Martin Weskott

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Martin Weskott (* 1951 in Fulda) ist ein deutscher evangelischer Pfarrer.

Martin Weskott, 2016

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen ist Martin Weskott in Bückeburg in Niedersachsen. Nach dem Vorbild seines Großvaters, eines Pfarrers, der in der Nähe von Erfurt lebte, absolvierte auch Weskott ein Studium der Theologie, sowie der Philosophie, Geschichte und Soziologie. Weskott lernte als Student in der Schweiz die Brockensammlung der Heilsarmee kennen, wonach man das erhält, was andere wegwerfen.[1]

Er war von 1979 bis 2017 Pfarrer der Sankt-Johannes-Gemeinde in Katlenburg. In der von ihm gegründeten „Diakonische Initiative“ kümmerten sich 20 Mitarbeiterinnen um etwa 100 alte und kranken Menschen. Mit einem alten Bus oder zu Fuß besuchte er seine 1800 Gemeindemitglieder, oft fuhr er bis nach Göttingen ins Krankenhaus.

Bekannt wurde Weskott durch eine von ihm initiierte Buchrettungsaktion in der Zeit nach der politischen Wende in der DDR. Weskott wurde im Juni 1991 durch ein Bild in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung über eine Müllkippe in Plottendorf bei Leipzig darauf aufmerksam, dass in den Nachwendejahren in riesigen Mengen als unverkäuflich betrachtete Bücher aus Verlagen, Buchhandlungen und „abgewickelten“ Bibliotheken der DDR, darunter viele druckfrische Werke, als Makulatur einfach auf Müllhalden gekippt wurden. Weskott initiierte eine Rettungsaktion für diese Bücher. Über eine Million Bücher lagerte er neben der Kirche in einer Zehntscheune. In Deutschland bekam er den Beinamen „Bücherpastor“. Er hat über 50 Bücher veröffentlicht und ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Die Aktion nennt sich heute „Weitergeben statt wegwerfen“ und umfasst von Verlagen und Privatpersonen in Ost- und Westdeutschland aussortierte Bücher. Die Bücher werden jeden Sonntag nach dem Gottesdienst gegen eine Spende an Interessierte abgegeben sowie an Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt versandt, der Erlös geht an die Organisation Brot für die Welt. Es finden auch Lesungen von Autoren aus ihren geretteten Werken statt. Die Reihe heißt heute „Menschen und Bücher – vorgestellt und diskutiert“.

Für seine Aktion wurden Weskott zahlreiche Ehrungen zuerkannt, darunter 1993 das Bundesverdienstkreuz sowie der erste Göttinger Lorbeer der Literarischen Gesellschaft und 2008 die Karl-Preusker-Medaille der Deutschen Literaturkonferenz e.V.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. Werner Lange: Im Antiquariat der deutschen Einheit, in: Zeitschrift. Künstler zwischen Macht und Vernunft, ISSN 1436-4220, Jg. 2, Heft 2, S. 88–100, Potsdam 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Süddeutsche Zeitung: Der Bücherpastor. Abgerufen am 20. Dezember 2020.