Max Imdahl

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Max Imdahl (* 6. September 1925 in Aachen; † 11. Oktober 1988 in Bochum) war ein deutscher Kunsthistoriker, der sich besonders der veranschaulichenden Interpretation der Kunst der Moderne und der Reflexion der Methoden kunsthistorischer Forschung widmete.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Max Imdahl war der Sohn des Bankdirektors Hermann Peter Josef Imdahl (1876–1953) und der Emilie (Niny), geborene Krabbel (1889–1969), Schwester der Frauenrechtlerin Gerta Krabbel und Bruder des Chirurgen Max Krabbel.

Max Imdahl verstand sich zunächst vor allem als Maler und fand mit einem frühen Bild (Schmerzensmann) auch öffentliche Anerkennung (Blevin-Davis-Preis). Er wandte sich dann jedoch fast ganz der Kunstgeschichte zu; erst in seinen letzten Lebensjahren hat er wieder intensiver gemalt.

Imdahl lehrte von 1965 bis zu seinem Tod 1988 Kunstgeschichte als erster Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte an der neugegründeten Ruhr-Universität Bochum. Er war zugleich auch Leiter der modernen Abteilung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität. Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählten die Ottonik, die Malerei Giottos, die Malerei des niederländischen Barock und der französischen Klassik und die Kunstentwicklung seit dem späten 19. Jahrhundert. Besonders interessierte Imdahl die theoretische Debatte über die künstlerischen Gestaltungsmittel Farbe und Linie von den Diskursen an den frühneuzeitlichen Akademien bis ins frühe 20. Jahrhundert. Als einer der ersten deutschen Universitätslehrer überhaupt hat Imdahl mit Nachdruck die neuere und neueste Kunst als selbstverständliche Gegenstandsbereiche der Kunstgeschichte vertreten.

Max Imdahl stand kunstgeschichtlichen Methoden ohne Sinn für die Besonderheiten des einzelnen Kunstwerks kritisch gegenüber. Seine Lehre und seine Schriften zeichnen sich durch intensive Bildanalysen in einem beschreibenden und deutenden Nachvollzug einzelner Werke aus. Seiner Methode bildgerechter Interpretation gab er den Namen Ikonik. Erst in der Uneinholbarkeit des Kunstwerkes durch die Sprache werde dessen genuin bildgestifteter Sinn erfahrbar. Entsprechend zeigen Imdahls Texte ausgeprägte Begriffsreflexion und größte sprachliche Sorgfalt.

In seinem eigenen Fach wurde Imdahl noch bis Anfang der 1980er Jahre als Außenseiter gesehen. Die Traditionalisten werteten seinen methodischen Ansatz als Angriff auf die seinerzeit dominierenden Methoden der Stil- und Formgeschichte und der Ikonografie und Ikonologie; auch lehnten sie die Beschäftigung mit aktueller Kunst ab. Marxistische Interpreten um und nach 1968 warfen seinen Bildanalysen mangelndes historisches Bewusstsein vor und kritisierten seine Vorliebe für die Konkrete (gegenstandsfreie) Kunst westlicher Provenienz. Unterstützung für seine Überlegungen fand Imdahl hingegen bei Philosophen, katholischen Theologen und in der Forschergruppe „Poetik und Hermeneutik“, der er selbst angehörte.

Er war 1966 bis 1968 Mitglied des documenta-Rates zur 4. documenta im Jahr 1968 in Kassel.

Wegen Imdahls fachlicher Ausrichtung und weil Bochum damals eines der wenigen durchgängig mit der Moderne befassten Universitätsinstitute war, sind zahlreiche Schülerinnen und Schüler von Max Imdahl mit entsprechenden Schwerpunkten im kuratorischen Bereich tätig geworden. Ihre Arbeit hat insbesondere die Museumslandschaft in Nordrhein-Westfalen geprägt.

An Max Imdahl erinnert die „Situation Kunst - für Max Imdahl“ am Park von Haus Weitmar in Bochum als Teil der Universitätskunstsammlungen; dort ist auch der schriftliche Nachlass archiviert. Ein Max-Imdahl-Stipendium für Kunstvermittlung wird seit 1993 durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung vergeben.

Zum 1. Januar 2011 richtete die Ruhr-Universität Bochum zu Ehren von Max Imdahl eine neue, nach ihm benannte Gastprofessur ein. Sie wurde ein Jahr lang mit der evangelischen Theologin Margot Käßmann besetzt.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. rub.de 4. August 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]