Max-Josef-Metzger-Platz

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Max-Josef-Metzger-Platz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Max-Josef-Metzger-Platz
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Wedding
Angelegt 19. Jahrhundert
Neugestaltet 20. Jahrhundert,
2017–2018
Einmündende Straßen Gerichtstraße (nördlich),
Burgsdorfstraße (südöstlich, Fußweg),
Müllerstraße (südwestlich)
Bauwerke Trümmerstele, Gedenkstein
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer
Platzgestaltung 1862, 1887 (nach Gustav Meyer),
1954 (nach Plänen des damaligen Bezirksamtes Wedding)
Technische Daten
Platzfläche 12.640 m²

Der Max-Josef-Metzger-Platz ist ein Stadtplatz im Berliner Ortsteil Wedding. Der dreieckige Platz entstand im Jahr 1862 nach Plänen des Stadtbaurates James Hobrecht.[1] Seit dem 21. April 1994 trägt der Platz seinen Namen im Gedenken an Pfarrer Max Josef Metzger (1887–1944).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich zwischen den Landwegen nach Tegel (Müllerstraße) und Reinickendorf (Reinickendorfer Straße) und einem Feldweg, der heutigen Gerichtstraße, befand sich im 19. Jahrhundert noch eine zusammenhängende Ackerfläche, die auch mit der niederen königlichen Jagdgerechtigkeit (Hasen, Füchse, Rehwild, Rebhühner) belegt war. Zudem standen auf dem hügeligen Gelände drei Windmühlen, die der Müllerstraße u. a. ihren Namen gaben. Die Fläche wurde seit 1822 von dem Gärtner M. F. Freudenberg landwirtschaftlich genutzt.

Platz C, Abt. X/1 im Nordwesten der zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche im Hobrechtplan, im Südosten der Weddingplatz

Mit dem Hobrecht-Plan von 1862 wurde die ländliche Gegend mit der typischen Berliner Blockrandbebauung beplant. Von der ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche blieben nur der heutige Dreiecksplatz (Arbeitstitel: Platz C, Abt. X/1) sowie der Weddingplatz als Freifläche erhalten. Die zunehmende Bebauung des Weddings führte zu wachsenden Verwüstungen auf dem Grundstück des noch landwirtschaftlich genutzten Platzes. Insbesondere die Schüler der nahegelegenen Schule ließen sich durch Dornenhecken, Bretterzäune, Wassergräben und Erdwälle nicht davon abhalten, die Ernte zu stehlen.[1]

Im Jahr 1875 erwarb der Magistrat das Grundstück. Ein Teil hatte wegen seiner tieferen Lage nur noch als Auffangbecken für Abwasser gedient. Die Polizei beantragte daher aus hygienischen und ästhetischen Gründen eine Grünfläche anzulegen. Der Gartenbaudirektor Gustav Meyer erhielt den Auftrag, die nutzbare Fläche als Schmuckplatz zu gestalten. Da der fertiggestellte Platz keinen Namen hatte, hieß er im Volksmund „Lausepark“ oder einfach „Meyerpark“. Am 3. Dezember 1887 erhielt er auf Wunsch des Bürgermeisters Wilhelm Griebenow den Namen Courbièreplatz nach dem preußischen Generalfeldmarschall Wilhelm René de l’Homme de Courbière, der sich 1807 während des allgemeinen Zusammenbruchs Preußens durch die erfolgreiche Verteidigung der Festung Graudenz gegen die Truppen Napoleons ausgezeichnet hatte. Durch die Erbschaft des Regierungsbeamten Edwin Fischer konnte 1920/21 im nordöstlichen Bereich ein Kinderspielplatz angelegt werden.

Nachdem der Platz im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, fungierte der ehemalige Schmuckplatz als Müllkippe und Schuttplatz. Unter anderem wurden hier auch Waffen und Munition entsorgt, sodass bei der Umgestaltung 2017 noch mindestens 250 Kilogramm Munition, Waffen, Granaten und Brandbomben gefunden wurden.[2] 1949/50 wurde mit der Neuplanung begonnen. Der Weddinger Gartendirektor Günther Rieck ergänzte den noch erkennbaren Meyerschen Grundriss durch Gestaltungselemente der 1920er Jahre. Die vormals nach barocken und landschaftlichen Vorbildern gestaltete Anlage wurde nun zur funktionalen Grünanlage.

Im Jahr 1970 erhielt der Platz durch Gerhard Croon im Wesentlichen seine heutige Gestalt. Das Konzept im Stil der 1950er und 1960er Jahre trennt Blumenbeete, Liegewiese, Spiel- und Ruhebereiche durch orthogonale Wegeführung klar nach ihrer Funktion. Der letzte Umbau erfolgte Anfang der 1980er Jahre im Bereich des Kinderspielplatzes. Zum Anlass des 50. Todestages des Priesters Max Josef Metzger, der in den Kriegsjahren im Wedding gelebt und in der benachbarten St.-Joseph-Kirche gewirkt hatte und am 17. April 1944 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, erhielt der Platz am 21. April 1994 den Namen Max-Josef-Metzger-Platz.

In den 2010er Jahren entstanden Überlegungen, den Platz neu zu gestalten. Für die Sanierung standen im Rahmen des Förderprogramms Aktive Zentren eine Million Euro zur Verfügung.[3][4] Im Januar 2015 wurde ein öffentlicher Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes ausgeschrieben,[5] woraufhin im Oktober 2015 der Entwurf der Landschaftsarchitekten bgmr aus Berlin und Leipzig „zur Realisierung empfohlen“ wurde. Der Gedenkstein und die Trümmerstele sollen bestehen bleiben.[6]

Bis Mitte 2017 waren die Sanierungskosten auf 2,5 Millionen Euro angestiegen,[2] vor allem wegen der Beräumung von Kampfmitteln und der Altlastenentsorgung. Nach Abschluss der vorbereitenden Arbeiten begannen die Baumaßnahmen zur Neugestaltung im Herbst 2017.[7]

Trümmerstele und Gedenkstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trümmerfrauen-Stele

Zur Neugestaltung in den 1950er Jahren gehörte die zwölf Meter hohe Trümmersäule von Gerhard Schultze-Seehof, die mit 40.000 Mosaiksteinen aus Trümmerschutt die damalige Vorstellung von Sklaverei, Zerstörung, Aufbau bzw. Wiederaufbau Berlins und Demokratie widerspiegeln soll, jeweils auf einer Seite der Stele dargestellt. Sie erinnert ebenfalls an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, als Arbeiter aus Hennigsdorf durch die Weddinger Müllerstraße in Richtung Ost-Berlin gezogen waren.[1]

Die Stele entstand aus abgeklopften Ziegelsteinen in den Farben Weiß, Gelb, Rot und rußiges Schwarz von kriegszerstörten abgerissenen Häusern der näheren Umgebung.[8] Den Namen Trümmerstele erhielt sie bei ihrer amtlichen Einweihung durch den damaligen Weddinger Bürgermeister Walter Röber am 20. Juni 1954. Der Name bezieht sich sowohl auf das Baumaterial als auch auf den Anlass, denn bei der Einweihung wurden ausdrücklich die Aufbauleistungen der Trümmerfrauen hervorgehoben.[9]

Gedenkstein für Metzger

Für den Namensgeber des Platzes wurde ein weiterer Gedenkstein enthüllt, der von dem Berliner Künstler Ajit Kai Dräger entworfen und gestaltet wurde. Eine schräg aus dem Boden ragende viereckige Säule aus Granit trägt ein Zitat von Metzger: „Ich habe Gott mein Leben angeboten für den Frieden der Welt.“

Platzanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine am Hauptweg zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgestellte Informationstafel gibt Hinweise auf den Namensgeber des Platzes und auf einige der angepflanzten Gewächse. Gleichzeitig sind die Standorte der Stelen eingetragen. Im Ostdreieck des Platzes befindet sich ein Spielplatz, die derzeit noch (Stand: 2014) unübersichtliche Wegeführung nur an den Rändern soll mit der geplanten Neugestaltung verbessert werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Max-Josef-Metzger-Platz: Nur scheinbar unscheinbares Grün… In: weddingweiser.de. 7. März 2013, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  2. a b Dirk Jericho: Bombensicher bauen: Sprengmeister überwachen Arbeiten auf Max-Josef-Metzger-Platz. In: Berliner Woche. Berlin 19. Juni 2017 (berliner-woche.de [abgerufen am 20. Juni 2017]).
  3. Sportpark am Arbeitsamt: Max-Josef-Metzger-Platz wird neu gestaltet. In: Berliner Woche. Abgerufen am 2. Oktober 2016.
  4. Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet Wedding-Müllerstraße – Max-Josef-Metzger Platz. In: muellerstrasse-aktiv.de. Bezirksamt Mitte von Berlin, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  5. Neugestaltung des Max-Josef-Metzger-Platzes. Auf: competitiononline.com; abgerufen am 3. Oktober 2016.
  6. Zeichnung für die Umgestaltung des M.-J-Metzger-Platzes; abgerufen am 3. Oktober 2016.
  7. Neugestaltung Max-Josef-Metzger-Platz - Baubeginn. Bezirksamt Mitte, 29. September 2017, abgerufen am 3. Oktober 2017.
  8. Angela M. Arnold (Hrsg.): Trümmerbahn und Trümmerfrauen aus der Reihe BruchStücke. Omnis Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-933175-57-7, S. 169.
  9. Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim (Hrsg.): Trümmer, Bahnen und Bezirke. Selbstverlag, Berlin 2002, ISBN 3-00-009839-9, S. 250.

Koordinaten: 52° 32′ 39,9″ N, 13° 21′ 50,4″ O