Max Baumann (Komponist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Max Baumann (* 20. November 1917 in Kronach, Oberfranken; † 17. Juli 1999 in Berlin) war ein deutscher Komponist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus von Max Baumann, Martinsplatz 10 in Kronach[1]

Max Baumann wurde als Sohn eines Musiklehrers geboren. Er erhielt seinen ersten Musikunterricht im Elternhaus. Er begann sein Musikstudium in Halle, fortgeführt als Privatstudium bei Otto Dunkelberg in Passau.[2] Anschließend studierte er in Berlin unter den Bedingungen des Nationalsozialismus an der Hochschule für Musik Dirigieren, Klavier und Posaune sowie Komposition bei dem Hindemith-Schüler Konrad Friedrich Noetel,[3] später bei Boris Blacher.

Von 1947 bis 1949 war er Chordirektor und stellvertretender Kapellmeister an der Oper in Stralsund.[4] Von 1946 bis zu seiner Emeritierung 1978 lehrte Baumann zunächst Klavier, später vor allem Tonsatz an der Berliner Musikhochschule. 1960 wurde er zum Professor berufen.

Auch als Dirigent und Chorleiter trat Baumann in Erscheinung und war nach dem Tod Karl Forsters 1963 interimistischer Leiter des Chors der St. Hedwigs-Kathedrale. 1955 konvertierte er zum katholischen Glauben.[5] Die Begegnung mit dem französischen Organisten Jean Guillou Anfang der 1960er Jahre in Berlin veranlasste Baumann, der bis dahin nicht für die Orgel komponiert hatte, sich mit diesem Instrument auseinanderzusetzen, und er schrieb 1962 Invocation op. 67 Nr. 5, Trois pièces brèves op. 67 Nr. 6 und Psalmi op. 67 Nr. 2. Diese drei Werke wurden am 20. Januar 1963 in einem Konzert in St. Matthias in Berlin-Schöneberg von Jean Guillou uraufgeführt.[6] Bis zu seinem Tod lebte er in Berlin.

Baumanns kompositorisches Schaffen umfasst nahezu alle Gattungen der Musik, jedoch nimmt die Orgelmusik und vor allem die geistliche Vokalmusik in seinem Werk einen weiten Raum ein. Letztere reicht vom einfachen gleichstimmigen Lied über A-cappella-Messen und Doppelchöre bis hin zu abendfüllenden Chorwerken wie der Passion op. 63 (1959) oder dem Oratorium Auferstehung op. 94 (1980) nach Texten der Heiligen Schrift und der Liturgie.[7]

Max Baumann starb am 17. Juli 1999 im Alter von 81 Jahren in Berlin. Seinen umfangreichen künstlerischen Nachlass hatte die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin bereits drei Jahre zuvor erworben.[8] Wenige Monate nach seinem Tod gründete sich in Berlin die Max-Baumann-Gesellschaft, die das Werk des Komponisten dauerhaft lebendig halten will. Sie unterstützt geplante Konzertaufführungen und Neudrucke in Musikverlagen, CD-Einspielungen und wissenschaftliche Arbeiten über Baumann. Mitbegründerin und Präsidentin der Gesellschaft ist die Musikwissenschaftlerin und Komponistin Adelheid Geck,[9] die bereits 1992 Mitherausgeberin der Festschrift zur Vollendung von Baumanns 75. Lebensjahr gewesen war.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ankunft des Herrn op. 66 (1959), Adventszyklus für 4–8stimmigen gem. Chor
  • Invocation op. 67 Nr. 5 für Orgel
  • Trois pièces brèves op. 67 Nr. 6 für Orgel
  • Psalmi op. 67 Nr. 2 für Orgel
  • Auferstehung op. 94 (1980) für Sopran, Bariton, Bass, Sprecher, Sprecherin, Sprechchor, Chor und großes Orchester
  • Change of Scenes op. 83 (1968) für Flöte und Klavier
  • Concertino für Blockflöte, Gitarre und Zupforchester op. 38 Nr. 2
  • Deutsche Vesper op. 64 (1960) für Sopran, Sprecher ad lib., Chor und Orchester
  • Duo op. 62,1 (1958) für Violoncello und Gitarre
  • Drei Duos op. 40 (1953) für 2 Violinen
  • Drei kleine Klavierstücke op. 35 (um 1954)
  • Fünf Gesänge op. 9 (1947) für Bariton und Klavier
  • Konzert für Klavier und Orchester op. 36 (1953)
  • Konzert für Orgel, Streicher und Pauken op. 70 (1964)
  • Libertas cruciata. Dramatische Kantate, op. 71 (1963) für Soli, Sprecher, Sprechchor, Chor und großes Orchester
  • Oktett für Streicher, Klarinette, Fagott und Horn op. 72 (1964)
  • Orchester-Variationen op. 29 (1951)
  • Pater Noster op. 51 (1955) für gemischten Chor
  • Pélleas und Mélisande. Ballett (nach Maurice Maeterlinck) op. 44 (1954)
  • Perspektiven I op. 55 (1957) für großes Orchester
  • Schutzengel-Messe op. 50 (1955) für gem. Chor (Orgel ad lib.)
  • Serenata danzante italiana für Zupforchester
  • Sinfonie Nr. 1 op. 14 (1949)
  • Sinfonie Nr. 2 op. 15 (1950)
  • Sonate für Violoncello und Klavier op. 8 (1947)
  • Sonatine op. 13 (1949) für Violine und Klavier
  • Sonatine für Orgel op. 74 (1963)
  • Streichquartett Nr. 3 op. 33 (1953)
  • Tafelmusik für Zupforchester

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adelheid Geck-Böttger, Johannes Overath (Hg.): Te decet hymnus. Festgabe für Max Baumann zur Vollendung des 75. Lebensjahres. Academia-Verlag, Sankt Augustin 1992, ISBN 3-88345-373-0.
  • Michael Kubik: Nachruf für das BDZ-Mitglied Max Baumann. In: Zupfmusikmagazin, Jg. 4/99, S. 154.
  • Johannes Laas: Das geistliche Chorwerk Max Baumanns. Kirchenmusik im Spannungsfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77720-1 (Diss., Universität der Künste Berlin, 2012).
  • Michaela C. Hastetter: Licht fließt am Himmel. Zum 100. Geburtstag des Komponisten Max Baumann (1917–1999). Edition Sankt Ottilien, Sankt Ottilien 2019, ISBN 978-3-8306-7940-0.
  • Ludger Stühlmeyer: Profile: Max Baumann. In: Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg. Periodikum des Erzbischöflichen Ordinariats, Bamberg Dezember 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Löffler: Erinnerung an Kronachs großen Sohn. Neue Presse Coburg, 17. November 2019, abgerufen am 17. November 2019.
  2. Johannes Laas: Das geistliche Chorwerk Max Baumanns. Schöningh, Paderborn 2013, S. 29–32.
  3. Johannes Laas: Das geistliche Chorwerk Max Baumanns. Schöningh, Paderborn 2013, S. 37.
  4. Johannes Laas: Das geistliche Chorwerk Max Baumanns. Schöningh, Paderborn 2013, S. 54–55.
  5. Adelheid Geck-Böttger: Max Baumann. Weg und Werk. In: Adelheid Geck-Böttger, Johannes Overath (Hg.): Te decet hymnus. Festgabe für Max Baumann zur Vollendung des 75. Lebensjahres. Academia-Verlag, Sankt Augustin 1992, S. 27–77, hier 56.
  6. Oliver Hilmes: Berlin "Ecke Nollendorfplatz". In: Jörg Abbing (Hg.): Die Rhetorik des Feuers. Festschrift Jean Guillou. Musikverlag Dr. J. Butz, Bonn 2010, S. 100–111.
  7. Zur Passion (op. 63) siehe Johannes Laas: Das geistliche Chorwerk Max Baumanns. Schöningh, Paderborn 2013, S. 133–154, zur Auferstehung (op. 94) siehe ebenda S. 327–350.
  8. Baumann, Max. In: staatsbibliothek-berlin.de. 20. November 1917, abgerufen am 11. August 2020.
  9. Über uns. In: max-baumann-gesellschaft.de. Abgerufen am 11. August 2020.