Mercedes-Benz Werk Sindelfingen

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Das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen aus der Luft.

Koordinaten: 48° 42′ 0″ N, 8° 59′ 24″ O Das Mercedes-Benz Werk Sindelfingen ist das größte Werk des deutschen Automobilherstellers Daimler AG. Das zum Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars gehörende Werk in der Stadt Sindelfingen beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter (Stand 31. Dezember 2017), davon ca. 10.000 in Forschung und Entwicklung und anderen Zentralbereichen[1], und ist damit, gemessen an der Anzahl der Angestellten, nach dem Volkswagenwerk Wolfsburg und dem Audi-Werk Ingolstadt das drittgrößte Werk in Deutschland. Im Jahr 2015 wurden hier mehr als 300.000 Fahrzeuge produziert, was rund 15 % des weltweiten Absatzes von Mercedes-Benz Cars entspricht. Das Fabrikgelände umfasst 2.955.944 m², die reine Produktionsfläche 1.305.557 m².

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fließbandproduktion im Werk Sindelfingen (1956)

Das Werk Sindelfingen wurde 1915 durch die Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. In den Anfangszeiten wurden hauptsächlich Flugzeuge und Flugmotoren, wie beispielsweise der Mercedes D III hergestellt, weshalb das Werk damals über eine Flug- und Landebahn verfügte. 1919 wurde schließlich der erste Personenkraftwagen gefertigt. Nach der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der von Carl Benz mitgegründeten Benz & Cie. im Jahre 1926 wurde der gesamte Karosseriebau des neuen Konzerns Daimler-Benz ins Werk Sindelfingen verlagert. Ein Jahr später wurden die Fahrzeuge zum ersten Mal mittels Fließbandfertigung montiert, welche von Wilhelm Friedle, dem damaligen Betriebsdirektor im Werk Sindelfingen, eingeführt wurde. 1929 wurde im Werk das erste Presswerk installiert. Der Begriff Sindelfinger Karosserie wurde in der darauffolgenden Zeit zum Qualitätsbegriff. Mit der Zeit wurden mit steigendem Absatz auch mehr Arbeiter benötigt. 1938 beschäftigte das Werk ca. 6.500 Mitarbeiter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Daimler-Benz zu einem der größten Produzenten von Rüstungsgütern. Dies wurde auch gewährleistet durch den Einsatz von Zwangsarbeitern, die nach Deutschland verschleppt wurden, davon waren in Sindelfingen in Daimler-eigenen Werkslagern etwa 3.000 Frauen, Kinder und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen.[2] Aufgrund des industriellen Rüstungspotentials wurde die Stadt Sindelfingen im Krieg sehr stark zerstört, auch das Werk Sindelfingen erlitt große Verluste. Ab 1945 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, die Produktion des Typ 170 V wurde als einzige weitergeführt. 1950 wurde aufgrund der steigenden Produktion und der Verlagerung der PKW-Endmontage vom Werk Untertürkheim nach Sindelfingen der Zweischichtbetrieb in Sindelfingen eingeführt. Im Jahr 1955 wurden 80.500 PKW gefertigt. 1972 erschien mit dem Mercedes-Benz W 116 die erste S-Klasse. Sie wurde einzig in Sindelfingen gefertigt, was sich bis heute mit dem aktuellen Modell der S-Klasse (W 222) nicht geändert hat.

Von 2002 bis 2012 wurden am Standort Sindelfingen zusätzlich Luxus-Limousinen von der Maybach-Manufaktur, einer ehemaligen Sparte der Daimler AG, produziert.

Das Werk Sindelfingen war bis 2015 das absatzstärkste Werk der Daimler AG, bis es vom Mercedes-Benz-Werk Bremen überholt wurde. In Sindelfingen wurden im Jahr 2015 ca. 319.000 Fahrzeuge montiert, in Bremen ca. 324.000.[3]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Fahrzeuge
2011 484.014
2012 424.609
2013 402.387
2014 367.313[4]
2015 319.192[3]

Aktuell (Stand 2018) werden in Sindelfingen folgende Modelle endmontiert:

Zudem befindet sich hier der Mercedes-Benz Technology Center (PKW-Entwicklungsabteilungen) für Design, Karosserie und Fahrwerk.

Heizkraftwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daimler-Heizkraftwerk Sindelfingen

Seit 1960 verfügt das Werk über ein auf dem Werksgelände stehendes KWK-Heizkraftwerk. Damit deckt das Werk Sindelfingen den gesamten Bedarf an Wärme und einen Drittel des Strombedarfs.[5] Dort werden im Jahr rund 165 GWh Strom erzeugt, wovon ca. 65 GWh in Form von Wärmeenergie an die Stadtwerke Sindelfingen verkauft werden.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2008 erhielt das Werk den J. D. Power Platinum Award für die automobile Fertigungsstätte mit der am besten gelieferten Qualität weltweit und den J. D. Power Gold Award für die Baureihen S- und E-Klasse.[7]

Die Fachzeitschrift Produktion hat das Werk Sindelfingen als Fabrik des Jahres 2010 im Bereich Hervorragendes Qualitätsmanagement ausgezeichnet. Als herausragend bewerteten die Juroren beim Werk Sindelfingen das sehr hohe Niveau der Produktqualität, die Qualitätsverbesserungen sowie die beeindruckende Leistungssteigerung in den vergangenen Jahren.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daimler Facts and Figures – Sindelfingen (Memento vom 26. September 2018 im Internet Archive)
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 82f.
  3. a b Daimler: Bremen löst Sindelfingen als größten Produktionsstandort ab auf focus.de, abgerufen am 24. November 2016.
  4. Mercedes-Benz in Sindelfingen: 100 Jahre gelebte Automobilgeschichte. Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  5. Green Production: Innovative Heizkrafttechnologie im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen. Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  6. Werk Sindelfingen Broschüre (Memento des Originals vom 22. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.daimler.com auf daimler.com, abgerufen am 22. April 2016.
  7. J.D. Power and Associates Reports: Three Automotive Plants in Germany Receive Initial Quality Awards, Including Platinum Quality Award for Mercedes-Benz Sindelfingen Plant auf finanzen.net, abgerufen am 23. April 2016.
  8. Sindelfingen ist Fabrik des Jahres auf vogel.de, abgerufen am 23. April 2016.