Melos Quartett

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Das Melos Quartett mit Sitz in Stuttgart zählte zu den renommierten Streichquartettensembles der Welt. Es wurde 1965 von Wilhelm Melcher (1. Violine), Gerhard Voss (2. Violine), Hermann Voss (Viola) und Peter Buck (Cello) gegründet und bestand 40 Jahre lang bis zum Jahr 2005.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründungsmitglieder des Quartetts waren Anfang der 1960er Jahre als Konzertmeister und Stimmführer im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn und im Stuttgarter Kammerorchester tätig, bevor sie sich 1965 erstmals zu gemeinsamen Quartettproben und Konzerten trafen. Bereits ein Jahr später gewann das Melos Quartett erste internationale Preise, denen zahlreiche weitere folgten. 1967 gaben die Mitglieder ihre Orchesterstellen auf, um sich ganz dem Quartettspiel zu widmen.

Der Name „Melos“ ist, abgesehen von der musikalischen Bedeutung (Gesangslinie), eine Zusammenziehung der Mitgliedernamen Melcher und Voss; Peter Buck wohnte zur Gründungszeit des Quartetts in der Stuttgarter Melonenstraße.

Nach 28 Jahren verließ Gerhard Voss 1993 das Quartett wegen nicht mehr überbrückbarer Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Mitgliedern; er wurde durch Ida Bieler ersetzt. Für 2005 war eine „Les Adieux“-Abschiedstournee [1] geplant, die wegen des Todes von Wilhelm Melcher aber nicht mehr zustande kam.[2][3]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1975 hatte das Quartett ein Repertoire von 120 Werken aufgebaut, darunter die kompletten Beethoven-, Schubert-, Cherubini- und Bartók-Quartette sowie Werke von Haydn, Mozart, Brahms, Hugo Wolf, Pfitzner, Verdi, Donizetti, Debussy, Smetana, Kodály, Janáček, Hindemith, Alban Berg, Gian Francesco Malipiero, Witold Lutosławski, Milko Kelemen, Wittinger und Horvath. Die Musiker hatten sich bewusst für ein breit gefächertes Repertoire entschieden, um nicht an eine bestimmte Zeit gebunden zu sein.

Plattenaufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1969 schloss das Quartett einen ersten Fünf-Jahres-Vertrag mit der Deutsche Grammophon, der 1972 nochmals verlängert wurde, um sämtliche Streichquartette von Schubert und Cherubini aufzunehmen. Auf den meisten Schubert-Aufnahmen dieser Zeit sind ein Cello von Francesco Ruggieri (1682), eine Viola von Carlo Ferdinando Landolfi (18. Jahrhundert), eine erste Violine von Domenico Montagnana (1731) und eine zweite Violine von Carlo Annibale Tononi (18. Jahrhundert) zu hören.

Konzertreisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Melos-Quartett unternahm zahlreiche Touren um die Welt, nach Nord- und Südamerika, Afrika, in alle europäischen Länder, den Nahen Osten und den Fernen Osten, bis nach Nowosibirsk in Russland. Die Mitglieder des Quartetts waren die ersten westdeutschen Musiker, die 1973 in Wolgograd (Stalingrad) ein Konzert zum Gedenken an die Ereignisse von 1943 spielten. In den 1970er und 1980er Jahren gab das Melos-Quartett jährlich etwa 120 Konzerte.[4] Es gehörte somit zu den international erfolgreichsten deutschen Kammermusikensembles.

Lehraufträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründungsmitglieder des Melos Quartetts waren ab 1975 Dozenten für Streichquartettspiel, ab 1980 Professoren an der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart.

Kammermusikpartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Kammermusikpartnern des Melos Quartetts gehörten u. a. Franz Beyer, Piero Farulli, Dietrich Fischer-Dieskau, Mstislaw Rostropowitsch, Arthur Rubinstein, Sir Georg Solti und Narciso Yepes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. KulturStadtLev: Melos-Quartett (Abschiedstournee), leverkusen.com, 7. Februar 2005
  2. Geschichte des Melos Quartett, auf der Klassik-Heute Webseite
  3. Rezension zu Einspielung sämtlicher Streichquartette von Brahms und Schumann
  4. Pfluger, Rolf: "Das Melos-Quartett (Stuttgart)." Österreichische Musikzeitschrift, 31. Januar 1976, Seite 54 bis 55