Melzer Verlag

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Der Melzer Verlag war ein deutscher Verlag. Das 1958 von Joseph Melzer gegründete Unternehmen war zunächst auf Judaica spezialisiert, wandte sich dann insbesondere erotischer bzw. pornografischer Literatur zu. Abraham Melzer führte das Familienunternehmen nach einer Reihe von Neugründungen mit dem Schwerpunkt im politischen Sachbuchbereich bis 2012 fort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Melzer nach Rückkehr aus Israel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Melzer hatte 1958, nach der Rückkehr aus Israel, den Joseph Melzer Verlag in Köln mit dem Ziel gegründet, deutschen Lesern die von den Nationalsozialisten verbotenen Bücher wieder zugänglich zu machen. In den 60er Jahren zog der Verlag nach Darmstadt um. Jörg Schröder veröffentlichte bei Melzer Victor Klemperers LTI (1966), den Beat und Black Power Aktivisten LeRoi Jones und mit großem Erfolg die erste deutsche Ausgabe der Geschichte der O (1967). Der Verlag ist das Risiko der Veröffentlichung des pornographischen Romans bewusst eingegangen, um dem drohenden Konkurs zu entgehen.

Sohn Abraham übernimmt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melzers Sohn Abraham trat 1970 in das Familienunternehmen ein und zeichnete für die Programmgestaltung mitverantwortlich, nachdem sich Melzer im Unfrieden von Schröder getrennt hatte. Zunächst konnte man von der damaligen Pornographie-Welle auf dem Buchmarkt profitieren, nach deren Abebben ging der unter der Einzelfirma „Joseph Melzer Verlag“ geführte Betrieb 1971 in Konkurs.[1] Ab 1972 führte Joseph Melzer den Betrieb als „Melzer Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, schied dort aber 1974 als Geschäftsführer aus. 1979 wurde die Gesellschaft wegen Vermögenslosigkeit gelöscht.[2] Im gleichen Jahr gründete Abraham Melzer „Abi Melzer Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Mit Umfirmierung in „Weiss Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ im Jahr 1982 schied er als Geschäftsführer aus, war dann aber von 1986 bis 1987 und von 1988 bis zur Löschung wegen Vermögenslosigkeit 1991 erneut Geschäftsführer.[3] 1976 gründete Abraham Melzer die „"Abi" Melzer Productions Verlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, die 1990 wegen Vermögenslosigkeit gelöscht wurde.[4] Abraham Melzer betätigte sich in der Folge als Buchproduzent für Verlage wie Fourier, Parkland und Weltbild.

Zeitschrift SEMIT[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 gründete Abraham Melzer die politische Zeitschrift SEMIT, die bis 1992 unregelmäßig erschien und 2012 eingestellt wurde. Als Mitherausgeber firmierte Oswald LeWinter.

Verlagsneugründung 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den inhaltlichen Schwerpunkt der Zeitschrift bildeten jüdische und israelische Themen. Ihr politisches Profil war durch dezidierte Opposition zur israelischen Regierungspolitik geprägt. Die Programmatik von SEMIT bestimmte auch die Ausrichtung des 2001 neu gegründeten Melzer Verlages, dessen Programm sich in erster Linie aus jüdischen Themen mit den Schwerpunkten Nahostkonflikt, israelische Literatur, jüdische Kunst, politisches Sachbuch und Judaica zusammensetzte. Der Untertitel Das andere jüdische Programm war als Hinweis auf den kritischen Anspruch des Verlegers zu verstehen. Dieser stieß insbesondere im deutschen Judentum nicht auf ungeteilten Zuspruch – selbst seine Mutter Miriam schrieb: „Abi, das sind schlimme Lügen, warum tust Du das?“[5]

Ergänzt wurde das Programm durch ein populäres Angebot an Romanen, Sachbüchern und, zuletzt, Fotobänden wie dem im Juli 2006 erschienen Bildband zum Leben Romy Schneiders. Produktionen für andere Verlage waren das zweite Standbein des Melzer Verlages, zu den bereits erwähnten Kunden kamen noch Parragon und Zweitausendeins hinzu.

Abraham Melzer ist auch als Übersetzer tätig und hat zuletzt eine Heinrich Heine-Biographie des israelischen Publizisten Yigal Lossin aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen und verlegt. Zu den Autoren des Verlages zählten unter anderem der Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck („Ich will nicht mehr schweigen“ über die Mauer zum Westjordanland) und der israelische Journalist Gideon Levy (Ha'aretz). Mit Übersetzungen von in Deutschland weniger bekannten, aber wichtigen israelischen Autoren wie Ehud Ben-Ezer wollte der Verlag die Wahrnehmung der Leser für Differenzen und Nuancen schärfen. 2003 übernahm der Verlag das umstrittene Buch Nach dem Terror. Ein Traktat des kanadischen Philosophen Ted Honderich, das neu übersetzt wurde,[6] nachdem Suhrkamp dessen Veröffentlichung wegen Antisemitismus-Vorwürfen gegen den Autor einstellte.[7][8]

2005 veröffentlichte der Verlag Das Ende des Judentums: Persönliche Betrachtungen über Judentum, Holocaust und Israel von Hajo G. Meyer, einem Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz.[9] Um dieses Buch, das in essayistischer Weise und mit autobiographischen Anklängen den „moralischen Verfall der heutigen israelischen Gesellschaft“[10] behandelt und dabei auch den Holocaust als eine „Laune der Geschichte“ bezeichnet, über eine zukünftige Absicht der Juden auf die Weltherrschaft spekuliert und die israelische Politik mehrfach mit der der Nationalsozialisten vergleicht, entspann sich ein medienwirksamer Rechtsstreit mit dem Publizisten Henryk M. Broder, in dem dieser gegen Abraham Melzer und Hajo Meyer durchsetzen konnte, dass er ihnen Antisemitismus vorwerfen darf:

„Er darf beide ‚Kapazitäten für angewandte Judäophobie‘ nennen und erklären, sie hätten ‚den Adolf gemacht‘. Nur die Äußerung Melzer fülle eine Lücke mit ‚braunem Dreck‘, wurde ihm untersagt.[9]

Im März 2010[11] erschien im Melzer Verlag der Goldstone-Bericht über den Gaza-Krieg.

2012 stellte der Verlag seinen Betrieb endgültig ein. Melzer betreibt seit 2014 unter der alten Domain des gleichfalls eingestellten Magazins SEMIT einen Blog (der-semit.de) und veröffentlichte 2015 das Buch Merkel erwache! ISRAEL VOR GERICHT im Zambon-Verlag.[12]

2016 gründete Melzer den Cosmics Verlag, da „der Name Melzer Verlag zu sehr mit dem alleinigen Thema Palästina-Konflikt belastet“ ist und er auch andere lesenswerte Bücher herausbringen will. [13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsregisterblatt HRA 20896 des Amtsgerichts Frankfurt, Beschluss des Konkursgerichts Frankfurt am Main vom 16. September 1971, 81 N 248/71
  2. Handelsregisterblatt HRB 1684 des Amtsgerichts Darmstadt
  3. Handelsregisterblatt HRB 982 und 1791 des Amtsgerichts Langen
  4. Handelsregisterblatt HRB 624 des Amtsgerichts Langen
  5. Zeitschriften - Abi, warum tust du das?, Der Spiegel 39/1989, Seite 265f
  6. Postskriptum ohne Reue. In: Der Standard. 30. Dezember 2003.
  7. Ich halte das Buch nicht für antisemitisch. In: Der Standard. 7. November 2003.
  8. Ted, glaubst du wirklich .... auf: Telepolis. 21. Oktober 2003.
  9. a b Alex Feuerherdt: Henryk M. Broder: „Den Adolf gemacht“. In: Tagesspiegel. 9. November 2007. Das Buch wurde aus dem Niederländischen von Christiane Kuby und Herbert Post übersetzt. Inhaltsverzeichnis, (PDF, 43 KB).
  10. Verlagsangabe.
  11. Zündstoff: Melzer bringt Goldstone-Bericht als Buch. auf: buchmarkt.de, 5. März 2010.
  12. Abraham Melzer wird heute 70 Jahre alt, Buchmarkt vom 5. Februar 2015
  13. Willkommen beim Cosmics Verlag, abgerufen am 11. Juni 2017