Michel van Hulten

Michael Henricus Maria „Michel“ van Hulten (* 9. März 1930 in Batavia, Niederländisch-Indien; † 1. Dezember 2025[1]) war ein niederländischer Politiker der Politieke Partij Radikalen (PPR).
Er war von 1971 bis 1972 Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten sowie von 1972 bis 1973 und erneut 1977 Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten. Im Kabinett Den Uyl war er zwischen 1973 und 1977 Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft. In dieser Position hatte er mit Aktionen von Güterkraftverkehrsunternehmern gegen die Einführung des Fahrtenschreibers und von Schiffsführern gegen die Güterverteilung zu kämpfen. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Verteilung der staatlichen Dienstleistungen und der Verlagerung des Hauptsitzes des öffentlichen Post- und Telekommunikationsunternehmens PTT von Den Haag nach Groningen und war ein Verfechter des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs. Nach 1976 stand er der Führung seiner Partei und der PPR-Vorsitzenden Ria Beckers kritisch gegenüber. Er verließ daher im September 1977 die Zweite Kammer und trat schließlich 1981 aus der PPR aus.
Nach seiner Karriere in der niederländischen Politik übernahm er Posten im Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen. Er wechselte im Lauf der Jahre zu den Parteien Democraten 66 (D66), Partij van de Arbeid (PvdA), 50PLUS und Ikkiesvooreerlijk.eu, errang aber kein Mandat oder Amt mehr.
Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michael „Michel“ Henricus Maria van Hulten absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Sozialgeographie und Stadtplanung und legte 1962 seine Promotion zum Doktor der Philosophie (Ph.D.) an der Universiteit van Amsterdam ab.
Politische Karriere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michel van Hulten war zunächst Mitglied der Katholieke Volkspartij (KVP), wo er zu den sogenannten „christlichen Radikalen“ (Christen-radicalen) gehörte, womit nicht religiöser Fundamentalismus, sondern eine linke oder progressive Politik auf christlicher Grundlage gemeint war.[2] 1968 wechselte er mit anderen Vertretern dieser Gruppe um Jacques Aarden zur Politieke Partij Radikalen (PPR).
Mitglied der Ersten und Zweiten Kammer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 25. Mai 1971 wurde van Hulten als Vertreter der PPR und der Wahlgruppe II (Provinzen Groningen, Drenthe, Overijssel und Gelderland) Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten (Eerste Kamer der Staten-Generaal), des Oberhauses des niederländischen Parlaments. Dieser gehörte er bis zu seinem Wechsel in die Zweite Kammer am 7. Dezember 1972 an. Als Mitglied der Ersten Kammer befasste er sich unter anderem mit auswärtigen Angelegenheiten, Verteidigung, Sozialwohnungen, Raumordnung, Verkehrs- und Wasserwirtschaft sowie Landwirtschaft und Fischerei und hielt Reden bei der Debatte über das sogenannte „1000-Gulden-Gesetz“ (1000-guldenwet) bei der Immatrikulation von Studierenden.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im November 1972 erreichte die PPR mit 4,8 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis ihrer Geschichte und van Hulten zog als einer von sieben Abgeordneten seiner Partei in die Zweite Kammer der Generalstaaten (Tweede Kamer der Staten-Generaal) ein, der er bis zum 11. Mai 1973 angehörte. In seiner Zeit als Mitglied des Unterhauses beschäftigte er sich mit Themen wie Verkehrs- und Wasserwirtschaft, Wissenschaftspolitik und Landwirtschaft.
Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Am 11. Mai 1973 übernahm van Hulten im Mitte-links-Kabinett Den Uyl das Amt als Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft (Staatssecretaris van Verkeer en Waterstaat) unter dem Minister Tjerk Westerterp (KVP). Als solcher bis zum 19. Dezember 1977 zuständig für den Staatsbetrieb Post, Telegrafie und Telefonie PTT (Staatsbedrijf der Posterijen, Telegrafie en Telefonie) die Generaldirektion Schifffahrt (Directoraat-Generaal van Scheepvaart), das Königlich Niederländische Meteorologische Institut KNMI (Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut), Sozialangelegenheiten des Straßen- und Binnenschiffsverkehrs, nationale Angelegenheiten des Güterverkehrs auf Schiene, Straße und Wasserstraßen sowie internationalen Angelegenheiten der Bereiche Post, Telekommunikation und Verkehr.
Im Juni 1975 verteidigte er zusammen mit dem Staatssekretär im Innenministerium Wim Polak (PvdA) und dem Staatssekretär im Verteidigungsministerium Cees van Lent (KVP) das Regierungsmemorandum über die Verbreitungspolitik (Spreidingsbeleid), womit die Dezentralisierung von Regierungsbehörden und anderen nationalen Einrichtungen aus Den Haag in andere Städte der Niederlande gemeint war. Während seiner Amtszeit als Staatssekretär wurde mit der Verlegung des Hauptsitzes des öffentlichen Post- und Telekommunikationsunternehmens PTT von Den Haag nach Groningen begonnen. 1977 legte er zusammen mit Finanzminister Wim Duisenberg (PvdA) den Gesetzentwurf zum Postbankgesetz vor, wonach durch den Zusammenschluss von Postgiro und Reichspostsparbank (Rijkspostspaarbank) die Postbank zu einem eigenständigen staatlichen Finanzunternehmen werden sollte. Dieser Gesetzentwurf wurde 1984 vom damaligen Finanzminister Onno Ruding (CDA) zurückgezogen.
1977 wurde das Seerestitutionsgesetz (Wedervergeldingswet zeescheepvaart) erlassen, welches der Regierung ermöglichte, Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, wenn die Interessen der niederländischen Handelsmarine ernsthaft verletzt werden. Beispielsweise kann für Schiffe aus einem bestimmten Land ein Fahrverbot verhängt werden oder auf Seeschiffen, die in niederländischen Gewässern verkehren, Abgaben erhoben werden. Der Gesetzentwurf wurde bereits 1970 vom damaligen Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft Mike Keyzer (VVD) vorgelegt. Ebenfalls 1977 erfolgte eine Novelle des Kraftfahrtgesetzes (Wet Autovervoer Goedere), das die Erlaubnis für Gelegenheitstransporte an die Zulassungsbescheinigung knüpfte und wonach Lizenznehmer LKWs mit Besatzung nicht mehr einfach Dritten zur Verfügung stellen konnte. Dies sollte zu einer besseren Einhaltung der im Verkehrssektor geltenden Vorschriften auch hinsichtlich der Lenkzeiten führen. In dieser Position hatte er mit Aktionen von Güterkraftverkehrsunternehmern gegen die Einführung des Fahrtenschreibers und von Schiffsführern gegen die Güterverteilung zu kämpfen.
Wiederwahl in die Zweite Kammer und Posten in internationalen Organisationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Van Hulten bewarb sich 1976 um den Parteivorsitz der PPR, unterlag aber Ria Beckers, deren Führung er in der Folgezeit kritisch gegenüber stand. Bei der Parlamentswahl im Mai 1977 fiel die PPR auf 1,7 Prozent der Stimmen und drei Sitze zurück. Van Hulten stand auf Platz drei der Kandidatenliste und zog erneut in die Zweite Kammer der Generalstaaten ein, der er bis zu seinem Mandatsverzicht am 8. September 1977 angehörte. Grund für seinen Rücktritt war sein Konflikt mit der Parteiführung und der Vorsitzenden Beckers. Innerhalb der PPR war er Anfang der 1980er Jahre mit Politikern wie Erik Jurgens, Constant van Waterschoot, Jacques Aarden, Ad Melkert, Dik van Kleef, Jacques Tonnaer und Wouter van Dam Mitglied der sogenannten „Godebaldgroep“, die eine Zusammenarbeit der PPR mit den Democraten 66 (D66) und der Partij van de Arbeid (PvdA) befürwortete. Er trat schließlich 1981 aus der PPR aus.
Nach seinem Ausscheiden aus Regierung und Parlament war van Hulten von 1978 bis 1989 Mitarbeiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Mali, Burkina Faso, Malaysia und New York City. Von 1989 bis 1991 war er Generaldirektor der International Organization of Consumers Unions (IOCU), dem weltweiten Zusammenschluss von Verbraucherschutzorganisationen (Vorläuferin von Consumers International). Vom 1. Januar 1991 bis zum 1. Januar 1996 war er Vorsitzender des Verbandes der Personalzusammenarbeit mit Entwicklungsländern (Vereniging Personele Samenwerking met Ontwikkelingslanden), einer Partnerschaft von 30 privaten Organisationen. Am 1. Februar 1991 wurde er ferner Leiter des niederländischen Büros der Globalen Koalition für Afrika GCA (Global Coalition for Africa) und war dort bis zum 3. Januar 1993 persönlicher Vertreter des Außenministers Hans van den Broek. Darüber hinaus wurde er 1992 Mitglied des Vorstands der Niederländisch-Polnischenen Kooperationsstiftung.
Parteienwechsel und erfolglose Kandidaturen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Michel van Hulten wechselte zu Beginn der 1990er Jahre zunächst zu den Democraten 66. Bei der Parlamentswahl am 3. Mai 1994 kandidierte er auf Listenplatz 23 der regionalen Kandidatenliste der D66 im Wahlkreis Lelystad, Utrecht, Dordrecht und Middelburg, verpasste allerdings den Wiedereinzug in die Zweite Kammer. Im Oktober 1997 trat er als Vorsitzender der Programmkommission der D66 zurück, nachdem er das 3-Prozent-Wachstumsziel kritisiert hatte und feststellte, dass dieses Ziel im Widerspruch zu den Umweltzielen des Programmentwurfs stand. Nachdem er 2004 kurzzeitig Mitglied von GroenLinks war, gehörte er zwischen 2005 und 2010 der Partij van de Arbeid (PvdA) an.
Am 16. April 2007 wurde er Dozent für Governance an der Saxion-Hochschule in Enschede, wo er bis Dezember 2015. Er war zwischen 2010 und 2014 Mitglied der Partei 50PLUS, die für die Interessen von Senioren eintritt, und stand 2011 auf dem vierten Platz für deren Kandidatenliste zur Wahl zur Ersten Kammer. Allerdings verfehlte die Partei den Einzug in das Oberhaus des Parlaments. Zuletzt war Michel van Hulten bei der Europawahl am 22. Mai 2014 Spitzenkandidat der Partei Ikkiesvooreerlijk.eu („Ich wähle Ehrlichkeit“), die jedoch nur 0,1 Prozent der Stimmen erhielt. Von 2012 bis 2023 veröffentlichte er regelmäßig Artikel in der Zeitschrift Civis Mundi für politische Philosophie und Kultur.
Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michel van Hulten war mit Els van Hulten-Delfgaauw (1937–2019) verheiratet, die Beigeordnete (Wethouder) in Lelystad und Mitglied des Parlaments (Provinciale Staten) der Provinz Flevoland war. Aus dieser Ehe ging der Sohn Michiel Frans van Hulten (* 1969) hervor, der ebenfalls Politiker wurde, unter anderem zwischen 1999 und 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments sowie von 2005 bis 2007 Vorsitzender der Partij van de Arbeid war.
Veröffentlichungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gratis openbaar vervoer, 1972.
- Djibouti, ville et pays en voie de développement. Rapport, 1983.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lebenslauf bei Parlement.com
- Michel van Hulten bei Open Library
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Oud-staatssecretaris Michel van Hulten (95) overleden. In: NOS. 2. Dezember 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (niederländisch).
- ↑ Norbert Lepszy: Regierung, Parteien und Gewerkschaften in den Niederlanden. Entwicklung und Strukturen. Droste, Düsseldorf 1979, S. 293–294.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hulten, Michel van |
| ALTERNATIVNAMEN | Hulten, Michael Henricus Maria van (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 9. März 1930 |
| GEBURTSORT | Batavia, Niederländisch-Indien |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 2025 |
- Staatssekretär (Niederlande)
- Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten
- Mitglied der Zweiten Kammer der Generalstaaten
- Person (Vereinte Nationen)
- Person (Entwicklungshilfe)
- Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
- Hochschullehrer (Enschede)
- KVP-Mitglied (Niederlande)
- Mitglied der Politieke Partij Radikalen
- D66-Mitglied
- GroenLinks-Mitglied
- PvdA-Mitglied
- 50PLUS-Mitglied
- Sachbuchautor
- Träger des Ordens von Oranien-Nassau (Offizier)
- Niederländer
- Geboren 1930
- Gestorben 2025
- Mann