publikation? Abgerufen am 16. März 2017.
  16. Den Unfug schnell beenden. Professoren boykottieren das BWL-Ranking des Handelsblatts. Abgerufen am 16. März 2017.
  17. Rankings: Unbeabsichtigte Nebenwirkungen und Alternativen. Abgerufen am 16. März 2017.
  18. Unternehmen Universität? Abgerufen am 16. März 2017.
  19. Room at the top: how to redress the gender imbalance. Abgerufen am 16. März 2017.
  20. Die Mär der bequemen Frau. Abgerufen am 16. März 2017.
  21. Warum es ohne Quoten nicht geht – die Sicht der Verhaltensökonomik. Abgerufen am 16. März 2017.
  22. Frauen haben bessere Prognosen geliefert. Abgerufen am 16. März 2017.
  23. Verlangt von Flüchtlingen Eintrittspreise! Abgerufen am 16. März 2017.
  24. Kulturzeit-Interview mit Margit Osterloh. Abgerufen am 16. März 2017.
  25. Eintrittsgebühr nach Europa. Abgerufen am 16. März 2017.
  26. Wie kann man das Samariter-Problem lösen? Ein Beitrag zur Flüchtlingsdiskussion. Abgerufen am 16. März 2017.
  27. Wie kann man das Samariter-Problem lösen? Weiterführung der Debatte zur Flüchtlingswelle. Abgerufen am 16. März 2017.
  28. Eine Aufnahmegebühr für Flüchtlinge ist besser als Mauern zu bauen. Abgerufen am 16. März 2017.
  29. Aufnahmegebühr für Flüchtlinge. Abgerufen am 16. März 2017.
  30. Das Flüchtlingsproblem: Ein Vorschlag zur Lösung des Samariter-Problems. Abgerufen am 16. März 2017.
  31. Demokratie und Lotterie. Abgerufen am 16. März 2017.
  32. Aleatorische Demokratie. Abgerufen am 16. März 2017.
  33. Vorstandsposten sollten verlost werden. Abgerufen am 16. März 2017.
  34. Zufallsauswahl in der Wissenschaft? Abgerufen am 16. März 2017.
  35. Aleatorische Demokratie. Abgerufen am 16. März 2017.