Meier Spanier

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Meier Spanier (1907)
Stolpersteine für Charlotte und Meier Spanier vor dem Haus Jenaer Straße 20, in Berlin-Wilmersdorf
Gedenkplatte am Gleis 17 am Bahnhof Berlin-Grunewald

Meier Spanier (* 1. November 1864 in Wunstorf; † 28. September 1942 in Berlin) war ein deutscher Pädagoge und Germanist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meier Spanier, 1864 als Sohn des eingesessenen Klempnermeisters Leser Spanier (1821–1889) und seiner Ehefrau Elise geb. Meyer (1815–1905) aus dem niedersächsischen Landjudentum geboren, besuchte die einklassige jüdische Schule in Wunstorf. Sein 11 Jahre älterer Bruder war der Pädagoge und Autor Moritz Spanier. Die beiden Brüder hatten drei Schwestern. Seine Jugend schildert er später als „glücklich“.

„Daß meine Familie nun 260 Jahre in dem hannoverschen Städtchen gehaust hat, begründet zur Genüge die Verbundenheit mit der Heimat.[1]

Der Ortspfarrer der Gemeinde erkannte ihn als besonders begabten Jungen und schlug vor, ihn auf eine Präparandenanstalt in Hannover zu schicken. Diese besuchte er bis zu seiner Einschreibung an die Universität Heidelberg, wo er Germanistik studierte, um danach an einer Privatschule in Hamburg zu unterrichten. In dieser Zeit knüpfte er enge Freundschaften zu Detlev von Liliencron und Alfred Lichtwark. Von 1900 bis 1911 war Spanier der Leiter des Lehrerseminars der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster. Die Stiftung vertrat als Leitsatz genau die Ansicht, die Spanier zeit seines Lebens auch unterstützte: die „geeinte Zwienatur“ des deutschen Judentums erkennen, als patriotischer Deutscher und königstreuer Preuße sich in die Gesellschaft integrieren und dennoch die jüdische Tradition fortführen. Dieses Anliegen schlug sich auch in der Rede Spaniers zum 75-jährigen Bestehen der Marks-Haindorf-Stiftung nieder, in der er Jakob Loewenberg zitierte:

„Ihr könnt mir das Gefühl nicht rauben,
das freudigstolz die Brust mir schwellt;
Trotz euer: Deutschland über alles,
Ja, über alles in der Welt.“

Nach 1911 fungierte er bis zu seiner Pensionierung als Rektor der Mädchenschule und 1921–1930 als Rektor der Mädchenmittelschule der jüdischen Gemeinde Berlin. In dieser Zeit veröffentlichte er einige durchaus beachtete Werke über germanistische und kunstpädagogische Themen. Unmittelbar vor ihrer bevorstehenden Deportation setzten er und seine Frau Charlotte ihrem Leben selbst ein Ende. Die fragliche Deportation könnte der Transport vom 3. Oktober 1942 vom Bahnhof Berlin-Grunewald, Gleis 17, ins Ghetto Theresienstadt gewesen sein.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Murners Narrenbeschwörung. Halle, 1894.
  • Vom Alten und Modernen Sturm und Drang. Berlin, 1896.
  • Künstlerischer Bilderschmuck für Schulen. Leipzig, 1897.
  • Gustav Falke als Lyriker. Eine Auswahl aus seinen Dichtungen mit einer Einleitung. [Hamburgische Liebhaberbibliothek]. Hamburg, Selbstverlag, 1900.
  • Die Wunstorfer Spanier. In: Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur. 30. Band (1937), S. 187–203. Compact Memory

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diethard Aschoff: Unveröffentlichte westfälisch-jüdische Erinnerungen. In: Westfälische Forschungen, Bd. 38 (1988), S. 257–265
  • Eberhard Kaus: Im Licht des Lebens. Das jüdische Wunstorf im Spiegel seiner Gräber (1830–1938). zu Klampen Verlag, Springe 2021, ISBN 978-3-86674-817-0.
  • Gisela Möllenhoff u. Rita Schlautmann-Overmeyer: Jüdische Familien in Münster 1918–1945 – Abhandlungen und Dokumente. Münster 1998. S. 30ff.
  • Susanne Freund: Jüdische Bildungsgeschichte zwischen Emanzipation und Ausgrenzung – das Beispiel der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster (1825–1942). Verlag Schöningh. Münster u. Paderborn 1997. ISBN 3-506-79595-3
  • Spanier, Meier. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 19: Sand–Stri. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. De Gruyter, Berlin u. a. 2012, ISBN 978-3-598-22699-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Meier Spanier – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meier Spanier, Die Wunstorfer Spanier, 1937