Hamburg-Nienstedten

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Wappen von Hamburg
Nienstedten
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 33′ 18″ N, 9° 50′ 41″ OKoordinaten: 53° 33′ 18″ N, 9° 50′ 41″ O
Fläche 4,3 km²
Einwohner 7228 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte 1681 Einwohner/km²
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Altona
Verkehrsanbindung
S-Bahn Hamburg S1Hamburg S1.svg S11Hamburg S11.svg
HVV Bus 1 15 21 22 36 39 49 286
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Nienstedten (niederdeutsch: Niensteden/Neensteden) ist ein Stadtteil Hamburgs im Bezirk Altona und gehört zu den Elbvororten. Der Name rührt von Nygenstede her und bedeutet Neue Stätte.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nienstedten liegt auf dem Höhenzug des Geestrückens nördlich der Elbe, westlich des Flottbektales.

Benachbarte Stadtteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil grenzt im Westen an Blankenese (hier gehört ein Teil des ehemaligen Dockenhuden zu Nienstedten), im Norden an Osdorf, im Osten an Othmarschen und im Süden, im Bereich der Elbe, an Finkenwerder. Nienstedten umfasst den westlichen Teil der Gemarkung Klein Flottbek.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofstraße 1901
(heute: Kanzleistraße)

Das Dorf gehörte um 800 zu Stormarn. 1297 wurde es erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirchgründung im 13. Jahrhundert sorgte dafür, dass Nienstedten zu den ältesten Kirchspielen Holsteins gehörte. Die Verwaltung Nienstedtens lag ab 1350 mit der Residenz der Schauenburger Grafen in Pinneberg. Zu diesem Zeitpunkt war der Ort ein Katendorf, in dem Gewerbetreibende, Handwerker, Kleinbauern und Elbfischer lebten. 1735 konnte Nienstedten 16 Handwerker und drei Gastwirtschaften vorweisen. 1751 entstand die Nienstedtener Kirche, die zuvor bereits mehrfach errichtet und wieder abgebrochen worden war. Die Elbe in diesem Bereich war nämlich einer ständigen Verbreiterung unterlegen und riss die Kirche sowie auch Häuser und Höfe mit sich. Um 1800 stieg die Einwohnerzahl des Ortes auf etwa 150. 1801 und 1803 besetzten dänische Truppen das Dorf, um 1808 von französischen und spanischen Besatzern abgelöst zu werden, die ihrerseits 1813/1814 von den Kosaken vertrieben wurden. Ab 1846 lag Nienstedten an der Pferde-Omnibus-Linie Altona-Blankenese. Im Rahmen des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 kam es zu Preußen. 1881 entstand die Schule am Schulkamp, nachdem der erste Schulbetrieb in Nienstedten bereits vor 400 Jahren im Zuge der Reformation eingerichtet wurde. Der erste und bislang einzige Industriebetrieb, die Elbschloss-Brauerei, entstand 1883. 1899 erfolgte der Anschluss Nienstedtens an das Eisenbahnnetz, das den Ort nunmehr mit Blankenese und Altona verband. 1914 hatte der Ort bereits 2672 Einwohner, fünfmal mehr als noch 60 Jahre zuvor. Die Zeit der Zugehörigkeit zu Pinneberg fand 1927 ihr Ende, als der Ort durch das Groß-Altona-Gesetz zur Stadt Altona kam. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz fiel es 1937/1938 gemeinsam mit Altona und anderen Stadtteilen an Hamburg. Den Zweiten Weltkrieg überstand Nienstedten nahezu ohne Zerstörungen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
6.471 6.457 6.508 6.539 6.568 6.524 6.422 6.319 6.290 6.316 6.311 6.268 6.304
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2014 2015
6.312 6.368 6.434 6.502 6.534 6.707 6.783 6.918 6.829 7.250[1] 7.228[2]

Nienstedten ist Hamburgs reichster Stadtteil. Das durchschnittliche Jahreseinkommen betrug 2010 138.941 Euro und ist damit bis zu zehn Mal so hoch wie in armen Vierteln.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Nienstedten zum Wahlkreis Blankenese. In dem bürgerlich geprägten Stadtteil wurde die SPD 2011 erstmals stärkste Partei.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1966 gab es bei Bürgerschaftswahlen folgende Wahlergebnisse:[3]

SPD FDP CDU Grüne1 AfD Linke2) Übrige
Bürgerschaftswahl 2015 36,1 % 22,9 % 20,0 % 12,0 % 04,6 % 02,2 % 02,2 %
Bürgerschaftswahl 2011 34,7 % 17,3 % 31,8 % 10,4 % 02,0 % 03,8 %
Bürgerschaftswahl 2008 17,0 % 08,1 % 62,6 % 10,0 % 01,6 % 00,7 %
Bürgerschaftswahl 2004 16,6 % 04,5 % 64,8 % 11,4 % 02,7 %
Bürgerschaftswahl 2001 22,4 % 15,0 % 37,0 % 09,0 % 00,2 % 16,4 %3)
Bürgerschaftswahl 1997 20,4 % 08,3 % 46,0 % 12,8 % 00,4 % 12,1 %4)
Bürgerschaftswahl 1993 21,7 % 09,4 % 39,9 % 12,8 % 16,2 %5)
Bürgerschaftswahl 1991 23,3 % 12,3 % 54,6 % 07,8 % 00,1 % 01,9 %
Bürgerschaftswahl 1987 24,9 % 12,5 % 55,8 % 06,0 % 00,8 %
Bürgerschaftswahl 1986 20,6 % 11,1 % 59,6 % 08,3 % 00,4 %
Bürgerschaftswahl Dez. 1982 26,2 % 05,9 % 61,5 % 06,3 % 00,1 %
Bürgerschaftswahl Juni 1982 21,9 % 06,4 % 63,9 % 06,8 % 01,0 %
Bürgerschaftswahl 1978 26,7 % 06,8 % 60,2 % 03,9 % 02,4 %
Bürgerschaftswahl 1974 22,0 % 12,6 % 62,4 % 03,0 %
Bürgerschaftswahl 1970 32,5 % 12,3 % 50,9 % 04,3 %
Bürgerschaftswahl 1966 37,0 % 12,2 % 45,8 % 05,0 %
1) 1978 als Bunte Liste – Wehrt euch, 1982 bis 2011 als Grüne/GAL.
2) 1991 und 1997 als PDS/Linke Liste, 2001 als PDS.
3) Darunter 14,0 % für die Schill-Partei.
4) Darunter 6,6 % für die Statt Partei.
5) Darunter 10,5 % für die Statt Partei.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Nienstedten

Kirche und Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Nienstedtener Friedhof stehen Grabmale alter Holsteiner und Hamburger Geschlechter. Der Standort der Nienstedtener Kirche ist einer der ältesten im Hamburger Raum. Das heutige Fachwerkgebäude ist für Trauungen sehr beliebt. Und die Nienstedtener Kantorei veranstaltet hier viele Konzerte. Dank einer privaten Schenkung im Anschluss an die umfangreiche Renovierung beherbergt sie seit dem 15. September 2012 ein Doppelportrait der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon von Lucas Cranach dem Jüngeren.[4]

Landhaus Baur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Landhaus Baur

An der Elbchaussee auf dem Gelände der ehemaligen Elbschloss-Brauerei wurde 1804 bis 1806 von dem Architekten Christian Frederik Hansen ein Landhaus für den Hamburger Kaufmann Johann Heinrich Baur errichtet. Seit 2000 ist das sogenannte Elbschlösschen der Sitz der Hermann Reemtsma Stiftung.

Landhaus J. C. Godeffroy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Landhaus J. C. Godeffroy

Im Hirschpark befindet sich das von Christian Frederik Hansen 1789 bis 1792 für den Hamburger Kaufmann und Reeder Jean Cesar Godeffroy VI. erbaute Landhaus J. C. Godeffroy, das heute von einer Ballettschule genutzt wird.[5]

Örtliche Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweimal im Jahr findet der Nienstedtener Jahrmarkt (Vergnügungsmarkt/Kirmes) statt, und auf dem Marktplatz findet freitags ein Öko-Markt statt.[6] Die Geschäftsleute und Vereine richten jährlich einen Weihnachtsmarkt, den Nienstedtener Adventsbummel aus. Die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten öffnet immer im September ihre Tore für das Publikum, und in unregelmäßigen Abständen veranstalten die Bürgervereine im Sommer eine Kunst- und Kulturmeile.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfaue im Hirschpark

Größere Grünflächen sind neben dem Nienstedtener Friedhof der Hirschpark an der Elbe, der Westerpark in Klein Flottbek sowie der Wesselhoeftpark.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Klein Flottbek findet das jährliche Deutsche Spring- und Dressurderby mit dem berühmten Hindernis Pulvermanns Grab statt. Klassische Sportvereine mit langjähriger Tradition sind der Nienstedtener Turnverein, der Sportclub Nienstedten (Fußball) und der TTC Grün-Weiß-Rot Nienstedten von 1949 (Tischtennis, seit 1994 in Spielgemeinschaft mit dem TuS Osdorf).

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einer gewissen Bekanntheit gelangte auch das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Nienstedten, an dem seit 2002 eine lebensgroße Kuhfigur in Feuerwehruniform wie zum Einsatz eine Stange herunterrutscht.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nördliche Grenze Nienstedtens bildet die S-Bahn-Strecke Altona–Blankenese (Linien S1/S11) mit dem Bahnhof Klein Flottbek und dem Haltepunkt Hochkamp. Über Nienstedten beginnt die südwestliche Einflugschneise des Flughafens Hamburg-Fuhlsbüttel. Entlang der Elbe im Süden ziehen sich die Elbchaussee – eine schmale Hauptverkehrsstraße und großbürgerliche Wohnstraße – und der Elbwanderweg. Von der Schiffsanlegestelle Teufelsbrück aus verkehrt die Fähre zum Airbus Flugzeugwerk und nach Finkenwerder.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nienstedten ist Sitz des Internationalen Seegerichtshofes, einer UNO-Einrichtung. Hier entscheiden Richter verschiedener Länder über Streitpunkte, die die Nutzung der Weltmeere und alle damit zusammenhängenden Angelegenheiten betreffen. Das Gebäude liegt nördlich der Elbchaussee an der Straße Am Internationalen Seegerichtshof. Das Gelände des Seegerichtshofes ist exterritoriales Gebiet. Eine weitere bedeutende Institution in Nienstedten ist die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) aus dem Jahre 1958 mit dem im Jahr 2000 errichteten Manfred-Wörner-Zentrum (MWZ), in der Clausewitz-Kaserne.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nienstedten verfügt 2013 über sechs Kindergärten und eine Grundschule.[8]

Die Rudolf-Steiner-Schule an der Elbchaussee ist eine Privatschule der Waldorfpädagogik.

Die Raphael-Schule ist eine heilpädagogische Waldorfschule, sie befindet sich in dem von Caspar Voght am Quellental errichteten Schulhaus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter Nienstedtens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Nienstedten verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nienstedten lebten und leben:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosmarie Halbrock: Nienstedten, Rasch und Röhring, Hamburg 1994, ISBN 3-89136-502-0.
  • Krug-Brayshaw/Cords: Nienstedten in alten Ansichten, Europäische Bibliothek, Zaltbommel/NL 1984, ISBN 90-288-2916-4.
  • Werner Johannsen: Wer sie waren wo sie ruhen. Ein Wegweiser zu bemerkenswerten Grabstätten auf dem Friedhof Nienstedten, Heinevetter, Hamburg 1992, ISBN 3-929171-22-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Nienstedten – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b (epd): Große Karte: So viel verdienen die Menschen in Ihrem Stadtteil. Hamburger Abendblatt. Abgerufen am 26. Februar 2016.
  2. Statistik Nord
  3. Wahldatenbank beim Statistischen Amt für Hamburg und schleswig-Holstein. Für die Wahlen von 1966 bis 2004 ist die Historische Wahldatenbank zu verwenden.
  4. Cranach Gemälde von Luther und Melanchthon ziehen in eine Hamburger Kirche ein (Memento vom 10. Oktober 2014 im Internet Archive)
  5. Landhaus J.C. Godeffroy (Hirschparkhaus) (Hamburg.de,abgerufen am 19. April 2013)
  6. hamburg.de
  7. Wache - FF Nienstedten. In: feuerwehr-nienstedten.de. Abgerufen am 23. Juli 2016.
  8. Statistik-Nord Stadtteil Profil 2013