Michael Dummett

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Michael Dummett 2004

Sir Michael Anthony Eardley Dummett (* 27. Juni 1925 in London, England; † 27. Dezember 2011[1]) war ein britischer Philosoph und Logiker.

Er hat maßgebliche Beiträge zur Philosophie der Mathematik, zur Logik, zur Sprachphilosophie, zur Metaphysik und zur Geschichte der analytischen Philosophie geliefert. Des Weiteren hat Michael Dummett ein Wahlverfahren entwickelt und grundlegende wissenschaftliche Arbeiten zur Kartenspielfamilie Tarock publiziert. Sein Interesse galt auch dem Ausländerrecht und dem Stil der englischen Sprache.

Leben[Bearbeiten]

Michael Dummett besuchte die Sandroyd School in Wiltshire, bevor er die weiterführende Schule Winchester College in Winchester besuchte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Dummett für den britischen Geheimdienst Secret Intelligence Service in Indien und Malaya.

Er studierte ab 1947 in Oxford am Christ Church College Philosophie, Politische Wissenschaft und Wirtschaftswissenschaft und wurde dort 1950 Fellow des All Souls College.

Von 1962 bis 1974 war er Dozent für Philosophie und Mathematik.

Von 1979 bis 1992 war er in Oxford - als Nachfolger von Alfred Ayer - Wykeham-Professor für Logik und gleichzeitig war er Fellow am New College.

Leistungen[Bearbeiten]

Arbeiten zu Frege[Bearbeiten]

Dummetts erstes bedeutendes Werk war „Frege: Philosophy of language“, in welchem er die philosophische Position von Gottlob Frege auf seine eigene Art deutet. Die Schrift, die mittlerweile den Rang eines Klassikers beanspruchen kann, wird bis heute kontrovers diskutiert. Dummett hat noch weitere Werke zu Frege verfasst und kann wohl als dessen bedeutendster Interpret gelten.

Sprachphilosophie[Bearbeiten]

Dummett hat gegen die wahrheitskonditionale Bedeutungstheorie von Donald Davidson einzuwenden, dass Wahrheit nur dann für den Sprecher relevant ist, wenn dieser sie auch erkennen kann. Mit Davidson und Noam Chomsky führte er zudem eine Diskussion über die Frage, ob der Idiolekt oder die geteilte Sprache einer Sprachgemeinschaft bei der philosophischen Analyse den Vorrang haben sollte.

Antirealismus[Bearbeiten]

In seinem Werk „Truth and other enigmas“ entwickelt Dummett in Auseinandersetzung mit klassischen realistischen Positionen eine antirealistische Haltung. Diese trägt seiner Meinung nach wesentlich zur Lösung des Leib-Seele-Problems bei. Die Entscheidung für den Antirealismus fällt in Auseinandersetzung mit der Betrachtung von Wahrheit als zweiwertig und unabhängig vom menschlichen Erkennen. In seinem letzten Werk, „Truth and the Past“ (dt. Wahrheit und Vergangenheit) widmet sich Dummett dem Problem, wie sich Antirealismus mit wahren Sätzen über die Vergangenheit vereinbaren lässt.

Geschichte der analytischen Philosophie[Bearbeiten]

Dummetts drittes großes Werk „Origins of analytic Philosophy“ (dt. Ursprünge der analytischen Philosophie) ist dem Versuch gewidmet, aufzuzeigen, dass neben Frege vor allem Brentano und Husserl als Vorreiter der analytischen Philosophie betrachtet werden sollten. Dies stellte einen Bruch in der Betrachtung der jüngeren Philosophiegeschichte als zweigeteilt in britische- und kontinentaleuropäisch dar.

Wirkung[Bearbeiten]

Unter Dummetts Schülern ragen vor allem Crispin Wright, Timothy Williamson, Gareth Evans, Hans Sluga und Christopher Peacocke hervor. Jedoch kann nur Wright im engeren Sinne als orthodoxer Schüler gelten. Außerhalb des Kreises seiner Schüler hat Dummett insbesondere auf den Neopragmatismus eingewirkt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Philosophie

  • Frege: Philosophy of Language (London 1973/1981)
  • Wahrheit. Fünf philosophische Aufsätze, übers. und hg. v. Joachim Schulte (Stuttgart [Reclam] 1982) [im Buchhandel leider vergriffen. Enthält den gegen die Wittgenteinsche Spätphilosophie gerichteten programmatischen Aufsatz: Kann und sollte die analytische Philosophie systematisch sein? (S. 185 ff.)]
  • Frege: Philosophy of Mathematics (London 1991)
  • Elements of Intuitionism (Oxford 1977, 2000)
  • The Logical Basis of Metaphysics (London 1991)
  • Origins of Analytical Philosophy (London 1993) (dt. Ursprünge der analytischen Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997)
  • The Seas of Language (Oxford 1993)
  • Truth and Other Enigmas (London 1978)
  • Truth and the Past (Oxford, 2004) (dt. Wahrheit und Vergangenheit, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005)
  • Thought and Reality (Oxford, 2006)
  • Voting Procedures (Oxford 1984)
  • Principles of Electoral Reform (New York 1997)

Tarot und Tarock

  • Game of Tarot (1980)
  • Visconti-Sforza Tarot Cards (1986)

Literatur[Bearbeiten]

Zur Einführung

  • Christoph Demmerling/Thomas Blume: Grundprobleme der analytischen Sprachphilosophie, Schöningh/UTB, Paderborn 1998, ISBN 3-8252-2052-4.

Zur Vertiefung

  • McGuinness, Brian [Hrsg.]: The Philosophy of Michael Dummett, 1994. Dordrecht: Kluwer.
  • Brandl, Johannes L. und Sullivan, Peter [Hrsg.]: New essays on the philosophy of Michael Dummett, 1998. Amsterdam: Rodopi, ISBN 90-420-0466-5.
  • Richard G. Heck (Hrsg.) Language, Thought, and Logic: Essays in Honour of Michael Dummett. Oxford University Press, 1998, ISBN 0-19-823920-3.
  • Karen Green. Dummett: Philosophy of Language. Polity, 2001, ISBN 0-7456-2295-X.
  • Bernhard Weiss. Michael Dummett. Princeton University Press, 2002, ISBN 0-691-11330-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Obituary: Professor Sir Michael Dummett bei telegraph.co.uk, abgerufen am 29. Dezember 2011