Allgemeiner Cäcilien-Verband für Deutschland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Namenspatronin Sankt Cäciliä
Hl. Cäcilia in der Rosette der Pfarrkirche St. Laurentius Sommerau

Der Allgemeine Cäcilien-Verband (abgekürzt ACV) wurde 1868 in Bamberg als Allgemeiner Deutscher Cäcilienverein gegründet und ist ein Chorverband der katholischen Kirche. Der Dienstsitz des ACV für Deutschland, der etwa 15.000 katholische Chöre vertritt, befindet sich in Regensburg. Schutzpatronin der katholischen Kirchenmusik und Namenspatronin des Verbandes ist die heilige Cäcilia von Rom, eine frühchristliche Jungfrau und Märtyrin.

Der Verband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut seiner Satzung ist der Verband ein privater kirchlicher Verein gemäß Can. 298 § 1 CIC und tätig im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz. 1870 erhielt er die Approbation durch Papst Pius IX. In dem Breve Multum ad movendos animos vom 16. Dezember 1870 ist nicht nur der Name des Verbandes festgelegt – Associatio sub titulo Sanctae Caeciliae pro universis Germanicae linguis Terris („Allgemeiner Cäcilien-Verband für die Länder der deutschen Sprache“) –, sondern auch seine internationale Zusammensetzung und seine kirchenrechtliche Stellung. Diese päpstliche Approbation wurde durch die Bestellung von Kardinalprotektoren ergänzt, die eine Aufsichts- und Vermittlerfunktion zwischen Verband und dem Heiligen Stuhl einnahmen. Ab 1970 wurde dieses Amt nicht wieder besetzt.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) setzte eine Entwicklung ein, die letztlich dazu führte, dass der Allgemeine Cäcilien-Verband für die Länder der deutschen Sprache in drei selbständige Landesverbände (Deutschland, Österreich, Schweiz) geteilt wurde, die allerdings in der „Ständigen Konferenz der Allgemeinen Cäcilienverbände der Länder deutscher Sprache (SK-ACV)“ weiter zusammenarbeiten.

Der ACV fördert die Kirchenmusik durch kirchenmusikalische Tagungen und Veröffentlichungen. Der Verband gibt Anregungen zu kirchenmusikalischen Kompositionen und Forschungen. Er pflegt Kontakte zur evangelischen Kirche, dem Deutschen Musikrat und der Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände (BDC). 1951 wurde die Arbeitsgemeinschaft Pueri Cantores gegründet.[1]

Präsident der deutschen Sektion ist Marius Schwemmer, Geschäftsführer ist Oswald Freudenreich (Regensburg). Zielsetzung und Aufgabenstellung kann man mit dem Motto seines Gründers Franz Xaver Witt umschreiben: „Wir wollen nichts anderes als die praktische Durchführung dessen befördern, was die Kirche über die Musik angeordnet hat“. Die Liturgie soll „vor Entstellungen, vor Verfremdungen geschützt und in ihrer ursprünglichen Schönheit erhalten“ werden.

Österreichische Kirchenmusikkommission (ACV für Österreich)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dienstsitz ist in Salzburg.

Schweizerischer Katholischer Kirchenmusikverband (ACV für die Schweiz)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizerische Katholische Kirchenmusikverband (SKMV) wurde 1988 als Landesverband für die deutschsprachige Schweiz gegründet.

Kardinalprotektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generalpräsides des ACV und Präsidenten des ACV für Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1868–1888: Franz Xaver Witt (1834–1888)
  • 1889–1899: Friedrich Schmidt (1840–1923)
  • 1899–1910: Franz Xaver Haberl (1840–1910)
  • 1910–1926: Hermann Müller (1868–1932)
  • 1926–1929: Karl Weinmann (1873–1929)
  • 1930–1943: Johannes Mölders (1881–1943)
  • 1943–1948: vakant
  • 1948–1954: Friedrich Frei (1883–1959)
  • 1954–1964: Johannes Overath (1913–2002)
  • 1964–1971: P. Wilhelm Lueger CSsR (1911–1971)
  • 1972–1984: Joseph Anton Saladin (1908–1996); stellvertretender Generalpräses 1972–1974
  • 1984–1989: Udo Hildenbrand (* 1943); gewählter Generalpräses 1984–1985, kommissarischer Präses für Deutschland 1986–1989
  • 1989–2018: Wolfgang Bretschneider (* 1941); kommissarischer Präses für Deutschland 1989–1991, Präsident des ACV für Deutschland seit 1991
  • Ab 2018: Marius Schwemmer (* 1977); die Vorstandswahl fand wegen des ACV-Jubiläums 2018 bereits im November 2017 statt.[2]

Ehrenzeichen und Medaillen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb des Verbandes gibt es die Möglichkeit, verdiente Mitglieder oder Chöre auszuzeichnen:

Name Beschreibung Besonderheiten
Cäcilienabzeichen Das Abzeichen ist ein Ehrenzeichen und wird als Auszeichnung für langjährige Kirchenchormitgliedschaft oder an Kirchenmusikerjubiläen verliehen. Das Cäcilienabzeichen gibt es in einfacher Ausführung (ohne Kranz) und mit Silber- (25. Jubiläum) oder Goldkranz (40-jährige Mitgliedschaft) sowie mit der Zahl 50, 60 und 70 auf dem Kranz. Die Ehrenzeichen selbst sind aus Messing, versilbert bzw. vergoldet und ca. 10×10 mm groß.
Palestrina-Medaille Die Palestrina-Medaille wurde 1968 aus Anlass der Hundertjahrfeier des Allgemeinen Cäcilienverbandes für die Länder der deutschen Sprache gestiftet. Sie wird allen aktiven Kirchenchören verliehen, die eine kirchenmusikalische Tätigkeit von mindestens einhundert Jahren nachweisen können.
Ambrosius-Medaille Die Ambrosius-Medaille des ACV, die im Gedenken an den hl. Mailänder Bischof Ambrosius geschaffen wurde, kann an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich über ihren Tätigkeitsbereich hinaus in außergewöhnlichem Engagement hauptberuflich oder ehrenamtlich um die Kirchenmusik verdient gemacht haben. Der Antrag auf Verleihung kann durch den Ortspfarrer gestellt werden.
Zelter-Plakette Die Zelter-Plakette wurde im Jahr 1956 als Auszeichnung für Chorvereinigungen, die sich in langjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes und damit um die Förderung des kulturellen Lebens erworben haben von Bundespräsident Theodor Heuss gestiftet. Die Zelter-Plakette wird frühestens aus Anlass des einhundertjährigen Bestehens eines Chores auf dessen Antrag durch den Bundespräsidenten verliehen.
Orlando-di-Lasso-Medaille Die Orlando di Lasso-Medaille bedeutet die höchste Auszeichnung des Verbandes und wird nur in besonderen Fällen aufgrund herausragender kirchenmusikalischer Verdienste auf musikforschendem, kompositorischem, musikkulturellem wie musikerzieherischem Gebiet verliehen. Eine Verleihung erfolgt durch einstimmigen Beschluss der Präsidenten der Landesverbände.
ACV Verdienstnadel Mit der Nadel und einer dazugehörigen Urkunde soll ein besonderer Einsatz im Bereich der Kirchenmusik gewürdigt werden. Mit der Verdienstnadel können beispielsweise Organisten/innen, Chorvorstände oder Kassenwarte ausgezeichnet werden. Die Verleihung der Auszeichnung kann formlos beim ACV beantragt werden.
Musikdirektor ACV Der Titel würdigt hervorragende künstlerische und pädagogische kirchenmusikalische Leistungen in einem Zeitraum von in der Regel mindestens 10 Jahren. Der Titel ist ein Leistungszertifikat in Ergänzung zu Diplomen und anderen musikalischen Abschlüssen. Der Verleihung geht ein Prüfungsverfahren durch eine Kommission, bestehend aus dem Präsidium des ACV und ggf. einem Einzelmitglied aus dem Fachbeirat des ACV voraus.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Fachzeitschrift für katholische Kirchenmusik gibt der ACV Schriften, Notenausgaben und Tonträger heraus.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Chorverband Pueri Cantores e. V. Abgerufen am 6. August 2019.
  2. Marius Schwemmer neuer Präsident des ACV. Allgemeiner Cäcilien-Verband für Deutschland, abgerufen am 15. November 2017.
  3. Publikationen. In: acv-deutschland.de. Allgemeiner Cäcilien-Verband für Deutschland, abgerufen am 6. August 2019.