Maschinenkarabiner

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Maschinenkarabiner (kurz MKb) ist die waffentechnische Bezeichnung für militärische vollautomatische Handfeuerwaffen mit der Möglichkeit Einzelfeuer und Feuerstöße abzugeben und dadurch Gefechtseigenschaften zu erzielen, die auf kurze Entfernung (bis 200 m) denen von Maschinenpistolen, auf mittlere (bis 400, mit Zielfernrohr auch bis 600 m) denen von Gewehren sowie im Dauerfeuer mit Feuerstößen bis zu dieser Entfernung denen von Maschinengewehren gleichkommen. Zu diesem Zweck wird meist eine Mittelpatrone verschossen. Der Begriff Sturmgewehr wurde im Zweiten Weltkrieg von der NS-Propaganda geprägt und hat sich heute durchgesetzt, vor allem über die amerikanische Bezeichnung englisch assault rifle. Das eigentlich korrekte Maschinenkarabiner gilt als veraltet.

Maschinenkarabiner haben als Rückstoß- und Gasdrucklader das selbe Ladeprinzipe wie andere Maschinenwaffen. Sie können sowohl klassisch (Rohr, Verschluß mit Verschlußbahn im Gehäuse und darunterliegendem Abzugsmechanismus und Schulterstütze) als auch in Bullpup-Bauweise aufgebaut sein.

Die Wirkung einer Waffe wird durch das Kaliber, die Ladung und die Rohrlänge bestimmt. Das Geschoss der beim Sturmgewehr 44 benutzten Patrone im Kaliber 7,92 × 33 mm kurz hatte denselben Durchmesser wie das der 8×57-IS-Patrone. Durch die reduzierte Ladung hatte sie aber einen deutlich geringeren Rückstoß.

Begriffsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Maschinenkarabiner setzt sich zusammen aus dem Bestimmungswort Maschinen- und dem Grundwort Karabiner. Ersteres bezeichnet die automatische Funktionsweise des Verschlusses. Letzteres bezeichnet äußere Gestalt und ballistische Leistung als eine Waffe mit, gegenüber normalen Gewehren, verkürztem Lauf und verminderter ballistischer Leistung. Das Wort beschreibt die entsprechenden Waffen also präziser als die Suggestivbezeichnung Sturmgewehr.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MKb 42 (W), mit Schießbecher

Die technischen Eigenschaften, die taktische Verwendung und die Geschichte der als Maschinenkarabiner bezeichneten Waffen sind Teil der Entwicklung des Sturmgewehrs. Die waffentechnische Bezeichnung Maschinenkarabiner geht bis zum Anfang der 40er Jahre mit den Vorstufen, Prototypen und Parallelentwicklungen des im Auftrag der Wehrmacht entwickelten Sturmgewehrs 44 bezeichneten.[1] Im militärischen Sprachgebrauch wurden teilweise auch solche Waffen als Maschinenkarabiner bezeichnet, die richtiger den Maschinenpistolen zuzuordnen wären. Dies trifft z. B. auf die Maschinenpistolen MKMO (Maschinenkarabiner, Militär, Hülsenauswurf: oben) und MKPO (Maschinenkarabiner, Polizei, Hülsenauswurf: oben) der SIG zu – tatsächlich der ersten Serienwaffe, die diese Bezeichnung trug, und deren Beschreibung ab 1935 den Begriff in die militärische Literatur einführte. Die Bezeichnung rechtfertigte sich durch die Verwendung der sehr starken Pistolenpatrone 9 × 25 mm, einem gewehrähnlichen Aussehen und einem langen Lauf.[2]

Gesetzeslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist es Privatpersonen verboten, vollautomatische Waffen zu besitzen.[3] Sie gelten als Kriegswaffen, deren Besitz oder Handel mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren bestraft wird.

Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich fallen Maschinenkarabiner unter die Kategorie A („Verbotene Waffen und Kriegsmaterial“) des österreichischen Waffengesetzes.[4] Damit sind der Erwerb, Besitz und das Führen für Privatpersonen grundsätzlich generell verboten. Allerdings kann der Bundesminister für Landesverteidigung laut §18 des Waffengesetzes verlässlichen Personen ab 21 Jahren eine Sondergenehmigung erteilen, zusätzlich ist eine Zustimmung des Bundesministers für Inneres notwendig[5].

Situation in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz fallen Maschinenkarabiner gemäß dem Waffengesetz, Artikel 5 unter den Begriff Seriefeuerwaffen, deren Erwerb und Besitz verboten ist. Dies gilt auch für solche, die zu halbautomatischen Waffen umgebaut worden sind. Zudem verbietet das Gesetz das Schießen mit Seriefeuerwaffen. Die kantonalen Behörden können in begründeten Einzelfällen, z. B. für Sammler, Ausnahmebewilligungen erteilen. Diese Bewilligungen enthalten Vorschriften, welche durch die Behörde regelmäßig überprüft werden. So sind u. a. Verschluss und Waffe „getrennt und vor dem Zugriff Dritter geschützt“ aufzubewahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter R. Senich: Deutsche Sturmgewehre bis 1945. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01866-7
  • Ian V. Hogg, John Weeks: Military Small Arms of the 20th Century. Expanded, updated illustrated Encyclopedia of the World's small Caliber Firearms. 7th edition. Krause Publications, Iola WI 2000, ISBN 0-87341-824-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Dieter Handrich, Sturmgewehr 44, Blaufelden 2008, insbesondere Kapitel 4 und 5.
  2. Vgl. Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Gestern (1918–1945), Bd. 2, Berlin 3. Auflage 1998, S. 392ff.
  3. Anlage 2 (zu § 2 Abs. 2 bis 4) Waffenliste, Abschnitt 1 (Verbotene Waffen), 1.2.1.1. (Vollautomaten)
  4. Bundesgesetz über die Waffenpolizei (Waffengesetz 1996 - WaffG) auf der Seite des Rechtsinformationssystems der Republik Österreich.
  5. § 18.(2): „Der Bundesminister für Landesverteidigung und Sport kann […] Ausnahmen von den Verboten des Abs. 1 bewilligen. Solche Ausnahmebewilligungen bedürfen des Einvernehmens mit dem Bundesminister für Inneres.“