Mariä Himmelfahrt (Lampferding)

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Kirche Mariä Himmelfahrt, Westfassade
Glockenturm mit Satteldach
Sonnenuhr

Die katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Lampferding, einem Ortsteil der Gemeinde Tuntenhausen im Landkreis Rosenheim in Bayern, ist ein spätgotischer Bau, der vermutlich ab 1520 errichtet wurde. Die Kirche gehört zu den geschützten Baudenkmälern in Bayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich wurde bereits im Zuge der Ortsgründung im 8. Jahrhundert eine erste Kirche aus Holz errichtet, die später durch einen Steinbau ersetzt wurde. Erstmals schriftlich erwähnt wird die Lampferdinger Kirche im Jahr 1315 in der Konradinischen Matrikel, dem 1315/16 erstellten Güterverzeichnis des Bistums Freising. Die heutige Kirche wurde vermutlich um 1520 erbaut. Lange Zeit war die Lampferdinger Kirche Ziel einer Wallfahrt zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Lampferding, woran noch mehrere Votivbilder in der Kirche erinnern.[1] Auch Leonhardiritte zu Ehren des heiligen Leonhard wurden abgehalten. Um 1670 erfolgte die Umgestaltung der Kirche im Stil des Barock, wobei sie mit neuen Altären ausgestattet wurde. 1803 schuf der aus Tirol stammende Maler Karl (Carl) Selb eine einheitliche Innendekoration im Stil des Klassizismus mit großen Deckenfresken und gemaltem Stuck.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Chorwinkel steht der mit einem Satteldach gedeckte Glockenturm, dessen vier Geschosse durch umlaufende Tuffsteingesimse gegliedert werden. An der Süd-, Ost- und Nordseite ist das Glockengeschoss von spitzbogigen, gekuppelten Klangarkaden durchbrochen. In das Vorzeichen an der Nordseite des Langhauses ist das Portal integriert. In den beiden Nischen wurden früher Knochen aus dem Friedhof untergebracht. An der Südseite des Langhauses ist eine Sonnenuhr aufgemalt, die in die Bauzeit der Kirche datiert wird. Sie wurde bei der Außenrenovierung im Jahr 1974 wieder freigelegt.

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum

Das einschiffige Langhaus ist in drei Joche gegliedert. Der leicht eingezogene, um eine Stufe erhöhte Chor ist zweijochig und dreiseitig geschlossen. Chor und Langhaus werden von Stichkappentonnen gedeckt, die auf Pilastern mit Gebälkstücken aufliegen. Den westlichen Abschluss des Langhauses bildet eine Doppelempore, auf der oberen Empore ist die Orgel eingebaut.

Im Erdgeschoss des Turms an der Nordseite des Chors, das früher als Sakristei diente, ist ein spätgotisches Sterngewölbe erhalten. Der darüberliegende Raum wurde als Oratorium genutzt, von dem aus durch eine Maueröffnung der Gottesdienst verfolgt werden konnte.

Deckenmalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deckenfresken wie der gemalte Stuckdekor wurden 1803 von Karl (Carl) Selb ausgeführt. Das große Deckenfresko im Chor stellt Maria als Beschützerin der Bedrängten dar. Die Segelschiffe im Hintergrund verweisen auf die Seeschlacht von Lepanto und den Sieg der Heiligen Liga über das Osmanische Reich im Jahr 1571, der der Hilfe Marias zugeschrieben wird. Die in Grisailletechnik ausgeführten Zwickelbilder stellen Mariä Verkündigung und die Heimsuchung Mariens dar.

Das Langhausfresko ist dem Patrozinium der Kirche gewidmet und zeigt die Himmelfahrt Mariens. In dem zum Chor gewandten Teil wird Maria von der Dreifaltigkeit in einem von über 60 Engeln und Engelsköpfen bevölkerten Himmel aufgenommen. Im zur Empore gerichteten Teil entdecken die Apostel und zwei Frauen den leeren Sarg Marias. Links unten ist die Signatur des Malers zu erkennen: „C. Selb fec. 1803“. Auf den seitlichen Stichkappen sieht man Mariensymbole verbunden mit Anrufungen Mariens. Unter dem Bild der Sonne liest man die Inschrift „Erleichte uns“, unter der Pforte des Himmels steht „Erfreue uns“, die Darstellung der Arche Noah ist mit der Bitte „Erhalte uns“ und die Bundeslade mit der Bitte „Stärke uns“ verknüpft, unter dem Marienmonogramm ist „Reinige uns“ und unter dem Meerstern „Führe uns“ zu lesen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlicher Seitenaltar
Südlicher Seitenaltar

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Stelzer: Die kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Lampferding. Faltblatt, 2. Auflage, Lampferding 2016.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Bayern IV – München und Oberbayern. 2. Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2002, ISBN 3-422-03010-7, S. 570.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mariä Himmelfahrt (Lampferding) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die ehemaligen Lampferdinger Wallfahrten (abgerufen am 14. Dezember 2017)

Koordinaten: 47° 57′ 33,8″ N, 12° 3′ 18″ O