Marsischer Braunbär

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Marsischer Braunbär
Marsischer Braunbär

Marsischer Braunbär

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Bären (Ursidae)
Gattung: Ursus
Art: Braunbär (Ursus arctos)
Unterart: Marsischer Braunbär
Wissenschaftlicher Name
Ursus arctos marsicanus
Altobello, 1921

Der Marsische Braunbär (Ursus arctos marsicanus) ist eine stark gefährdete Unterart des Braunbären (Ursus arctos) und kommt heute nur noch in und um den Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise in den Apenninen vor. Derzeit wird darüber diskutiert, ob er weiterhin als eigene Unterart betrachtet werden sollte.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Männchen erreichen bei einer Standhöhe von 185 cm ein Gewicht von bis zu 115 kg, die Weibchen bleiben kleiner und leichter.[2] Sie zählen zu den größten Landraubtieren Italiens. Die Bären verhalten sich sehr scheu und sind oft nur während der Nacht aktiv. Sie sind meist Einzelgänger und leben in eigenen Territorien von bis zu 200 km². Die Bären sind dafür bekannt, während der Nahrungssuche Wohngebiete aufzusuchen, wodurch sie sich bei der Bevölkerung unbeliebt machen. Zur Überwinterung graben sich die Bären Bauten oder ziehen sich in Felshöhlen zurück. Wie es bei den Bären üblich ist, bauen sie dabei ihre Fettreserven ab, die sie während des Sommers und Herbsts angefressen haben.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu 90 % der Nahrung ist pflanzlich, zum Beispiel Wurzeln, Knollen, Früchte und Beeren. Diese Kost bietet wenige Nährstoffe, so dass der Bär eine große Menge davon verzehren muss. Der Marsische Bär ist wie alle Bären ein Allesfresser, so jagt er auch kleinere Tiere und ernährt sich vom Kadaver größerer Tiere.

Verbreitung, Bedrohung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marsische Braunbär bildet eine kleine allopatrische Population im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise und den angrenzenden Nationalparks Monti Sibillini, Gran Sasso und Monti della Laga, Majella sowie den Regionalparks Sirente-Velino und Monti Simbruini. Das Verbreitungsgebiet wurde innerhalb der letzten 200 Jahre signifikant eingeschränkt und nimmt heute etwa 1.600 km² ein.[3][2] Seit der Gründung des Nationalparks Abruzzen im Jahre 1923 steht auch der Marsische Braunbär unter Schutz, jedoch wurden bisher nie effektive Schutzprogramme etabliert.[4] Mitunter rührt die Bedrohung von der wachsenden Landwirtschaft und der zunehmenden Besiedlung der Abruzzen her und wird durch gezielte Wilderung[3] und Vergiftung[2] (seit dem 17. Jahrhundert verstärkt). Aber auch durch freilaufende Hunde übertragene Krankheiten wie die canine Parvovirose, die Hundestaupe und die Hundebrucellose sind bestandsbedrohende Faktoren.[4] Dies in der Summe dezimierte die Population auf etwa 40 bis 50 Individuen.[5][3] Damit wird sie langfristig nicht als überlebensfähig angesehen.[4]

Heute ist der Marsische Braunbär gemäß nationaler Gesetze, europäischer Direktiven, der Berner Konvention und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen vollumfänglich geschützt.[4] Um sicherzustellen, dass die Population das ganze Jahr durch satt wird, ohne menschliche Siedlungen aufzusuchen, bepflanzten Parkranger die Wälder mit zusätzlichen Obstbäumen und Beeren.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Trennung von den alpinen Populationen vor etwa 400 bis 600 Jahren und dem Aussterben der weiblichen Abstammungslinie unterscheiden sich die Populationen mittlerweile genetisch so weit, als dass sich ein eigener mtDNA-Haplotyp entwickelt hat. Loy et al. (2008)[1] haben geographische Variationen sieben südeuropäischer Populationen der Art Ursus arctos in Bezug auf Sexualdimorphismus, Altersstruktur und Verbreitungsgebiete analysiert sowie morphometrische Daten des Schädels, Unterkiefers und Gebisses vermessen. Diese Analysen haben eindeutige morphologische Unterschiede zwischen dem Marsischen Braunbär und sowohl südwestlichen als auch südöstlichen Populationen ergeben. Somit sollte nach dieser Arbeit der Unterartstatus als Ursus arctos marsicanus bestehen bleiben. Diese Studie sollte zudem die Wichtigkeit des Artenschutzes des Marsischen Braunbären hervorrufen.[4]

Altobello hatte 1921 den Marsischen Braunbären als Unterart des Braunbären Ursus arctos marsicanus erstbeschrieben, jedoch beruhte diese Angabe allein auf Untersuchungen eines adulten Weibchens und zweier Jungtiere. Nach weiteren Untersuchungen eines männlichen adulten Schädels konnte Conti dies 1954 bestätigen. Toschi (1965) hat dies in dem mehrbändigen Werk Fauna d'Italia jedoch angezweifelt. Dies war mit ein Grund, warum Loy et al. diese Studie vornahmen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giuseppe Altobello: Fauna dell'Abruzzo e del Molise. Vertebrati, Mammiferi. Band 4: I Carnivori. Colitti, Campobasso 1921.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Anna Loy et al.: Cranial morphometrics of the Apennine brown bear (Ursus arctos marsicanus) and preliminary notes on the relationships with other southern European populations. In: Italian Journal of Zoology. Jg. 75, Nr. 1. Taylor & Francis, 2008, ISSN 0373-4137, S. 67–75 (Online [PDF]).
  2. a b c d Marsican bear found dead in Abruzzo. Italy magazine, 12. Mai 2008, abgerufen am 9. Februar 2016.
  3. a b c John Hooper: Italy battles to save the last of its wild bears. Guardian News and Media, 21. August 2004, abgerufen am 9. Februar 2016.
  4. a b c d e Paolo Ciucci, L. Boitani: The Apennine Brown Bear: A Critical Review of Its Status and Conservation Problems. In: Ursus. Jg. 19, Nr. 2, 2008, ISSN 1537-6176, S. 130–145.
  5. Alessandra Falcucci et al.: Land-cover change and the future of the Apennine brown bear. A perspective from the past. In: Journal of mammalogy. Jg. 89, Nr. 6. Oxford 2008, S. 1502–1511.