Menstruationstasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Menstruationstasse im Größenvergleich zu einer Streichholzpackung

Eine Menstruationstasse (auch Menstasse, Menstruationsglocke, Menstruationskappe, Menstruationsbecher [engl. Menstrual cup oder Moon cup]) ist ein kelchähnliches Produkt, das zum Auffangen des Menstruationssekrets in die Scheide eingeführt wird. Menstruationstassen sind Artikel der Monatshygiene.

Eines der ersten Patente für eine Menstruationstasse wurde 1937 von der Amerikanerin Leona Chalmers eingereicht. Im Gegensatz zu Tampons oder Monatsbinden saugen Menstruationstassen die Menstruationssekrete nicht auf, sondern fangen je nach Modell bis zu 48 ml Flüssigkeit auf. Die Tasse wird dann entnommen, geleert, ausgespült und wieder eingesetzt.[1]

Es gibt sowohl mehrfach verwendbare Menstruationstassen, die laut Herstellern bis zu zehn Jahre lang verwendbar sind, als auch Einwegmodelle. Sie werden oft aus Silikon für den medizinischen Bedarf hergestellt, es gibt aber auch Modelle aus Latex oder dem Kunststoff TPE. Von manchen Herstellern sind verschiedene Größen erhältlich, andere haben Einheitsgrößen.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Menstruationstasse aus medizinischem Silikon, thermoplastischem Elastomer oder Latex hergestellt wird, trocknet sie die Scheidenflora nicht aus und ruft daher keine Infektionen oder Scheidenpilze hervor. Frauen, die gegen Latex allergisch sind, können auf Menstruationstassen aus medizinischem Silikon oder thermoplastischem Elastomer zurückgreifen.

Da die Menstruationstasse gefaltet eingeführt wird und daher kein Sauerstoff zum Menstruationsblut gelangt, entstehen keine unangenehmen Gerüche. Darüber hinaus kann der Kontakt mit körperbelastenden Stoffen vermieden werden, wie sie in Tampons und Binden, die eventuell gebleicht oder chemisch behandelt sind, vorkommen können.[2]

Menstruationstassen werden unter anderem aus ökologischen Gründen zur Vermeidung von Müll durch Hygieneprodukte [3][2] empfohlen. Durch die Wiederverwendbarkeit ist die Menstruationstasse auch finanziell bereits nach kurzer Zeit günstiger als der beständige Kauf von Tampons oder Binden.

Die Menstruationstasse kann bereits vor Beginn der Periode eingesetzt und auch nach dem Coitus zum Sammeln der Samenflüssigkeit getragen werden. Menstruationstassen können ein größeres Aufnahmevermögen als Tampons haben. Auch in Situationen, in denen eine Entsorgung der Hygieneprodukte schwierig sein kann, wie etwa auf Toiletten ohne Abfalleimer, auf Trekkingtouren oder Reisen in unwegsame Gebiete[4], bietet sich die Nutzung wiederverwendbarer Produkte an.

Die Frau kann das Menstruationsblut im Hinblick auf Menge, Zusammensetzung und Farbe beurteilen. Hieraus können sich Informationen über den Zyklus und die Gesundheit der Frau ergeben.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tasse in gemeinsam genutzten Toiletten zu reinigen, wenn sich das Waschbecken im Vorraum befindet, ist vielen Frauen unangenehm. Eine Alternative ist das Auswischen mit Toilettenpapier, oder auch eine kleine Flasche Wasser mitzuführen, um die Kappe in der Toilettenkabine zu spülen. Herkömmliche Feuchttücher sollten dagegen nicht verwendet werden. Es gibt spezielle Feuchttücher auf Wasser- und Alkoholbasis, die zur Reinigung der Menstruationstasse konzipiert sind. Da die Tasse ohne Probleme bis zu zwölf Stunden getragen werden kann, ist ein Leeren in öffentlichen Toiletten oft gar nicht nötig.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Menstruationstasse wird meist zusammengefaltet in die Vagina eingeführt, dort entfaltet sie sich zu der charakteristischen Becherform. Die meisten Hersteller empfehlen, die Tassen noch einmal zu drehen, um das komplette Entfalten sicherzustellen. Der korrekte Sitz kann außerdem durch Fühlen mit den Fingern überprüft werden. Korrekt eingesetzt wird die Tasse sowohl von der Scheidenmuskulatur als auch durch den entstehenden Unterdruck gehalten und kann daher nicht verrutschen. Kleine Löcher unter dem oberen Rand erleichtern das Herausnehmen der Tasse, indem sie Luft in die fest sitzende Tasse gelangen lassen. Anstatt zu wechseln, wird die Tasse entnommen, entleert, ausgespült und wieder eingesetzt. Nach der Menstruation wird die Tasse sterilisiert. Sie kann dazu in reichlich Wasser zwei bis fünf Minuten in einem Topf auf dem Herd oder in einem speziellen Silikonbecher in der Mikrowelle gekocht oder mit Sterilisationstabletten gereinigt werden.

Eine Menstruationstasse kann bis zu zwölf Stunden hintereinander getragen werden und ist mehrere Jahre hindurch wiederverwendbar.

Toxisches Schocksyndrom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einen verzeichneten Fall von toxischem Schocksyndrom (TSS) in Verbindung mit der Verwendung einer bakteriell besiedelten Menstruationstasse.[5] Eine bei der Einführung der Menstruationstasse entstandene Verletzung der vaginalen Schleimhaut begünstigte möglicherweise diese Infektion.[5]

Zwar erlaubt die Silikonoberfläche der Menstruationstasse selbst kein Bakterienwachstum, doch das darin gesammelte Menstruationsblut stellt ein geeignetes Medium für das Wachstum des Bakteriums Staphylococcus aureus, eines Verursachers von TSS, im unteren Genitaltrakt dar.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Menstruationstassen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elizabeth Gunther Stewart, Paula Spencer: The V Book: A Doctor's Guide to Complete Vulvovaginal Health, Bantam Books, 2002, Seiten 96 und 97, ISBN 0-553-38114-8.
  2. a b M. Sara Rosenthal: The Gynecological Sourcebook, McGraw-Hill Professional, 2003, Seiten 37 ff., ISBN 0-07-140279-9.
  3. Leslie Garrett, Peter Greenberg: The Virtuous Consumer: Your Essential Shopping Guide for a Better, Kinder and Healthier World, New World Library, 2007, Seiten 17 bis 19, ISBN 1-930722-74-5.
  4. Gary Fujimoto, M.D.; Marc Robin, ANP; Brad Dessery, R.N.: The Traveler's Medical Guide: The Comprehensive Self-care Source for All Aspects of Healthy Global Travel, Prairie Smoke Press, 2003, Kapitel 4: Women and Travel (Seite 107 ff.), ISBN 0-9704482-5-2.
  5. a b c M. A. Mitchell, S. Bisch u. a.: A confirmed case of toxic shock syndrome associated with the use of a menstrual cup. In: The Canadian journal of infectious diseases & medical microbiology = Journal canadien des maladies infectieuses et de la microbiologie médicale AMMI Canada. Band 26, Nummer 4, 2015 Jul-Aug, S. 218–220, PMID 26361491, PMC 4556184 (freier Volltext).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!