Martin Stier (Jurist)

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Martin Stier (* 3. Juni 1903 in Gemünden; † 6. Februar 1945 in Berlin) war ein deutscher Jurist. Er war als Richter beim Volksgerichtshof während des Zweiten Weltkrieges an zahlreichen Todesurteilen beteiligt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stier trat am 1. Juni 1932 der NSDAP bei (Mitglieds-Nr. 1.202.415). Seit dem 26. August 1942 gehörte er als Hilfsrichter im Rang eines Landgerichtsdirektors dem Berliner Volksgerichtshof an. Er war – zum Teil als Vorsitzender, zum Teil als Beisitzer – an der Verhängung zahlreicher Todesurteile der NS-Kriegsjustiz beteiligt, so am 27. November 1942 gegen den Schriftsteller Helmuth Klotz,[1] am 19. April 1943 gegen die Protagonisten der Widerstandsgruppe Weiße Rose Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf (Beisitzer), am 17. April 1944 gegen Alexander Westermayer,[2] am 17. April 1944 gegen den Rentner Karl Pohle (Vorsitzender),[3] am 5. September 1944 gegen Bästlein, Jacob und Saefkow (Vorsitz), am 13. September 1944 gegen Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband, Heinrich Graf zu Dohna-Schlobitten, Michael Graf von Matuschka und Hermann Wehrle (Beisitzer), am 4. Oktober 1944 gegen Ferdinand Thomas (Vorsitzender),[4] am 6. November 1944 gegen die Diakonissin Ehrengard Frank-Schultz, am 27. November 1944 gegen Erich Gloeden, Elisabeth Charlotte Gloeden und Elisabeth Kuznitzky (Beisitzer)[5] sowie am 2. Februar 1945 gegen Hans Schulz.

Stier verunglückte im Februar 1945 tödlich bei Löscharbeiten nach einem alliierten Fliegerangriff auf Berlin.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herbert Linder: Von der NSDAP zur SPD: Der politische Lebensweg des Dr. Helmuth Klotz (1894–1943), 1998, S. 325.
  2. Manfred Wilke: Der SED-Staat, 2006, S. 103.
  3. Friedrich Zipfel: Kirchenkampf in Deutschland 1933–1945 Religionsverfolgung und Selbstbehauptung der Kirchen in der nationalsozialistischen Zeit, S. 237.
  4. Adolf Reichwein. Paedagoge und Widerstandskaempfer, 1999, S. 429.
  5. Frank Bauer: Sie gaben ihr Leben: unbekannte Opfer des 20. Juli 1944. General Fritz Lindemann und seine Fluchthelfer, 1995, S. 289.