Maurice (Roman)

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Maurice ist ein Roman des britischen Schriftstellers E. M. Forster (1879–1970), erstmals veröffentlicht postum im Jahr 1971.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maurice erzählt die Geschichte eines jungen Mannes aus der Mittelklasse, der in der spätviktorianischen Gesellschaft Großbritanniens nach seiner Identität sucht. Sein Bedürfnis einen Mann zu lieben, wird von seiner Umgebung tabuisiert, ignoriert oder bestenfalls als Krankheit wahrgenommen.

Der Roman beginnt vor dem 15. Geburtstag der Hauptperson. Der Leser verfolgt Maurice’ Leben durch Internat, die Universität Cambridge bis hin zur Maklerfirma seines verstorbenen Vaters.

Maurice ist gut gewachsen, gesund, sportlich, am Beginn seiner beruflichen Karriere. Dies macht es ihm leicht, sich nach außen hin als heterosexueller Mann auszugeben. Doch in seinen Träumen, in seinen zunächst nur halb begriffenen Wünschen fühlt er anders. Im gleichen Maß, wie sich sein äußerliches, bürgerliches Leben den gesellschaftlich vorgegebenen Strukturen einfügt und anpasst, wird Maurice sich seiner Homosexualität bewusst.

Als Student in Cambridge erlebt Maurice ein tiefgreifendes emotionales und sexuelles Erwachen. Er verliebt sich in seinen Kommilitonen Clive. Es kommt aber nie zum Sex zwischen den beiden jungen Männern. Letztlich scheitert die Beziehung, als Clive beschließt, zu heiraten. Clive ergibt sich dem gesellschaftlichen Druck und verleugnet seine Homosexualität. Maurice versucht vergeblich, seine sexuellen Wünsche ebenfalls zu überwinden. Weder der väterliche Rat (oder eher: das väterliche Unverständnis) des Hausarztes, noch die Versuche eines Hypnotiseurs können ihm helfen: Maurice verliebt sich in Alec Scudder, den Wildhüter auf Clives Landsitz Penge. Der Roman endet unrealistisch, aber glücklich. Forster schrieb, dass das „Happy Ending“ zwar nicht plausibel erscheine, er habe aber nicht gewollt, dass der Romanheld scheitere.

Postume Veröffentlichung und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschrieben 1913–1914, hielt Forster seinen Roman mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Öffentlichkeit geheim. Nur ihm sehr nahestehende Freunde durften das Manuskript lesen. Forster verfügte in seinem Testament, den Roman erst ein Jahr nach seinem Tode zu veröffentlichen. Es existieren zwei Fassungen des Romans. Auf das Deckblatt des ersten Manuskripts hatte Forster 1914 den Satz „Publishable – but worth it?“ („Zur Veröffentlichung geeignet – aber ist es das wert?“) geschrieben. Er widmete das Buch „einer glücklicheren Zeit“. 1960 erstellte Forster mit der Schreibmaschine ein weiteres Manuskript des Romans, das teilweise erheblich von der handschriftlichen Fassung abwich. Dieses zweite Manuskript wurde schließlich für die Veröffentlichung 1971 verwendet.

Die Figur des „queerenRisley basiert auf Lytton Strachey und die des keuschen Clive auf H. O. Meredith, in welchen sich Forster während seiner Zeit in Cambridge verliebte. Alle drei waren Mitglieder der Cambridge Apostles.[1]

Der Roman wurde von Ismail Merchant und James Ivory verfilmt, siehe Maurice (Film).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nikolai Endres: Cambridge Apostles, HTML-Seite 2, 2005, Version vom 4. April 2007; in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture