Maria Grün (Hamburg-Blankenese)

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Ansicht vom Kirchhof
Ostseite

Die Kirche Maria Grün, eigentlich Sankt Mariä Himmelfahrt, in Hamburg-Blankenese ist eine katholische Pfarrkirche aus der Zeit der Weimarer Republik. Sie liegt am südöstlichen Rand des Stadtteils an der Kreuzung von Schenefelder Landstraße und Elbchaussee, unweit der Stadtteilgrenze zu Nienstedten auf ehemals zum Dorf Dockenhuden gehörenden Gebiet. Der Hirschpark und die ehemals ebenfalls eigenständige Siedlung Mühlenberg trennen die Kirche von der Elbe.

Bau und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde 1928 bis 1930 von Clemens Holzmeister errichtet und am 7. September 1930 geweiht. Damit ist sie der letzte katholische Kirchenneubau in Hamburg vor dem Ende der Weimarer Republik. Der Name Maria Grün leitet sich von der baumbestandenen Umgebung (sieben Linden, Parklandschaft) ab. Die Öffentlichkeit kürzte die zunächst verwendete Bezeichnung Maria im Grünen bereits in den 1930er-Jahren zu Maria Grün.

Die Kirche gilt als herausragendes Beispiel für den Kirchenbau der Weimarer Republik. Der Bau des mit seinen runden Raumkörpern, den beiden Zylindern und dem quaderförmigen Eingangs- und Glockenturm wird mit den Idealen des Neuen Bauens in Verbindung gebracht. Die Kreisform ist das überwiegende architektonische Formprinzip. Sie gilt als „sprechende“ Form, die seit der Antike als geometrische Bestimmung Gottes galt. Sie wurde traditionell genutzt, um Geborgenheit und Einheit zu symbolisieren. Diese Form findet sich in den Rundbogenfenstern und der halbrunden Apsis wieder, wo sie für eine konservative Note im Bauwerk sorgt.

Das Äußere der Kirche wird durch die verklinkerte Fassade bestimmt. Eine halbrunde Freitreppe trägt die Kreisform in den Kirchenvorplatz. Die Nordfassade wird durch die eckigen Formen des Turmes beherrscht, auf der Südseite dominiert ein umlaufendes Sockelgeschoss mit Nischen für Sakristei und Kapellen.

Nach einer Sanierung in den 1980er-Jahren wurde 2007 eine Grundsanierung vorgenommen, bei der insbesondere die Seitenkapellen lichter und zugänglicher gestaltet wurden. Über die Jahre wurde auch der vordere Zugangsbereich mehrfach umgestaltet und unter anderem um eine behindertengerechte Rampe ergänzt.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Altar

Signifikant und prägend für den Innenraum sind die Kirchenfenster des Düsseldorfer Malers Heinrich Campendonk. Die fünf durch überlebensgroße Engelsfiguren dominierten Chorfenster erfüllen die Kirche bei Sonneneinstrahlung dank der Südrichtung mit den bestimmenden Farben Gelb, Orange und Rot. Die weiteren Symbolfenster im Kirchenschiff zeigen die Motive Liebe (Herz), Hoffnung (Anker) sowie Glaube (Kreuz). Ein Duplikat eines der Kapellenfenster befindet sich im Vatikanischen Museum.

Die Kirchenbänke folgen der Form der kreisrunden Wände des Innenraums, wodurch zum ersten Mal in einer katholischen Kirche Hamburgs der liturgische Bereich und die Gemeinde räumlich zusammengefasst wurden.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1963 besitzt die Kirche eine Beckerath-Orgel. Ihre Disposition lautet:[1]

I Hauptwerk C–
1. Prinzipal 8′
2. Gemshorn 8′
3. Oktave 4′
4. Spielflöte 4′
5. Nasat 223
6. Blockflöte 2′
7. Mixtur IV–VI
8. Trompete 8′
II Brustwerk C–
9. Holzgedackt 8′
10. Rohrflöte 4′
11. Prinzipal 2′
12. Terzian II
13. Scharff III–IV
14. Krummhorn 8′
Tremulant
Pedal C–
15. Subbaß 16′
16. Gedackt 8′
17. Metallflöte 4′
18. Rauschpfeife II
19. Fagott 16′

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Gebäudebestand der Gemeinde gehörte anfangs ein in den 1980er-Jahren durch ein neues Gemeindehaus ersetztes Reetdachhaus. Des Weiteren verfügt die Pfarrei über eine dreizügige katholische Grundschule[2] und einen Kindergarten. Letzterer ist im „Paulushaus“ unmittelbar neben der Kirche angesiedelt. Seit den frühen 1990er-Jahren gehört auch ein neuerbauter Seniorenwohnstift in Hamburg-Rissen – nahe der schon vorher dort existierenden Kapelle der Gemeinde mit regelmäßigen Gottesdiensten – zum Gemeindegebiet. Die eigentliche Kapelle wurde 2005 abgerissen, Gottesdienste finden nun im Wohnstift statt.

Die Kirchengemeinde St. Paulus-Augustinus in Hamburg-Groß Flottbek ist seit 2006 mit der Gemeinde Maria Grün fusioniert und wird von der hiesigen Pfarrstelle mitversorgt.[3]

Die Kirchengemeinde St. Bruder Konrad in Hamburg- Osdorf gehört seit Anfang 2015 zur Pfarrgemeinde Maria Grün.

Seit Anfang 2015 befindet sich die Gemeinde in der Entwicklung eines Pastoralen Raumes mit den Gemeinden St. Bruder Konrad in Hamburg- Osdorf und der Pfarrgemeinde St. Marien in Hamburg- Ottensen.

Fotografien und Karte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 33′ 40″ N, 9° 49′ 24″ O

Karte: Hamburg
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Maria Grün
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Hamburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Fuhrmeister: Avantgarde in der Diaspora. Die katholische Kirche Maria Grün in Hamburg-Blankenese (1929/30). In: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft. Jg. 52, Nr. 4, 1999, ISSN 0027-299X, S. 331–344.
  • Klaus-Detlef Herrn: 65 Jahre Maria Grün in Blankenese. Zur Erinnerung an die Kirchweihe am 7. September 1930. In: Blankenese. Monatszeitschrift des Blankeneser Bürger-Vereins e.V. Jg. 48, Nr. 9, 1995, ZDB-ID 291031-7, S. 3–4.
  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 283.
  • Matthias Gretzschel: Hamburgs Kirchen: Geschichte, Architektur, Angebote. Axel Springer Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86370-116-1, S. 270–275.
  • Friedhelm Grundmann, Thomas Helms: Wenn Steine predigen. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993, ISBN 3-929229-14-5, S. 121 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 6. Oktober 2013.
  2. Geschichte der katholischen Schule Blankenese. Abgerufen am 6. Oktober 2013.
  3. Artikel zur Fusion mit Sankt Paulus Augustinus. Abgerufen am 6. Oktober 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirche Maria Grün/Sankt Mariä Himmelfahrt (Hamburg-Blankenese) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien