Maschinenkarabiner

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Maschinenkarabiner (kurz MKb) ist die waffentechnische Bezeichnung für militärische vollautomatische Handfeuerwaffen mit der Möglichkeit Einzelfeuer und Feuerstöße abzugeben und dadurch Gefechtseigenschaften zu erzielen, die auf kurze Entfernung (bis 200 m) denen von Maschinenpistolen, auf mittlere (bis 400, mit Zielfernrohr auch bis 600 m) denen von Gewehren sowie im Dauerfeuer mit Feuerstößen bis zu dieser Entfernung denen von Maschinengewehren gleichkommen. Zu diesem Zweck wird meist eine Mittelpatrone verschossen. Umgangssprachlich wird auch der Begriff Schnellfeuergewehr benutzt. Der Begriff Sturmgewehr wurde im Zweiten Weltkrieg von der NS-Propaganda geprägt, wird aber auch heute noch umgangssprachlich benutzt.

Awtomat Fjodorowa, Modell 1916

Wesentliche Funktionsarten sind der Gasdrucklader wie beim AK-47 und der Rückstoßlader mit Rollenverschluss wie beim HK G3. Letzterer entspricht dem Verriegelungsprinzip des MG 42, jedoch mit feststehendem Lauf.

Maschinenkarabiner können sowohl klassisch oder auch in Bullpup-Bauweise aufgebaut sein; bei der Bullpup-Bauweise liegen Magazin und Verschluss hinter dem Abzug und sind in den Hinterschaft (oder Kolben) integriert, die Waffe hat damit eine kürzere Gesamtlänge als bei der klassischen Bauweise. Bekannte Bullpup-Waffen sind zum Beispiel das britische SA80 oder das österreichische Steyr AUG.

Technisch besteht ein Maschinenkarabiner aus dem Lauf (Rohr) mit Patronenlager, dem Gehäuse, in dem sich der Verschluss durch den Gasdruck einer abgefeuerten Patrone bewegt, die Hülse auszieht und eine neue Patrone aus dem Magazin zuführt, und der Abzugseinheit sowie dem Hinterschaft und um oder unter dem Lauf dem Vorderschaft oder Handschutz. Zusätzlich gehören zur Waffe die Zieleinrichtung mit Kimme und Korn oder einem Leuchtpunktvisier und oder einem Zielfernrohr sowie weitere Anbauteile.

Die Wirkung der Waffe wird im Wesentlichen durch das Kaliber und die Rohrlänge bestimmt, die in Verbindung mit dem Kaliber die Reichweite der Waffe bestimmt. Die beim Sturmgewehr 44 benutzte Patrone im Kaliber 7,92 × 33 mm kurz wies den gleichen Kaliberquerschnitt wie die 8 × 57 IS auf, aber bei reduzierter Ladung und damit reduziertem Rückstoß. Die Leistung letzterer mit bis zu 1200 m Reichweite war überdimensioniert.

Begriffsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Maschinenkarabiner setzt sich zusammen aus dem Bestimmungswort Maschinen- und dem Grundwort Karabiner. Ersteres bezeichnet die automatische Funktionsweise des Verschlusses. Letzteres bezeichnet äußere Gestalt und ballistische Leistung als eine Waffe mit, gegenüber normalen Gewehren, verkürztem Lauf und verminderter ballistischer Leistung. Das Wort beschreibt die entsprechenden Waffen also präziser als die Suggestivbezeichnung Sturmgewehr.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MKb 42 (W), mit Schießbecher

Die technischen Eigenschaften, die taktische Verwendung und die Geschichte der als Maschinenkarabiner bezeichneten Waffen sind Teil der Entwicklung des Sturmgewehrs. Die waffentechnische Bezeichnung Maschinenkarabiner geht bis zum Anfang der 40er Jahre mit den Vorstufen, Prototypen und Parallelentwicklungen des im Auftrag der Wehrmacht entwickelten Sturmgewehrs 44 bezeichneten.[1] Im militärischen Sprachgebrauch wurden teilweise auch solche Waffen als Maschinenkarabiner bezeichnet, die richtiger den Maschinenpistolen zuzuordnen wären. Dies trifft z. B. auf die Maschinenpistolen MKMO (Maschinenkarabiner, Militär, Hülsenauswurf: oben) und MKPO (Maschinenkarabiner, Polizei, Hülsenauswurf: oben) der SIG zu – tatsächlich der ersten Serienwaffe, die diese Bezeichnung trug, und deren Beschreibung ab 1935 den Begriff in die militärische Literatur einführte. Die Bezeichnung rechtfertigte sich durch die Verwendung der sehr starken Pistolenpatrone Mauser 9 × 25 mm, einem gewehrähnlichen Aussehen und einem langen Lauf.[2]

Gesetzeslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist es Privatpersonen verboten, vollautomatische Waffen zu besitzen.[3] Sie gelten als Kriegswaffen, deren Besitz oder Handel mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren bestraft wird.

Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich fallen Maschinenkarabiner unter die Kategorie A ("Verbotene Waffen und Kriegsmaterial") des österreichischen Waffengesetzes[4]. Damit sind der Erwerb, Besitz und das Führen für Privatpersonen grundsätzlich generell verboten. Allerdings kann der Bundesminister für Landesverteidigung laut §18 des Waffengesetzes verlässlichen Personen ab 21 Jahren eine Sondergenehmigung erteilen, zusätzlich ist eine Zustimmung des Bundesministers für Inneres notwendig[5].

Situation in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz fallen Maschinenkarabiner gemäß dem Waffengesetz, Artikel 5 unter den Begriff Seriefeuerwaffen, deren Erwerb und Besitz verboten ist. Dies gilt auch für solche, die zu halbautomatischen Waffen umgebaut worden sind. Zudem verbietet das Gesetz das Schießen mit Seriefeuerwaffen. Die kantonalen Behörden können in begründeten Einzelfällen, z. B. für Sammler, Ausnahmebewilligungen erteilen. Diese Bewilligungen enthalten Vorschriften, welche durch die Behörde regelmäßig überprüft werden. So sind u. a. Verschluss und Waffe „getrennt und vor dem Zugriff Dritter geschützt“ aufzubewahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter R. Senich: Deutsche Sturmgewehre bis 1945. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01866-7
  • Ian V. Hogg, John Weeks: Military Small Arms of the 20th Century. Expanded, updated illustrated Encyclopedia of the World's small Caliber Firearms. 7th edition. Krause Publications, Iola WI 2000, ISBN 0-87341-824-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Dieter Handrich, Sturmgewehr 44, Blaufelden 2008, insbesondere Kapitel 4 und 5.
  2. Vgl. Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Gestern (1918-1945), Bd. 2, Berlin 3. Auflage 1998, S. 392ff.
  3. Anlage 2 (zu § 2 Abs. 2 bis 4) Waffenliste, Abschnitt 1 (Verbotene Waffen), 1.2.1.1. (Vollautomaten)
  4. Bundesgesetz über die Waffenpolizei (Waffengesetz 1996 - WaffG) auf der Seite des Rechtsinformationssystems der Republik Österreich.
  5. § 18.(2): "Der Bundesminister für Landesverteidigung und Sport kann [...] Ausnahmen von den Verboten des Abs. 1 bewilligen. Solche Ausnahmebewilligungen bedürfen des Einvernehmens mit dem Bundesminister für Inneres."